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in jene Stadt geführt hatte, erreicht, und gedachte weiterzugehen. Ich hatte mir aber vorgenommen, vorher noch den Titel eines Doktors der Philosophie auf gerechtem Wege zu erringen. Ich schrieb daher eine gelehrte Dissertation, und zwar über ein Tema, das mir am nächsten lag, de rebus diabolicis, liess sie drucken und verteidigte sie öffentlich; wie ich meine Gegner und Opponenten tüchtig zusammengehauen, erzähle ich nicht aus Bescheidenheit; einen Auszug aus meiner Dissertation habe ich übrigens dem geneigten Leser beigelegt.2

Post exantlata oder nachdem ich den Doktorhut errungen hatte, gab ich einen ungeheuern Schmaus, wobei manche Seele auf ewig mein wurde. Solange noch die guten Jungen meinen Champagner und Burgunder mit schwerer Zunge prüften, liess ich meine Rappen vorführen, und sagte der lieben Musenstadt Valet. Die Rechnung des Doktorschmauses aber überbrachte der Wirt am Morgen den erstaunten Gästen, und manches Pochen des ungestümmen Gläubigers, das sie aus den süssen Morgenträumen weckte, mancher bedeutende Abzug am Wechsel erinnerte sie auch in spätern zeiten an den berühmten Doktorschmaus und an ihren guten Freund, den Satan.

II

Unterhaltungen des Satan

und des ewigen Juden in Berlin

Die heutigen dummen Gesichter sind nur das

bœuf à la mode der früheren dummen Gesichter.

Welt und Zeit

Eilftes Kapitel

Wen der Teufel im Tiergarten traf

Ich sass, es mögen bald drei Jahre sein, an einem schönen Sommerabend im Tiergarten zu Berlin, nicht weit vom Weberischen Zelt; ich betrachtete mir die bunte Welt um mich her und hatte grosses Wohlgefallen an ihr; war es doch schon wieder ganz anders geworden als zu der frommen Zeit Anno dreizehn und fünfzehn, wo alles so ehrbar, und, wie sie es nannten, altdeutsch zuging, dass es mich nicht wenig ennuyierte. Besonders über die schönen Berlinerinnen konnte ich mich damals recht ärgern, sonst ging es sonntags nachmittags mit Saus und Braus nach Charlottenburg oder mit jubel und lachen die Linden entlang nach es auch wieder hoch her. Das Alte war dem Neuen gewichen, Lust und Leben wie früher zog durch die grünen Bäume, und der Teufel galt wieder was, wie vor zeiten, und war ein geschätzter, angesehener Mann.

Ich konnte mich nicht entalten, einen gang durch die buntgemischte Gesellschaft zu machen. Die glänzenden Militärs von allen Chargen mit ihren ebenso verschieden chargierten Schönen, die zierlichen Elegants und Elegantinnen, die Mütter, die ihre geputzten Töchter zu Markt brachten, die wohlgenährten Räte mit einem guten Griff der Kassengelder in der tasche, und Grafen, Baronen, Bürger, Studenten und Handwerksbursche, anständige und unanständige Gesellschaftsie alle um mich her, sie alle auf dem vernünftigsten Wege, mein zu werden! In fröhlicher Stimmung ging ich weiter und weiter, ich wurde immer zufriedener und heiterer.

Da sah ich, mitten unter dem wogenden Gewühl der Menge ein paar Männer an einem kleinen Tischchen sitzen, welche gar nicht recht zu meiner fröhlichen Gesellschaft taugen wollten. Den einen konnte ich nur vom rücken sehen, es war ein kleiner beweglicher Mann, schien viel an seinen Nachbar hin zu sprechen, gestikulierte oft mit den Armen, und nahm nach jedem grösseren Satz, den er gesprochen, ein erkleckliches Schlückchen dunkelroten Franzweins zu sich.

Der andere mochte schon weit vorgerückt in Jahren sein, er war ärmlich aber sauber gekleidet, beugte den Kopf auf die eine Hand, während die andere mit einem langen Wanderstab wunderliche Figuren in den Sand beschrieb, er hörte mit trübem Lächeln dem Sprechenden zu und schien ihm wenig, oder ganz kurz zu antworten.

Beide Figuren hatten etwas mir so Bekanntes, und doch konnte ich mich im Augenblick nicht entsinnen, wer sie wären. Der kleine Lebhafte sprang endlich auf, drückte dem Alten die Hand, lief mit kurzen schnellen Schritten, heiser vor sich hinlachend, hinweg, und verlor sich bald ins Gedränge. Der Alte schaute ihm wehmütig nach und legte dann die tiefgefurchte Stirne wieder in die Hand.

Ich besann mich auf alle meine Bekannten, keiner passte zu dieser Figur; eine Ahnung durchflog mich, sollte esdoch was braucht der Teufel viel Komplimente zu machen? Ich trat näher, setzte mich auf den Stuhl, welchen der andere verlassen hatte, und bot dem Alten einen guten Abend.

Langsam erhob er sein Haupt und schlug das Auge auf, ja er war es, es war der Ewige Jude.

"Bon soir, Brüderchen!" sagte ich zu ihm, "es ist doch schnackisch, dass wir einander zu Berlin im Tiergarten wiederfinden, es wird wohl so achtzig Jährchen sein, dass ich nicht mehr das Vergnügen hatte?"

Er sah mich fragend an; "So, du bist's?" presste er endlich heraus; "hebe dich weg, mit dir habe ich nichts zu schaffen!"

"Nur nicht gleich so grob, Ewiger", gab ich ihm zur Antwort; "wir haben manche Mitternacht miteinander vertollt, als du noch munter warst auf der Erde, und so recht systematisch lüderlich lebtest, um dich selbst bald unter den Boden zu bringen. Aber jetzt bist du, glaube ich, ein Pietist geworden."

Der Jude antwortete nicht, aber ein hämisches Lächeln, das über seine verwitterten Züge flog, wie ein Blitz durch die Ruine, zeigte mir, dass er mit der Kirche noch immer nicht recht einig sei.

"Wer ging da soeben von dir hinweg?" fragte ich, als er noch immer auf seinem Schweigen beharrte.

"Das war der Kammergerichtsrat Hoffmann", erwiderte er.

"So