der? ich kenne ihn recht wohl, obgleich er mir immer ausweicht wie ein Aal; war ich ihm doch zu mancher seiner nächtlichen Phantasien behülflich, dass es ihm selbst oft angst und bange wurde, und habe ich ihm nicht als sein eigener Doppelgänger über die Schultern geschaut, als er an seinem Kreisler schrieb? als er sich umwandte und den Spuk anschaute, rief er seiner Frau, dass sie sich zu ihm setze, denn es war Mitternacht und seine Lampe brannte trüb. – So, so, der war's? und was wollte er von dir, Ewiger?"
"Dass du verkrümmest mit deinem Spott; bist du nicht gleich ewig wie ich, und drückt dich die Zeit nicht auch auf den rücken? Nenne den Namen nicht mehr, den ich hasse! Was aber den Herrn Kammergerichtsrat Hoffmann betrifft", fuhr er ruhiger fort, "so geht er umher, um sich die Leute zu betrachten; und wenn er einen findet, der etwas Apartes an sich hat, etwa einen Hieb aus dem Narrenhaus, oder einen Stich aus dem Geisterreich, so freut er sich bass und zeichnet ihn mit Worten oder mit dem Griffel. Und weil er an mir etwas Absonderliches verspürt haben mag, so setzte er sich zu mir, besprach sich mit mir und lud mich ein, ihn in seinem Haus auf dem Gendarmenmarkt zu besuchen."
"So, so? und wo kommst du denn eigentlich her? wenn man fragen darf?"
"Recta aus China", antwortete Ahasverus, "ein langweiliges Nest, es sieht gerade aus, wie vor fünfzehnhundert Jahren, als ich zum erstenmal dort war."
"In China warst du?" fragte ich lachend, "wie kommst du denn zu dem langweiligen Volk, das selbst für den Teufel zu wenig amüsant ist?"
"Lass das", entgegnete jener, "du weisst ja, wie mich die Unruhe durch die Länder treibt; ich habe mir, als die Morgensonne des neuen Jahrhunderts hinter den mongolischen Bergen aufging, den Kopf an die lange Mauer von China gerannt, aber es wollte noch nicht mit mir zu Ende gehen, und ich hätte eher ein Loch durch jene Gartenmauer des himmlischen Reiches gestossen, wie ein alter Aries, als dass der dort oben mir ein Härchen hätte krümmen lassen."
Tränen rollten dem alten Menschen aus den Augen; die müden Augenlider wollten sich schliessen, aber der Schwur des Ewigen hält sie offen, bis er schlafen darf, wenn die andern auferstehen. Er hatte lange geschwiegen, und wahrlich, ich konnte den Armen nicht ohne eine Regung von Mitleid ansehen. Er richtete sich wieder auf. – "Satan", fragte er mit zitternder stimme, "wieviel Uhr ist's in der Ewigkeit?"
"Es will Abend werden", gab ich ihm zur Antwort.
"O Mitternacht!" stöhnte er, "wann endlich kommen deine kühlen Schatten und senken sich auf mein brennendes Auge? Wann nahest du, Stunde, wo die Gräber sich öffnen, und Raum wird für den Einen, der dann ruhen darf?"
"Pfui Kuckuck, alter Heuler!" brach ich los, erbost über die weinerlichen Manieren des ewigen Wanderers; "wie magst du nur solch ein poetisches Lamento aufschlagen? glaube mir, du darfst dir gratulieren, dass du noch etwas Apartes hast; manche lustige Seele hat es an einem gewissen Ort viel schlimmer, als du hier auf der Erde; man hat doch hier oben immer noch seinen Spass, denn die Menschen sorgen dafür, dass die tollen Streiche nicht ausgehen. Wenn ich so viele freie Zeit hätte, wie du, ich wollte das Leben anders geniessen. Ma foi, Brüderchen, warum gehst du nicht nach England, wo man jetzt über die galanten Abenteuer einer Königin öffentlich zertiert? Warum nicht nach Spanien, wo es jetzt nächstens losbricht? Warum nicht nach Frankreich, um dein Gaudium daran zu haben, wie man die Wände des Kaisertums überpinselt, und mit alten Gobelins von Louis des Vierzehnten zeiten, die sie aus dem Exil mitgebracht haben, behängt. Ich kann dich versichern, es sieht gar närrisch aus, denn die Tapete ist überall zu kurz und durch die Risse guckt immer noch ernst und drohend das Kaisertum, wie das Blut des Ermordeten, das man mit keinem Gips auslöschen kann, und das, sooft man es weiss anstreicht, immer noch mit der alten bunten Farbe durchschlägt!"
Der alte Mensch hatte mir aufmerksam zugehört, sein Gesicht war immer heiterer geworden, und er lachte jetzt aus vollem Herzen: "Du bist, wie ich sehe, immer noch der alte", sagte er, und schüttelte mir die Hand, "weisst jedem etwas aufzuhängen, und wenn er gerade aus Abrahams Schoss käme!"
"Warum", fuhr ich fort, "warum hältst du dich nicht länger und öfter hier in dem guten ehrlichen Deutschland auf? Kann man etwas Possierlicheres sehen, als diese Duodezländer? Das ist alles so – doch stille, da geht einer von der geheimen Polizei umher; man könnte leicht etwas aufschnappen, und den Ewigen Juden und den Teufel als unruhige Köpfe nach Spandau schicken; aber um auf etwas anderes zu kommen, warum bist du denn hier in Berlin?"
"Das hat seine eigene Bewandtnis", antwortete der Jude; "ich bin hier, um einen Dichter zu besuchen."
"Du einen Dichter?!"