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die im Sterbekleide vor ihm stand?"
Was kann es dem Teufel, was einer ausgeleerten herzoglichen Kasse helfen, wenn der Finanzminister, der sich aus Verzweiflung mit dem Federmesser die Kehle abschnitt, allnächtlich ins Departement schleicht, angetan mit demselben Schlafrock, in welchem er zu arbeiten pflegte, schlurfend auf alten Pantoffeln und die Feder hinter dem Ohr; zu was dient es, wenn er seufzend vor die Akten sitzt, und mit glühendem Auge seinen Rest immer noch einmal wieder berechnet?
Was kann es dem fürstlichen Keller helfen, wenn der Schlossküfer, den ich in einer bösen Stunde abgeholt, durch einen Kellerhals herniederfährt, und mit krampfhaft gekrümmtem Finger an den Fässern anpocht, die er bestohlen? Zu welchem Zweck soll ich den General entlassen, wenn oben der Zapfenstreich ertönt und die Hörner zur Ruhe blasen? zu was den Stutzer, um zu sehen, ob sein bezahltes Liebchen auf frische Rechnung liebt? Zwar sie alle, ich gestehe es, sie alle würden sich unglücklicher fühlen, könnten sie sehen, wie schnell man sie vergessen hat, es wäre eine Schärfung der Strafe, wie etwa ein König, als ihm ein Urteil zu lebenslänglicher Zuchtausstrafe vorgelegt wurde, "noch sechs Jahre länger" unterschrieb, weil er den Mann hasste. Aber sie würden mir auf der andern Seite so viel verwirrtes Zeug mit herabbringen, würden mir manchen fromm zu machen suchen, wie der reiche Mann im Evangelium, der zu Lebzeiten so viel getrunken, dass er in der Hölle wasser trinken wollte – ich habe darin zu viele Erfahrungen gemacht, und kann es in neuern zeiten, wo ohnedies die Missionarien und andere Mystiker, genug tun, nicht mehr erlauben. Daher kommt es, dass es in diesen Tagen wenig mehr in den Häusern, desto mehr aber in den Köpfen spukt.
Um nun den Seelen im Fegefeuer dennoch Nachrichten über die Zukunft zu geben, lasse ich an Festtagen einige erhebliche Stücke von meiner höllischen Bande aufführen. Auf dem heutigen Zettel war angezeigt:
Mit allerhöchster Bewilligung.
Heute als am Geburtsfeste
Der Grossmutter, diabolischen Hoheit.
"Einige Szenen aus dem Jahr 1826."
Pantomimische Vorstellung
mit Begleitung des Orchesters.
Die Musik ist aus Mozarts, Haydns, Glucks
und anderen Meisterwerken zusammengesucht
von Rossini.
(Bemerkungen an das Publikum.) Da gegenwärtig sehr viele allerhöchste Personen und hoher Adel hier sind, so wird gebeten, die ersten Ranglogen den Hoheiten, Durchlauchten und Ministern bis zum Grafen abwärts inklusive, die zweite Galerie der Ritterschaft samt Frauen bis zum Lieutenant abwärts zu überlassen. Die Direktion des infernal. Hof- und Nationalteaters. Das Publikum drängte sich mit Ungestüm nach dem Haus. Ich bot mich den drei jungen Herren als Cicerone an, und führte sie glücklich durch das Gedränge ins Parkett; obgleich der Lord ohne Anstand auf die erste, der Marquis und der deutsche Baron auf die zweite Loge hätten eintreten dürfen. Diese drei Subjekte fanden es aber amüsanter, von ihrem niederen Standpunkt aus Logen und Parterre zu lorgnettieren. Wie mancher Ausruf des freudigen Staunens entschlüpfte ihnen, wenn sie wieder auf ein bekanntes Gesicht trafen. Besonders Garnmacher schien vor Erstaunen nicht zu sich selbst kommen zu können. "Nein, ist es möglich!" rief er wiederholt aus; "ist es möglich? Sehen Sie, Marquis; jener Herr dort oben in der zweiten Galerie rechts, mit den roten Augen, er spricht mit einer bleichen jungen Dam; dieser starb in Berlin im Geruch der Heiligkeit, und soll auch hier sein an diesem unheiligen Ort? und jene Dame, mit welcher er spricht, wie oft habe ich sie gesehen und gesprochen! Sie war eine liebenswürdige fromme Schwärmerin, ging lieber in die Dreifaltigkeitskirche als auf den Ball – sie starb, und wir alle glaubten, sie werde sogleich in den dritten Himmel schweben, und jetzt sitzt sie hier im Fegefeuer! Zwar wollte man behaupten, sie sei in Töplitz an einem heimlichen Wochenbett verschieden, aber wer ihren frommen Lebenslauf gesehen, wer konnte das glauben?" –
"Ha! die Nase von Frankreich!" rief auf einmal der Baron mit Ekstase. "Heiliger Ludwig, auch Ihr, auch Ihr unter Euren verlorenen Kindern? Ha! und ihr, ihr verdammten Kutten, die ihr mein schönes Vaterland in die Kapuze stecken wollet. Sehen Sie, Mylord, jene hässlichen, kriechenden Menschen? Sehen Sie dort – das sind berühmte Missionäre, die uns glauben machen wollten, sie seien frömmer als wir. Dem Teufel sei es gedankt, dass er diese Schweine auch zu sich versammelt hat."
"Oh, mein Herr", sagte ich, "das hätten Sie nicht nötig gehabt bis ins Teater sich zu bemühen, um diese Leutchen zu sehen. Sie zeigen sich zwar nicht gerne auf den Promenaden, weil selbst in der Hölle nichts Erbärmlicheres zu sein pflegt, als ein entlarvter Heuchler; aber im Café de Congrégation wimmelt es von diesen Herren. Vom Kardinal bis zum schlechten Pater; Sie können manche heilige Bekanntschaft dort machen."
"Mein Herr, Sie scheinen bekannt hier", erwiderte Mylord; "sagen Sie doch, wer sind diese ernsten Männer in Uniform nebenan? Sie unterhalten sich lebhaft, und doch sehe ich sie nicht lächeln. Sind es Engländer?"
"Verzeihen Sie", antwortete ich, "es sind Soldaten und Offiziers von der alten Garde, die sich mit einigen Preussen über den letzten Feldzug besprechen."
Alle drei schienen erstaunt über dieses Zusammentreffen, und wollten mehr fragen