, durch eine verfängliche Frage ihr vollends das Verbrechen zu entlocken: 'Madame, was haben Sie Anno 1801 mit Pauline Dupuis angefangen? leugnen Sie nicht länger, wir wissen alles, sie starb durch Ihre Hand, wie heute früh die unglückliche Elise!'
'Ja, mein Herr! ich habe die eine wie die andere sterben lassen', antwortete diese Frau mit einer Seelenruhe, die sogar in ein boshaftes Lächeln überzugehen schien.
'Und diesen Mord gestehen Sie mit so viel Gleichmut, als hätten Sie zwei Tauben abgetan?' fragte der erstaunte Polizeidirektor, dem in praxi eine solche Mörderin noch nicht vorgekommen sein mochte; 'wissen Sie, dass Sie verloren sind, dass es Ihnen den Kopf kosten kann?'
'Nicht doch!' entgegnete die Dame, 'die geschichte ist ja weltbekannt'. -'Weltbekannt?' rief jener, 'bin ich nicht schon seit zweiundvierzig Jahren Polizeidirektor, meinen Sie, dergleichen könne mir entgehen?'
'Und dennoch werde ich recht haben, erlauben Sie, dass ich Ihnen die Belege herbeibringe?'
'Nicht von der Stelle ohne gehörige Bewachung; Wache! zwei Mann auf jeder Seite von Madame; bei dem ersten Versuch zur Flucht – zugestossen!'
Vier Polizeidiener, mit blanken Seitengewehren begleiteten die Unglückliche, die mir den Verstand verloren zu haben schien. Bald jedoch erschien sie wieder, ein kleines Buch in der Hand.
'Hier, meine Herren, werden Sie die Belege zu dem Mord finden', sagte sie, indem sie uns lächelnd das Buch überreichte.
‚'Taschenbuch für 1802'', murmelte der Direktor, indem er das Buch aufschlug und durchblätterte, 'was Teufel, gedruckt und zu lesen steht hier: 'Pauline Dupuis von –'. Mein Gott, Sie sind die Witwe des Herrn von –, und wenn ich nicht irre, selbst Schriftstellerin?'
'So ist es', antwortete die Dame, und brach in ein lustiges lachen aus, in welches auch der Direktor einstimmte, indem er, vor lachen sprachlos, auf mich deutete.
'Und Elise, wie ist es mit diesem armen Kind?' fragte ich, den Zusammenhang der Sache und die Fröhlichkeit der Mörderin und des Polizeimannes noch immer nicht verstehend.
'Die liegt ermordet auf meinem Schreibtisch', sagte die Lachende, 'und soll morgen durch die Druckerei zum ewigen Leben eingehen. –'
Was brauche ich noch dazuzusetzen? meine Herren und Damen! ich war der Narr im Spiel und jene Frau war die rühmlichst bekannte, interessante T. v. H. Die Erzählung 'Pauline Dupuis' ist noch heute zu lesen; ob die geniale Frau ihr 'Elise', die sie am Morgen jenes Tages nach dem Kaffee vollendet hatte, herausgegeben, weiss ich nicht. Ich musste aus S. entfliehen, um nicht zum Gespötte der Stadt zu werden. Vorher aber schickte mir der Polizeidirektor noch eine grosse Diätenrechnung über Zeitversäumnis, weil ich durch jene lustige Mordgeschichte den Durstigen von seinem gewöhnlichen Abendbesuch in einem Klub abgehalten hatte." –
Der Ewige Jude hatte mit einer verbindlichen Wendung an Frau von Wollau geendet; allgemeiner Beifall ward ihm zuteil, und ein gnädiges Lächeln der Hausfrau sagte ihm, wie glücklich er sich gerechtfertigt hatte; und, wie die finstern Blicke dieser Dame vorher die Männer aus seiner unglücklichen Nähe entfernt hatten, ebenso schnell nahten sie sich ihm wieder, als ihn die Gnadensonne wieder beschien. Man zog ihn öfter ins Gespräch, man befragte ihn über seine Reisen, namentlich über jene in Süddeutschland; denn wie Schottland und seine Bewohner für London und Alt-England überhaupt, so ist Schwaben für die Berliner, welche nie an den Rebenhügeln des Neckars, und an den fröhlich grünenden Gestaden der obern Donau eines jener sinnigen herzlichen Lieder aus dem mund eines "luschtiga Büebles" oder eines rüstigen hochaufgeschürzten "Mädles" belauschten, ein Gegenstand hoher Neugierde.
Welch sonderbare Meinungen über jenes Land, selbst in gebildeten Zirkeln, wie dieser elegante Tee, im Umlauf seien, hörte ich diesen Abend zu meinem grossen Erstaunen. In einem Zaubergarten, von sanften Hügeln, von klaren blauen Strömen, von blühenden, duftenden Obstwäldern, von prangenden Weingärten durchschnitten, wohne, meinten sie, ein Völkchen, das noch so ziemlich auf der ersten Stufe der Kultur stehe; immense Gelehrte, die sich nicht auszudrücken verstünden, phantasiereiche Schriftsteller, die kein Wort gutes Deutsch sprechen. Ihre Mädchen haben keine Bildung, ihre Frauen keinen Anstand; ihre Männer werden vor dem vierzigsten Jahre nicht klug, und im ganzen Land werden alle Tage viele Tausende jener Torheiten begangen, die allgemein unter dem Namen "Schwabenstreiche" bekannt seien.
Mir kam dieses Urteil lächerlich vor; ich war manches Jahr in Schwaben gewesen, und hatte mich unter den guten Leutchen ganz wohl befunden; hätte ich nicht befürchten müssen, aus der Rolle eines Zöglings zu fallen, ich hätte sogleich darauf geantwortet, wie ich es wusste; so aber ersparte mir mein Mentor die Mühe, welcher, unglücklich genug, die gute Meinung, die er auf einige Augenblicke gewonnen hatte, nur zu schnell wieder verlieren sollte!
"Ob die Berliner", sagte er, "mehr innere Bildung, mehr Eleganz der äussern Formen besitzen, als die Schwaben, ob man hier im Brandenburgischen mit mehr Feinheit ausgerüstet auf die Erde, oder vielmehr auf Sand kommt, als in Schwaben, wage ich nicht zu untersuchen, aber so viel habe ich mit eigenen Augen