wirklich", rief er, indem er lächelnd meine Hand fasste und verstohlen nach dem Spiegel blickte; "es ist wahr, man hat mir schon dergleichen gesagt, und, in Stuttgart hat man mich sogar versichert, ich sei dem berühmten Dannecker auf der Strasse aufgefallen, und er sei eigens deswegen einigemal in den König von England gekommen, um von mir etwas für seinen Johannes abzusehen."
"Nun sehen Sie, wie muss es nun einen Mann, wie ich bin, überraschen, so wenig Mut, so wenig Entschluss hinter dieser freien Stirne, diesem mutigen Auge zu finden!"
"Ach, Sie nehmen es auch zu strenge; ich habe ja Ihren Vorschlag durchaus nicht verworfen, nur einiges Bedenken, einige kleine Zweifel stiegen in mir auf, und – nun Sie haben wahrlich nicht unrecht, ich fühle einen gewissen Mut, eine gewisse Freiheit in mir, es ist ein gewisses Etwas, ja – so gut es ein anderer tun kann, will ich es auch versuchen. Es sei, wie Sie sagten, ich will es daranrücken und einen Kurier kommen lassen; wir wollen die Metalliques steigern!"
3. Ein Schabbes in Bornheim
Der einzige Zweifel, der den seufzenden Dessauer noch quälte, war die Furcht, den Vater seiner Geliebten in bedeutenden Verlust zu stürzen, wenn er seine Operation nach meinem Plane einrichte. Doch auch dafür wusste ich ein gutes, sehr einfaches Mittel. Er musste den Herrn Simon in der neuen Judenstrasse auf seine Seite bringen, musste ihm bedeutende Winke von der nahenden Krisis geben; entweder nahm dann der Jude an dem ganzen Unternehmen unbewusst teil und gewann zugleich mit dem Dessauer, oder, er war wenigstens gewarnt und musste einige achtung vor einem Mann bekommen, der so genau die politischen Wendungen zu berechnen wusste, der seine Kombinationen so geschickt zu machen verstand.
Dem Kaufmann leuchtete dies ein. Er kam von selbst auf den Gedanken, noch an diesem Tage mit dem alten Simon zu sprechen, und lud mich ein, mit ihm nach Bornheim zu fahren, wo der Schabbes heute die noble Welt des alten Judenquartiers, der neuen Judenstrasse, überhaupt alle Stämme Israels versammelt habe.
Wir fuhren hinaus; der Seufzer schien ein ganz anderer Mensch geworden zu sein. Sein trübseliges Gesicht leuchtete freundlich vom Glanze der Hoffnung, sein Auge hob sich freier, um seine Stirne, seinen Mund war jede Melancholie verschwunden, sein grosser runder Kopf steht nicht mehr zwischen den Schultern, er trägt ihn freier, erhabener, als wollte er sagen: "Seht ihr Frankfurter und Bornheimer, ich bin es, das Haus Zwerner und Comp. aus Dessau, nächstens eine bedeutende person an der Börse, und wenn es gut geht, Bräutigam der schönen Rebekka Simon in der neuen Judenstrasse!"
Aus dem Garten des goldenen Löwen in Bornheim tönten uns die zitternden Klänge von Harfen und Gitarren, und das Geigen verstimmter Violinen entgegen; das Volk Gottes liess sich vormusizieren im Freien, wie einst ihr König Saul, wenn er übler Laune war. Wir traten ein; da sassen sie, die Söhne und Töchter Abrahams, Isaaks und Jakobs, mit funkelnden Augen, kühn gebogenen Nasen, fein geschnittenen Gesichtern, wie aus einer Form geprägt, da sassen sie vergnügt und fröhlich plaudernd, und tranken Champagner aus saurem Wein, Zucker und Mineralwasser zubereitet, da sassen sie in malerischen Gruppen unter den Bäumen, und der Garten war anzuschauen, als wäre er das gelobte Land Kanaan, das der Prophet vom Berge gesehen, und seinem Volk verheissen hatte. Wie sich doch die zeiten ändern durch die Aufklärung und das Geld!
Es waren dies dieselben Menschen, die noch vor dreissig Jahren keinen Fuss auf den breiten Weg der Promenade setzen durften, sondern bescheiden den Nebenweg gingen; dieselben, die den Hut abziehen mussten, wenn man ihnen zurief: "Jude, sei artig, mach dein Kompliment!" Dieselben, die von dem Bürgermeister und dem Hohen Rat der freien Stadt Frankfurt jede Nacht eingepfercht wurden in ihr schmutziges Quartier. Und wie so ganz anders waren sie jetzt anzuschauen. Überladen mit Putz und köstlichen Steinen sassen die Frauen und Judenfräulein; die Männer, konnten sie auch nicht die spitzigen Ellbogen und die vorgebogenen Knie ihres Volkes verleugnen, suchten sie auch umsonst den ruhigen, soliden Anstand eines Kaufherrn von der Zeile oder der Million zu kopieren, die Männer hatten sich sonntäglich und schön angetan, liessen schwere goldene Ketten über die Brust und den Magen herabhängen, streckten alle zehn Finger, mit blitzenden Solitairs besteckt, von sich, als wollten sie zu verstehen geben: "Ist das nicht was ganz Solides? Sind wir nicht das auserwählte Volk? Wer hat denn alles Geld, gemünzt und in Barren, als wir? Wem ist Gott und Welt, Kaiser und König schuldig, wem anders als uns?"
"Dort sitzt sie, die Taube von Juda, dort sitzt sie, die Gazelle des Morgens", rief der Seufzer in poetischer Ekstase, und zerrte mich am Arm; "schauen Sie dort, unter dem Zelt von hölzernem Gitterwerk. Der mit dem runden Leib, der langen Nase und den grauen Löckchen am Ohr, ist der Vater, Herr Simon aus der neuen Judenstrasse, die dicke Frau rechts mit den schwarzseidenen Locken und dem rotbraunen Gesicht ist die Tante; eine fatale Verwandtschaft, aber man weiss sich in Zukunft zu separieren nach und nach."
"Aber wo ist denn die Gazelle, die Taube, ich sehe sie noch