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Eselsfleisch bereiteten Würste gekauft; es geschah also aus reinem Glaubensdrang, und der Geist hat es mir eingegeben. Da, ihr lumpigten Söhne von Astarot, ihr Brut des Basilisken, so auf dem Stuhl des Lammes sitzt und an seinen Klauen Pantoffeln führt, da nehmet diesen holländischen Dukaten und lasset mir meine geistlichen Bücher in Ruhe! – So, nun lebe wohl, Bruder! der Geist komme über dich und stärke deinen Glauben!"

Da fuhr er hin, und wieder wurde ich in dem Glauben bestärkt, dass diese christlichen Pharisäer schlimmer sind als die Kinder der Welt. Ich ging weiter, den Korso hinab. Am unteren Ende der Strassen begegnete mir der Kardinal Rocco und Piccolo, sein Diener. Der Kardinal schien sehr krank zu sein, denn ganz gegen die Etiquette trug ihm Piccolo nicht die Schleppe nach, sondern führte ihn unter dem Arm, und dennoch wankte Rocco zuweilen hin und her. Sein Gesicht war rot und glühend, seine Augen halb geschlossen, und der rote Hut sass ihm etwas schief auf dem Ohr.

"Siehe da, ein bekanntes Gesicht!" rief er, als er mich sah, und blieb stehen. "Komm hieher, mein Sohn, und empfange den Segen. Haben wir uns nicht schon irgendwo gesehen?"

"O ja, und ich hoffe, noch öfters das Vergnügen zu haben; ich hatte die Ehre Ew. Eminenz im Garten der Frau Campoco zu sehen."

"Ja, ja! ich erinnere mich, Ihr seid ein junger Ketzer; wisset Ihr, woher ich komme? geraden weges von dem Hochzeitschmause des lieben Paares!"

Jetzt konnte ich mir die Krankheit des alten Herrn erklären; die spanischen Weine der Donna Ines waren ihm wohl zu stark gewesen, und Piccolo musste ihn jetzt führen. "Ihr waret wohl recht vergnügt?" fragte ich ihn; "es ist doch Euer Werk, dass die Donna den Kapitän endlich doch noch überwunden hat?"

"Das ist es, lieber Ketzer!" sagte er stolz lächelnd, "mein Werk ist es, kommet, gehen wir noch ein paar hundert Schritte zusammen! – Was wollte ich sagen? jamein Werk ist es, denn ohne mich hätte die Donna gar keine Kunde von ihm bekommen; ich schrieb ihr, dass er in Rom sich befinde; ohne mich wäre ihre frühere Ehe nicht für ungültig erklärt worden; ohne mich wäre der Kapitän nicht rechtgläubig geworden, was zur Glorie unserer Kirche notwendig war; ohne mich wäre er nicht von seiner Ketzerin losgekommenkurz ohne michja ohne mich stünde alles noch wie zuvor."

"Es ist erstaunlich!"

"Höret, Ihr gefallt mir, lieber Ketzer. Hört einmal, werdet auch rechtgläubig; brauchet Ihr Geld? könnet haben soviel Ihr wollt, gegen ein Reverschen zahlbar gleich nach Sicht; oh! damit kann man einen köstlich in Verlegenheit bringen. Brauchet Ihr eine schöne, frische, reiche Frau? Ich habe eine Nichte, Ihr sollt sie haben. Brauchet Ihr Ehren und Würden? Ich will Euch pro primo den goldenen Sporenorden verschaffen; es kann ihn zwar jeder Narr um einige Scudi kaufenaber Ihr sollet ihn umsonst haben. Wollet Ihr in Eurer barbarischen Heimat grosse Ehrenstellen? dürfet nur befehlen; wir haben dort grossen Einfluss, geheim und öffentlich; na! was sagt Ihr dazu?"

"Der Vorschlag ist nicht übel", erwiderte ich; "Ihr seid nobel in Euren Versprechungen, ich glaube, Ihr könntet den Teufel selbst katolisch machen?"

"Anatema sit! anatema sit! Es wäre uns übrigens nicht schwer", antwortete der Kardinal. "Wir können ihn von seinen zweitausendjährigen Sünden absolvieren, und dann taufen. Überdies ist er ein dummer Kerl, der Teufel, und hat sich von der Kirche noch immer überlisten lassen!"

"Wisset Ihr das so gewiss?"

"Das will ich meinen; zum Beispiel, kennet Ihr die geschichte die er mit einem Franziskaner gehabt?"

"Nein, ich bitte Euch, erzählet!"

"Ein Franziskaner zankte sich einmal mit ihm wegen einer armen Seele. Der Teufel wollte sie durchaus haben, und hatte allerdings nach dem Mass ihrer Sünden das Recht dazu. Der Mönch aber wollte sie in majorem dei gloriam für den Himmel zustutzen. Da schlug endlich der Satan vor, sie wollen würfeln, wer die meisten Augen mit drei Würfeln werfe, solle die Seele haben. Der Teufel warf zuerst, und, wie er ein falscher Spieler ist, warf er achtzehn, er lachte den Franziskaner aus. Doch dieser liess sich nicht irremachen; er nahm die Würfel und warfneunzehn; und die Seele war sein."

"Herr! das ist erlogen", rief ich, "wie kann er mit drei Würfeln neunzehn werfen?"

"Ei, wer fragt nach der Möglichkeit? Genug, er hat's getan, es war ein Wunder. Nun, kommet morgen in mein Haus, lieber Sohn, wir wollen dann den Unterricht beginnen."

Er gab mir den Segen und wankte weiter. Nein, Freund Rocco! dachte ich, eher bekomme ich dich, als du mich, von dir lässt sich der Satan nicht überlisten. Es trieb mich jetzt, nach dem haus des Berliners zu gehen, den ich schwer verwundet verlassen hatte. Zu meiner grossen Verwunderung sagte man mir, er sei ausgegangen und werde wohl vor Nacht nicht zurückkehren. So musste ich