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, bedenken Sie, eine so solide Partie –"

"Merke schon, merke schon", entgegnete Rebs mit schlauem Lächeln, "es ist Ihnen um Rebekka, Sie wollen, ich solle dort gänzlich aus dem feld ziehen. Solide Partie! Sie werden doch nicht meinen, dass ich schon heiraten will? Gott bewahre mich! aber wegen Rebekkchen dürfen Sie ruhig sein; ich ziehe mich gänzlich zurück. Und sollte vielleicht eine vorübergehende Neigung in dem MädchenSie verstehen mich schon –, das wird sich bald geben, ich glaube nicht, dass sie mich ernstlich geliebt hat."

"Ich glaube auch nicht", entgegnete der Seufzer mit einem Ton, in welchen sich bittere Ironie mit Grimm mischte. Die Gesellschaft stand auf, wir folgten. Graf Rebs tänzelte lächelnd zu den Damen, welchen er während der Tafel so zärtliche Blicke zugeworfen; ich aber folgte dem unglücklichen Seufzer.

2. Trost für Liebende

"Was war doch dies für ein sonderbarer Herr?" fragte ich meinen Nachbar, indem ich mich dicht an ihn anschloss. "Findet er wirklich bei den Damen so sehr Beifall, oder ist er ein wenig verrückt?"

"Ein Geck ist er, ein Narr!" rief der Seufzende, indem er mit dem Kopf aus den Schultern herausfuhr, und die arme umherwarf; "ein alter Junggeselle von fünfundvierzig, und spielt noch den ersten Liebhaber. Eitel, töricht, glaubt, jede Dame, die er aus seinen kleinen Äuglein anblinzelt, ist in ihn verliebt, drängt sich überall an und ein –"

"Nun da spielt dieser Graf Rebs eine lächerliche Rolle in der Gesellschaft, da wird er wohl überall verhöhnt und abgewiesen?"

"Ja, wenn die Damen dächten wie Sie, wertgeschätzter Herr! aber so lächerlich dieser Gnome ist, so töricht er sich überall gebärdet, so – o Rebekka! der Teufel hat die Weiberherzen gemacht."

"Ei, ei!" sagte ich, indem ich schnell Nro. 45 aufschloss und den Verzweifelnden hineinschob, "ei! lieber Herr Zwerner, wer wird so arge Beschuldigungen ausstossen. Und auf fräulein Rebekka, setzen Sie sich doch gefälligst aufs Sofa, auf das fräulein sollte er auch Eindruck gemacht haben, dieser Gliedermann?"

"Ach, nicht er, nicht er; sie sieht, dass er lächerlich ist und geckenhaft, und doch kokettiert sie mit ihm; nicht mit ihm, sondern mit seinem Titel. Es schmeichelt ihr, einen Grafen in ihrer Loge zu sehen, oder auf der Promenade von ihm begrüsst zu werden, vielleicht wenn sie eine Christin wäre, hätte sie einen solidern Geschmack."

"Wie, das fräulein ist eine Jüdin?"

"Ja, es ist ein Judenfräulein; ihr Vater ist der reiche Simon in der neuen Judenstrasse, das grosse gelbe Haus neben dem Herrn von Rotschild, und eine Million hat er, das ist ausgemacht."

"Sie haben einen soliden Geschmack, und wie ich aus dem Gespräch des Grafen bemerkt habe, können Sie sich einige Hoffnung machen?"

"Ja", erwiderte er ärgerlich, "wenn nicht der Satan das Papierwesen erfunden hätte. So stehe ich immer zwischen tür und Angel. Glaube ich heute einen festen Preis, ein sicheres Vermögen zu haben, um vor Herrn Simon treten, und sagen zu können: 'Herr! wir wollen ein kleines Geschäft machen miteinander, ich bin das Haus Zwerner und Comp. aus Dessau, stehe so und so, wollen Sie mir Ihre Tochter geben?' Glaube ich nun so sprechen zu können, so lässt auf einmal der Teufel die Metalliques um zwei, drei Prozent steigen, ich verliere, und meinem Schwiegerpapa, der daran gewinnt, steigt der Kamm um so viele Prozente höher, und an eine Verbindung ist dann nicht mehr zu denken."

"Aber kann denn nicht der Fall eintreten, dass Sie gewinnen?"

"Ja, und dann bin ich so schlecht beraten wie zuvor. Herr Simon ist von der Gegenpartei. Gewinne ich nun durch das Sinken dieser oder jener Papiere, so verliert er ebensoviel, und dann ist nichts mit ihm anzufangen, denn er ist ein ausgemachter Narr und reif für das Tollhaus, wenn er verliert. Ach, und aus Rebekkchen, so gut sie sonst ist, guckt auf allen Seiten der jüdische Geldteufel heraus."

"Wie, sollte es möglich sein, eine junge Dame sollte so sehr nach Geld sehen?"

"Da kennen Sie die Mädchen, wie sie heutzutage sind, schlecht", erwiderte er seufzend. "Titel oder Geld, Geld oder Titel, das ist es, was sie wollen. Können Sie sich durch einen Lieutenant zur 'Gnädigen Frau' machen lassen, so ist er ihnen eben recht, hat ein Mann wie ich Geld, so wiegt dies den Adel zur Not auf, weil derselbe gewöhnlich keines hat."

"Nun, ich denke aber, das Haus Zwerner und Comp. in Dessau hat Geld, woher also Ihr Zweifel an der Liebe des Fräuleins?"

"Ja, ja!" sagte er etwas freundlicher, "wir haben Geld, und so viel, um immer mit Anstand um eine Tochter des Herrn Simon zu freien; aber Sie kennen die Frankfurter Mädchen nicht, werter Herr! Ist von einem angenehmen, liebenswürdigen jungen Mann die Rede, so fragen sie, 'Wie steht er?' Steht er nun nicht nach allen Börsenregeln solid, so