, ob es nicht ehrlicher sei, ein Abenteuer aufzugeben, dessen Ende nur ein törichtes sein könnte, bemerkte ich, dass meine Stelle schon wieder besetzt sei. Ich schlich näher herzu, um wenigstens zu hören, wer der glückliche sei, da ich ihn, ohne meine unbescheidene Nähe zu verraten, nicht sehen konnte.
'Wie magst du nur so zerstreut fragen', sagte Luise, 'du selbst hast mich ja heraufgeführt.'
'Ich hätte dich geführt, der ich diesen Augenblick erst zu dir trete? Gestehe, du betrügst mich: wer hat dich hergeleitet?'
Mit befangener stimme, dem Weinen nahe, beharrte sie auf dem, was sie vorhin sagte. 'Du bist auch wie unser Wetter über den Alpen, soeben noch so freundlich, und jetzt so kalt, so finster.'
Jener stand schnell auf: 'Ich bin nicht gestimmt, meine Gnädige, das Ziel Ihrer Scherze zu sein', sagte er, 'und wenn Sie sich in Rätsel vertiefen, wird meine Gesellschaft Ihnen lästig werden.' Er brach auf und wollte gehen. Ich konnte die Leiden der Armen nicht mehr verlängern, trat hervor hinter der Säule, um mich als Auflösung des Rätsels zu zeigen. Aber wie ward mir! Meine eigene Gestalt, mein eigenes Gesicht glaubte ich mir gegenüber zu sehen. Die überraschende Ähnlichkeit –"
Fünfzehntes Kapitel
Das Intermezzo – Die Trinker
Ein schrecklicher Angstschrei, ein Gerassel, wie Blitz und Donner einander folgend, unterbrach den Erzähler. Welcher Anblick! Der Jude lag ausgestreckt auf dem Boden des Saales, überschüttet mit Tee, Trümmer seines Stuhles und der feinen Meissner Tasse, die er im Sturz zerschmettert, um ihn her. Der Ärger über eine solche Unterbrechung war auf allen Gesichtern zu lesen; zürnend wandten die Damen ihr Auge von diesem Schauspiel, von den Herren machte keiner Miene, ihm beizustehen. Er selbst aber blieb sekundenlang liegen, ohne sich zu rühren und schaute verwundert herauf.
Ich sprang auf, ihm beizustehen, ich hob ihn auf und sah mich nach einem andern Stuhl um, auf welchen ich ihn setzen könnte. Aber ein Verwandter des Hauses raunte mir in die Ohren, ich möchte machen, dass wir fortkommen, mein Hofmeister scheine sich nicht in dieser Gesellschaft zu gefallen.
Wir folgten dem Wink und nahmen unsere Hüte. Als ich mich von der gnädigen Frau beurlaubte, sagte sie mir viel Schönes und lud mich ein, sie recht oft zu sehen; meinen armen Hofmeister würdigte sie keines Blickes. Sie neigte sich so kalt als möglich, und liess ihn abziehen. Gelächter schallte uns nach, als wir den Saal verliessen, und ich hatte mit meiner Inkarnation so viel menschliche Eitelkeit angezogen, dass mich dieses lachen ungemein ärgerte.
Wie gern hätte ich die Erzählung jenes interessanten jungen Mannes zu Ende gehört7, wieviel Wichtiges und Psychologisches hätte ich noch von dem "Gardeuniform-liebenden" fräulein erlauschen können; und war ich selbst nicht ganz dazu gemacht, junge Herzen an jenem Abend zu erobern? Ein junger, reicher, ich darf sagen, hübscher Mann auf Reisen, findet, wo er hinkommt, freundliche Augen, durch welche er so leicht in die Herzen einzieht – und dies alles hatte mir das ungeschliffene Wesen des alten Menschen verdorben. Ich hätte ihn würgen mögen, als wir im Wagen sassen.
"War es nicht genug", sagte ich, "dass du mit deinem scharfen Judenbart die zarte Hand der Gnädigen empfindlich bürstetest? musstest du auch noch die Frau von Wollau durch dein unzeitiges Gelächter beleidigen? und kaum hast du es wieder gut gemacht, so bringst du aufs neue alles gegen dich auf? was gingen dich denn die Schwabenmädel an, dass du ihre Schönheit an den Teetischen Berlins predigest? darfst du denn sogar in China einer Schönen sagen, sie habe ein Teegesicht? Und jetzt, nachdem du die spitzigen Worte der ungnädigen Frau eingesteckt hattest, jetzt als alles auf das erste vernünftige Tema, das diesen Abend abgehandelt wurde, lauschte, jetzt fällst du, wie der selige Hohepriester Eli im zweiten Kapitel Samuelis, rücklings in den Saal, und zerschmetterst – nicht den eigenen hohlen Schädel, wie jener würdige jüdische Papst – nein! einen zierlich geschnitzten Fauteuil und eine Tasse von Meissner Porzellan; sage, sprich, schlechter Kamerade, wie fingst du es nur an?"
"In Eurer Stelle, Herr Satan, wäre ich nicht so arrogant gegen unsereinen", antwortete er verdriesslich, "Ihr wisst, dass Euch keine Gewalt über meine Seele zusteht, denn seit andertalb tausend Jahren kenne ich Eure Schliche und Ränke wohl. Was aber die ElisGeschichte betrifft, so will ich Euch reinen Wein einschenken, vorausgesetzt, Ihr begleitet mich in eine Auberge, denn der läpperichte Tee hier, mit dem man in China kaum die Tassen ausspülen würde, mit dem noch schlechtern Arrak, haben mir ganz miserabel gemacht."
Ich liess vor einem Restaurateur halten und führte den verunglückten Doktor Mucker hinein. Es war schon ziemlich tief in der Nacht, und nur noch wenige, aber echte Trinker in dem Wirtszimmer. Wir setzten uns an einen Tisch zu vier oder fünf solcher nächtlichen Gesellen; ich liess für den alten Menschen Burgunder auftragen, und in geläufigem Malabarisch, wovon die Trinker gewiss nichts verstanden, forderte ich ihn auf, zu erzählen.
Nachdem der Ewige Jude durch etliche Schlücke sich erholt hatte, begann er:
"Ich glaube, es ist ein teil des Fluches, der auf mir ruht