musste den Einwohnern ein gutes Beispiel geben; wie freute sich mein Herz über diese Reinlichkeit! ich konnte dort fester auftreten, ich konnte mit dem rechten Bein, wenn ich mein Kompliment machte, zierlich ausschweifen, ohne mich zu beschmutzen. Mein Engel schaute huldreich herab, freudig ziehe ich den Hut von dem schönfrisierten Toupet, schwenke ihn in einem kühnen Bogen und – o Unglück – er entwischt meiner Hand, er fährt wie ein Pfeil in den aufgeschichteten Unrat, dass nur noch die Spitze hervorsieht.
Wie schön sagt Schiller:
'Einen blick
nach dem grab
seiner Habe
sendet noch der Mensch zurück.'
So stand ich wie niedergedonnert an dem Unrat. Sollte ich in zierlicher Stellung mit den Fingerspitzen den Hut herausziehen? aber dann war zu befürchten, dass er ganz ruiniert sei; sollte ich völlig chapeau bas weiterziehen, wie einer, der ohne Hut dem Galgen oder dem Tollhaus entsprungen?
Wie ein silbernes Feuerglöckchen schlägt jetzt das lustige lachen meiner Dulcinea an mein Ohr; brummend wie die schweren Totenglocken, das Grabgeläute meiner Hoffnung, antworten zehn Bässe aus dem gegenüber stehenden Kaffeehaus, Husarenlieutenants, Schreiber, Kaufleute brüllen aus den aufgerissenen Fenstern, und 'Hussa, Sultan, such verloren!' tönt die stimme meines furchtbarsten Rivalen, des Grafen Lobau. Eine englische Dogge von Menschenlänge stürzt hervor, packt den verlornen Hut mit geübter Schnauze, rennt auf mich zu, stellt sich auf die Hinterbeine, tappt mit seinen Pfoten auf meine Schultern und präsentiert mir das triefende corpus delicti.
Was ich dir hier mit vielen Worten erzähle, mein Bester, war das Werk eines Augenblicks; wie angefroren war ich dagestanden, und erst die Zudringlichkeit des höflichen Hundes gab mir meine Fassung wieder. Wieherndes, jauchzendes Gelächter scholl aus dem Café, und auch bei ihr waren alle Fenster mit Lachern angefüllt; und als ich einen zärtlichen blick, den letzten, hinauflaufen liess, sah ich, wie sie das battistene Schnupftuch in den Mund schob, um nicht vor lachen zu bersten; da verlor ich von neuem die Fassung. Wütend ergriff ich den Hut und schlug ihn der Dogge ins Gesicht; aber die Bestie verstand keinen Spass, sie packte mich an der zierlichen Busenstreife, ich liess ihr diese Spolien und machte mich eilends davon, durch dick und dünn galoppierend, aber die Bestie folgte, und andere Hunde und Gassenjungen stürzten nach und die schreckliche Jagd nahm erst ein Ende, als ich atemlos in das Portal meines Gastofes stürzte.
Dass es mit meiner Liebe aus war, kannst du denken, besonders da ich nachher erfuhr, die Kokette habe alle ihre Anbeter um diese Stunde in das Kaffeehaus bestellt, um täglich meine Fensterparade zu bewundern!"
Ich bedauerte den Armen von Herzen, er aber griff ruhig nach seinem Glas, trank und fuhr dann fort:
"Kann dich versichern, so hundsföttisch ging es mir von jeher, besonders aber in der neuern aufgeklärten Zeit, wo man so ungemein viel auf das Schickliche hält und verzweifeln möchte, wenn der vortreffliche Reifrock der Etikette ein wenig unsanft berührt wird. Darum ist es mir bei einem Gastmahl immer höllenangst. Wird fette Sauce umhergegeben, so sehe ich schon im geist, dass ich damit zittern und sie verschütten werde; kommt dann der Bettel an mich, so bricht mir der Angstschweiss aus, die Saucière klappert in meiner zitternden Hand fürchterlich, sie schwankt, ich fahre mit der andern Hand darnach und – richtig meine freundliche Nachbarin hat die ganze Bescherung auf dem neuen drap d'or, oder genuesischen Samtkleid, dass alles im schönsten Fett schwimmt. Habe ich aber endlich eine solche Fegefeuertour durchgemacht, ohne Sauce zu verschütten, ohne ein Glas umzuwerfen, ohne einen Löffel fallen zu lassen, ohne den Schosshund auf den Schwanz zu treten, ohne der Tochter des Hauses die grössten Sottisen zu sagen, wenn ich höflich und pikant sein will, so fasst mich irgendein Unheil noch zum Schluss, dass ich mit Schande abziehe wie heute."
"Nun", fragte ich, "und was warf dich denn heute mitten ins Zimmer?"
"Als der langweilige Mensch seine Erzählung anhub, wie er ein paar pfaffen habe singen hören, und wie er einem hübschen Mädchen nachgelaufen sei – was man überall tun kann, ohne gerade in Rom zu sein – da übermannte mich die Langeweile, die eines meiner Hauptübel ist, und so setzte ich, um mich zu unterhalten, meinen Stuhl rückwärts in Bewegung und schaukelte mich ganz angenehm, auf einmal, ehe ich mich dessen versah, schlug der Stuhl mit mir rückwärts über und ich lag –"
"Das habe ich leider gesehen, wie du lagst", sagte ich, "aber wie kann man nur in honetter Gesellschaft so ganz alle gute Sitte vergessen und mit dem Stuhl schaukeln."
"Sei jetzt ruhig und bringe mich nicht auf mit der verdammten geschichte, ich habe heute abend kein Glück gemacht, das ist alles. Bibamus diabole!" sagte der alte Mensch, indem er selbst mit tüchtigem Beispiel voranging und dann schmunzelnd auf das dunkelrote Glas wies: "Der ist koscher, Herr Bruder, guter Burgunder, echter Chambertin und wenigstens zwanzig Jahre alt. Du magst mich jetzt auslachen oder nicht, aber ein gutes altes Weinchen vom Südstamme ist noch immer meine leidenschaft, und ich behaupte, die Welt sieht jetzt nur darum so schlecht aus, weil so viel Tee, Branntwein und Bier, aber desto weniger Wein getrunken wird."
"Du könntest recht haben, Jude