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ja die grosse Kunst des Mannes, dass er tausend Fäden zu spinnen weiss, durch die er seine kühnen Gedanken, seine hohen überschwenglichen Ideen an das Volksleben, an die Volkspoesie knüpft. – Halt Freund! ist es eines Mannes, der, wie sie sagen, so hoch über seinem Gegenstand steht, und sich nie von ihm beherrschen lässt, ist es eines solchen Dichters würdig, dass er sich in diese Fesseln der Popularität schmiegt; sollte nicht der königliche Adler dieses Volk bei seinem populären Schopf fassen und mit sich in seine Sonnenhöhe tragen?

Verzeihe, Wertester, erhalte ich zur Antwort, du vergissest, dass unter diesem volk mancher eine Perücke trägt, würde ein solcher nicht in Gefahr sein, dass ihm der Zopf breche und er aus halber Höhe wieder zur Erde stürzte? Siehe! der Meister hat dies besser bedacht; er hat aus jenen tausend Fäden, von welchen ich dir sagte, eine Strickleiter geflochten, auf welcher seine Jünger säuberlich und ohne Gefahr zu ihm hinaufklimmen. Der Meister aber setzet sie zu sich in seine Arche, gleich Noah schwebt er mit ihnen über der Sündflut jetziger Zeit und schaut ruhig wie ein Gott in den Regen hinaus, der aus den Federn der kleinen Poeten strömt.

Ein wässeriges Bild! entgegne ich, und zugleich eine Sottise; befand sich denn in jener Arche nicht mehr Vieh als Menschen? und will der Meister warten, bis die Flut sich verlaufe und dann seine Stierlein und Eselein, seine Pfauen und Kamele, Paar und Paar auf die Erde spazieren lassen?

Will er vielleicht wie jener Patriarch die Erfindung des Weines sich zuschreiben, sich ein Patent darüber ausstellen lassen und über seine Schenke schreiben, hier allein ist Echter zu haben, wie Maria Farina auf sein Kölnisches wasser, so für alle Schäden gut ist?

Aber, um wieder auf Mephistopheles zu kommen; gerade dadurch, dass er einen so überaus populären und gemeinen Teufel gab, hat Goete offenbar nichts für die Würde seines schönsten Gedichtes gewonnen. Er wird zwar viele Leser herbeiziehen, dieser Mephisto, viele Tausende werden ausrufen: "Wie herrlich! das ist der Teufel wie er leibt und lebt." Um die übrigen Schönheiten des Gedichtes bekümmern sie sich wenig, sie sind vergnügt, dass es endlich einmal eine Figur in der Literatur gibt, die ihrer Sphäre angemessen ist.

"Aber erkennst du denn nicht", wird man mir sagen "erkennst du nicht die herrliche, tiefe Ironie, die gerade in diesem Mephistopheles liegt?"

Ironie? und welche? ich sehe nichts in diesem meinem Konterfei, als den gemeinen "Ritter von dem Pferdefuss", wie er in jeder Spinnstube beschrieben wird. Man erlaube mir, dieses Bild noch näher zu beleuchten. Ich werde nämlich vorgestellt als ein Geist, der beschworen werden kann, der sich nach magischen Gesetzen richten muss:

"Gesteh ich's nur, dass ich hinausspaziere,

verbietet mir ein kleines Hindernis

der Drudenfuss auf Eurer Schwelle";

und dieser Schwelle Zauber zu zerspalten

"Bedarf ich eines Rattenzahns",

daher befiehlt:

"der Herr der Ratten und der Mäuse,

der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse"

in einer Zauberformel seinem dienstbaren Ungeziefer die Kante, welche ihn bannte, zu benagen. Auch kann ich nicht in das Studierzimmer treten, ohne dass der Doktor Faust dreimal "Herein!" ruft. In andere Zimmer, wie z.B. bei Frau Marta und in Gretchens Stübchen trete ich ohne diese Erlaubnis. Doch den Schlüssel zu diesen sonderbaren Zumutungen finden wir vielleicht in dem Vers:

"gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur

Worte hört,

Es müsse sich dabei auch etwas denken lassen!"

Doch weiter. Ich stehe auf einem ganz besonderen Fuss mit den Hexen. Die in der Hexenküche hätte mich gewiss liebevoller empfangen, aber sie sah keinen Pferdefuss, und um mich bei ihr durch mein Wappen zu legitimieren, mache ich eine unanständige Gebärde.

"Mein Freund, das lerne wohl verstehen,

Das ist die Art, mit Hexen umzugehen."

Auf dem Brocken in der Walpurgisnacht bin ich noch viel besser bekannt. Das Gehen behagt mir nicht, ich sage daher zum Doktor:

"Verlangst du nicht nach einem Besenstiele?

Ich wünschte mir den allerderbsten Bock."

Auch hier

"Zeichnet mich kein Knieband aus,

Doch ist der Pferdefuss hier ehrenvoll zu Haus."

Um unter diesem gemeinen Gelichter mich recht zu zeigen, tanze ich mit einer alten Hexe und unterhalte mich mit ihr in Zoten, die man nur durch Gedankenstriche

"Der hatte ein – – – – –

Soes war, gefiel mir's doch"

anzudeuten wagt. Ich bin, selbst in Fausts Augen, ein widerwärtiger, hämischer Geselle, der

"– – kalt und frech

Ihn vor sich selbst erniedrigt –"

Ich bin ohne Zweifel von hässlicher, unangenehmer Gestalt und Gesicht, zurückstossend, was man, mit mildem Ausdruck markiert, intrikant und im gemeinen Leben einen abgefeimten Spitzbuben zu nennen pflegt.

Daher sagt Gretchen von mir:

"Der Mensch, den du da bei dir hast,

Ist mir in tiefer innrer Seele verhasst.

Es hat mir in meinem Leben

So nichts einen Stich ins Herz gegeben

Als des Menschen widrig Gesicht. –

Seine Gegenwart bewegt mir das Blut,

Ich hab vor dem Menschen ein heimlich

Grauen. –

kommt er einmal zur Tür herein

Sieht er immer so spöttisch drein

Und halb ergrimmt. –

Es steht ihm an der Stirn geschrieben,

Dass