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, aber der Kapellmeister hob den Stab, und die Trompeten und Pauken der Rossinischen Ouvertüre schmetterten in das volle Haus. Es war die herrliche Ouvertüre aus "Il maestro ladro", die Rossini auf sich selbst gedichtet hat, und das Publikum war entzückt über die schönen Anklänge aus der Musik aller Länder und zeiten, und jedes fand seinen Lieblingsmeister, seine Lieblingsarie in dem herrlich komponierten Stück. Ich halte auch ausser der Gazza ladra den Maestro ladro für sein Bestes, weil er darin seine Tendenz und seine künstlerische Gewandteit im Komponieren ganz ausgesprochen hat. Die Ouvertüre endete mit dem ergreifenden Schluss von Mozarts "Don Juan", dem man zur Vermehrung der Rührung, einen Nachsatz von Pauken, Trommeln und Trompeten angehängt hatte undder Vorhang flog auf.

Man sah einen Saal der Börsenhalle von London. ängstlich drängten sich Juden und Christen durcheinander; in malerischen Gruppen standen Geldmäkler, grosse und kleine Kaufleute, und steigerten die Papiere. Nachdem diese Introduktion einige Zeitlang gedauert hatte, kamen in sonderbaren Sprüngen und Kapriolen zwei Kuriere hereingetanzt. Allgemeine Spannung; die Depeschen werden in einem Pas de deux entsiegelt, die Nachrichten mitgeteilt. In diesem Augenblick erscheint mein erster Solotänzer, das Haus Goldsmit vorstellend, in der Szene. Seine Mienen, seine Haltung drücken Verzweiflung aus; man sieht, seine Fonds sind erschöpft, sein Beutel leer, er muss seine Zahlungen einstellen. Ein Chor von Juden und Christen dringen auf ihn ein, um sich bezahlt zu machen. Er fleht, er bittet, seine Gebärdensprache ist bezauberndes hilft nichts. Da raffte er sich verzweiflungsvoll auf; er tanzte ein Solo voll Ernst und Majestät; wie ein gefallener König ist er noch im Unglück gross, seine Sprünge reichen zu einer immensen Höhe und mit einem prachtvollen Fusstriller fällt das Haus Goldsmit in London. Komisch war es nun anzusehen, wie das Chor der englischen, deutschen und französischen Häuser vorgestellt von den Herren vom Corps de Ballet diesen Fall weiter fortsetzten. Sie wankten künstlich und fielen noch künstlicher, besonders exzellierten hiebei einige Berliner Börsekünstler, die durch ihre ungemeine Kunst einen wahrhaft tragischen Effekt hervorbrachten, und allgemeine Sensation im Parterre erregten.

Plötzlich ging die lamentable Börsenmusik in einen Triumphmarsch über; die herrliche Passage aus der "Italienerin in Algier": "Heil dem grossen Kaimakan" ertönte; ein glänzender Zug von Christensklaven, Goldbarren und Schüsseln mit gemünztem Gold tragend, tanzten aufs Teater. Es war wie wenn in der Hungersnot ein Wagen mit Brot in eine ausgehungerte Stadt kommt. Man denkt nicht daran, dass der spekulative Kopf, der das Brot herbeischaffte, nichts als ein gemeiner Wucherer ist, der den Hunger benützt und sein Brot zu ungeheuren Preisen losschlägt; man denkt nicht daran, man verehrt ihn als den Retter, als den schützenden Schild in der Not. So auch hier. Die gefallenen Häuser richteten sich mit Grazie empor, sie schienen Hoffnung zu schöpfen, sie schienen den Messias der Börse zu erwarten. Er kam. Acht Finanzminister berühmter Könige und Kaiser trugen auf ihren Schultern eine Art von Triumphwagen, der die transparente Inschrift: "Seid umschlungen Millionen" trug. Ein Herr mit einer pikanten, morgenländischen Physiognomie, wohlbeleibt, und von etwas schwammigem Ansehen, sass in dem Wagen, und stellte den Triumphator vor.

Mit ungemeinem Applaus wurde er begrüsst, als er von den Schultern der Minister herab auf den Boden stieg. "Das ist Rotschild! es lebe Rotschild!" schrie man in den ersten Ranglogen und klatschte und rief Bravo, dass das Haus zitterte. Es war mein erster Grotesktänzer, der diese schwierige Rolle meisterhaft durchführte; besonders als er mit dem englischen, österreichischen, preussischen und französischen Ministerium einen Cosaque tanzte, übertraf er sich selbst. Rotschild gab in einer komischen Solopartie seinem Reich, der Börse, den Frieden, und der erste Akt der grossen Pantomime endigte sich mit einem brillanten Schlusschor, in welchem er förmlich gekrönt und zu einem allerhöchsten cher Cousin gemacht wurde.

Als der Vorhang gefallen war, liess sich Mylord ziemlich ungnädig über diese Szene aus. "Es war zu erwarten", sagte er, "dass diese Menschen bedeutenden Einfluss auf die Kurse bekommen werden, aber dass auf der Börse von London ein solcher Skandal vorfallen werde, im Jahr I826, das ist unglaublich!"

"Mein Herr!" erwiderte der Marquis lachend, "unglaublich finde ich es nicht. Bei den Menschen ist alles möglich, und warum sollte nicht einer, wenn er auch im Judenquartier zu Frankfurt das Licht der Welt erblickte, durch Kombination so weit kommen, dass er Kaiser und Könige in seinen Sack stecken kann?"

"Aber England, Alt-England! ich bitte Sie", rief der Lord schmerzlich. "Ihr Frankreich, Ihr Deutschland hat von jeher nach jeder Pfeife tanzen müssen! Aber God damn! das englische Ministerium mit diesem Hephep einen Cosaque tanzen zu sehen; oh! es ist schmerzlich!"

"Ja, ja!" sprach Baron von Garnmacher, des Schneiders Sohn, sehr ruhig; "es wird und muss so kommen. Freilich, ein bedeutender Unterschied zwischen 1826 und der Zeit des Königs David."

"Das finde ich nicht", antwortete der Marquis, "im Gegenteil, Sie sehen ja, welch grossen Einfluss die Juden auf die Zeit gewinnen!"

"Und dennoch finde ich einen bedeutenden Unterschied", erwiderte der Deutsche. "Damals, mein Herr, hatten alle Juden nur einen König, jetzt aber haben alle