seine sanften arme schliesst.
Wenn von dem Tanze sanft gewieget,
Von Flötentönen süss berauscht,
Fein Liebchen sich im arme schmieget,
Und blick um Liebesblick sich tauscht;
Da haben wir im Flug genossen
Und schnell den Augenblick erhascht,
Und Herz am Herzen festgeschlossen
Der Lippen süssen Gruss genascht.
Den Wein kannst du mit Gold bezahlen,
Doch ist sein Feuer bald verraucht,
Wenn nicht der Gott in seine Strahlen,
In seine Geisterglut dich taucht;
Uns, die wir seine Hymnen singen,
Uns leuchtet seine Flamme vor,
Und auf der Töne freien Schwingen
Steigt unser Geist zum Geist empor.
Drum, die ihr frohe Freundesworte
Zum würdigen Gesang erhebt.
Euch grüss ich, wogende Akkorde,
Dass ihr zu uns herniederschwebt!
Sie tauchen auf – sie schweben nieder,
Im Vollton rauschet der Gesang,
Und lieblich hallt in unsre Lieder
Der vollen Gläser Feierklang.
So haben's immer wir gehalten
Und bleiben fürder auch dabei,
Und mag die Welt um uns veralten,
Wir bleiben ewig jung und neu.
Denn, wird einmal der Geist uns trübe,
Wir baden ihn im alten Wein.
Und ziehen mit Gesang und Liebe
In unsern Freudenhimmel ein."
Ob dies des Ewigen Juden eigene Poesie war, kann ich nicht bestimmt sagen, doch liess er mich zuzeiten merken, dass er auch etwas Poet sei; die zwei alten Weingeister aber waren ganz erfüllt und erbaut davon; sie drückten dem alten Menschen die Hand, und gebärdeten sich, als hätte er ihnen die ewige Seligkeit verkündigt.
Es schlug auf den Uhren drei Viertel vor zwölf Uhr. Der Ewige Jude sah mich an und brach auf, ich folgte. Rührend war der Abschied zwischen uns und den Trinkern, und noch auf der Strasse hörten wir ihre heiseren Stimmen in wunderlichen Tönen singen:
"Und wird einmal der Geist uns trübe.
Wir baden ihn im alten Wein.
Und ziehen mit Gesang und Liebe
In unsern Freudenhimmel ein."
III
Satans Besuch bei Herrn von Goete
Nebst einigen einleitenden Bemerkungen
über das Diabolische in der deutschen Literatur
Von Zeit zu Zeit sehe ich den Alten gern
Und hüte mich, mit ihm zu brechen,
Es ist gar hübsch von einem grossen Herrn
So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.
Goete
Sechzehntes Kapitel
Bemerkungen über das Diabolische
in der deutschen Literatur
"Die idee eines Teufels ist so alt als die Welt und nicht erst durch die Bibel unter die Menschen gekommen. Jede Religion hat ihre Dämonen und bösen Geister – natürlich weil die Menschen selbst von Anfang an gesündigt haben und nach ihrem gewöhnlichen Antropomorphismus das Böse, das sie sahen, einem geist zuschrieben, dessen Geschäft es sei, überall wenn ich es bis zum Professor der Philosophie gebracht hätte, und nun über die "idee eines Teufels" mich breitmachen müsste.
In meiner Stellung aber lache ich über solche Demonstrationen, die gewöhnlich darauf auslaufen, dass man mich mit zehnerlei Gründen hinwegzudisputieren sucht; ich lache darüber und behaupte, die Menschen, so dumm sie hie und da sein mögen, merken doch bald, wenn es nicht ganz geheuer um sie her ist, und mögen sie mich nun Ariman oder das böse Prinzip, Satan oder Herrn Urian nennen, sie kennen mich in allen Völkern und Sprachen. Es ist doch eine schöne Sache um das dicier hic est, darum behagt mir auch die deutsche Literatur so sehr. Haben sich nicht die grössten Geister dieser Nation bemüht, mich zu verherrlichen, und, wenn ich's nicht schon wäre, mich ewig zu machen?
In meiner Dissertatio de rebus diabolicis sage ich unter anderm hierüber folgendes: "§ 8. Die idee, das moralische Verderben in einer person darzustellen, musste sich daher den Dichtern bald aufdrängen; diese waren, wie es in Deutschland meistens der Fall war, philosophisch gebildet, doch war ihre Philosophie wie ihre Moral von jener breiten, dicken Sorte, die nicht mit Leichtigkeit über Gegenstände hinzugleiten weiss, daher kam es, dass auch die Gebilde ihrer Phantasie jenes philosophische Blei an den Füssen trugen, das sie nicht mit Gewandteit auftreten liess; sie stolperten auf die Bühne und von der Bühne, machten sich breit in Philosophemen, die der Zehendste nicht sogleich verstand, und drehten und wandten sich, als sollten sie auf einer engen brücke ohne Geländer in Reifröcken einander ausweichen.
Daher kam es, dass auch die Teufel dieser Poeten gänzlich verzeichnet waren. Betrachten wir z.B. Klingers Satan. Wie vielen Bombast hat dieser arme Teufel zuerst in der Hölle und dann auf der Erde herzuleiern!
Klingemanns Teufel! glaubt man nicht, er habe ihn nur geschwind aus dem Puppenspiel von der Strasse geholt, ihm die Glieder ausgereckt, bis er die rechte Grösse hatte, und ihn dann in die Szene gesetzt? man begreift nicht, wie ein Mensch sich von einem solchen Ungetüm sollte verführen lassen!"
Es gibt noch mehrere solcher literarischen Ungetüme, die hier aufzuführen der Raum nicht erlaubt. Sie alle haben mir von jeher viel Spass gemacht, und ich kam mir oft vor, wie der Polichinello des italienischen Lustspiels; ich war bei diesen Leuten eine stehende Figur, die, wenn auch etwas anders aufgeputzt, doch immer wieder die Hörner herausstreckte, und unter welche man zu besserer Kenntnis ein "Ecce homo", sehet, das ist der Teufel, schrieb.
Doch auch dem Teufel muss man Gerechtigkeit widerfahren lassen, sagt ein Sprichwort, folglich muss der Teufel zur Revanche auch wieder gerecht sein. "Ein jeder gibt, wie er's kann