einem solchen Tage pflegt ganz Rom zusammenzuströmen, besonders die Weiber kommen gerne, um die Ketzer im geist abfahren zu sehen. Man drängt und schlägt sich auf dem grossen Platz, man hascht nach dem Anblick des Heiligen Vaters, und wenn er den heiligen Bannstrahl herabschleudert, durchzückt ein mächtiges Gefühl jedes Herz, und alle schlagen an die Brust und sprechen: "Wohl mir, dass ich nicht bin wie dieser einer." An diesem Tage aber hatte das fest noch eine ganz besondere Bedeutung; man sprach nämlich in allen Zirkeln, in allen Kaffeehäusern, auf allen Strassen davon, dass ein berühmter, tapferer, ketzerischer Offizier an diesem Tage sich taufen lassen wolle. Dieser Offizier machte seine Grade erstaunlich schnell durch. Am Montag hiess es, er sei Kapitän, am Dienstag er sei Major, am Mittwoch war er Obrist, und wenn man am Donnerstag frühe ein schönes Kind auf der Strasse anhielt, um zu fragen, wohin es so schnell laufe, konnte man auf die Antwort rechnen: "Ei, wisset Ihr nicht, dass zur Ehre Gottes ein General der Ketzer sich taufen lässt, und ein guter Christ wird, wie ich und Ihr?"
Wer der berühmte Täufling war, werden die Leser meiner Memoiren leicht erraten. Endlich, endlich war er abgefallen! Sie hatten ihn wohl nach der Szene in Signoras Garten so lange und heftig mit Vorwürfen, Bitten, Drohungen, Versprechungen und Tränen bestürmt, dass er einwilligte, besonders da er durch den Übertritt nicht nur Absolution für seine Seele, was ihm übrigens wenig helfen wird, sondern auch Schutz für die Justiz bekam, die ihm schon nachzuspüren anfing, da der Berliner einige Tage zwischen Leben und Tod schwebte, und sein Gesandter auf strenge Ahndung des Mordes angetragen hatte.
Ich stellte mich auf dem platz so, dass der Zug mit dem Täufling an mir vorüberkommen musste. Und sie nahten! Ein langer Zug von Mönchen, Priestern, Nonnen, andächtigen Männern und Frauen kam heran, ihre halblaut gesprochenen Gebete rollten wie Orgelton durch die Lüfte. Sie zogen im Kreis um den ungeheuren Platz, und jetzt wurden die Römer um mich her aufmerksamer. "Ecco, ecco lo", flüsterte es von allen Seiten; ich sah hin – in einem grauen Gewand, das Haupt mit Asche bestreut, ein Kruzifix in den gefalteten Händen, nahte mit unsicheren Schritten der Kapitän. Zwei Bischöfe in ihren violetten Talaren gingen vor ihm, und Chorknaben aller Art und Grösse folgten seinen Schritten.
"Ein schöner Ketzer, bei St. Peter! ein schmucker Mann!" hörte ich die Weiber um mich her sagen. "Welch ein frommer Soldat!"
"Wie freut man sich, wenn man sieht, wie dem Teufel eine Seele entrissen wird!" –
"Werden sie ihn vorher taufen oder nachher?" –
"Vorher", antwortete ein schönes, schwarzlockiges Mädchen, "vorher, denn nachher verflucht der Heilige Vater alle Ketzer, und da würde er ihn ja auf ewig verdammen, und nachher segnen und taufen."
"Ach das verstehst du nicht", sagte ihr Vater, "der Papst kann alles was er will, so oder so."
"Nein, er kann nicht alles", erwiderte sie schelmisch lächelnd; "nicht alles!"
"Was kann er denn nicht?" fragten die Umstehenden. "Er kann alles; was sollte er denn nicht können?"
"Er kann nicht heiraten!" lachte sie; doch nicht so schnell folgt der Donner dem Blitz, als die schwere Hand des Vaters auf ihre Wange fiel.
"Was? Du versündigst dich, Mädchen", schrie er; "welche unheiligen Gedanken gibt dir der Teufel ein? Was geht es dich an, ob der Papst heiratet oder nicht? Dich nimmt er auf keinen Fall."
Das Volk begann indes in die Peterskirche zu strömen; und auch ich folgte dortin. Es ist eine lächerlich materielle idee, wenn die Menschen sich vorstellen, ich könne in keine christliche Kirche kommen. So schreiben viele Leute C. M. B. (Caspar, Melchior, Baltasar) über ihre Türen und glauben, die drei Könige aus Morgenland werden sich bemühen, ihre schlechte Hütte gegen die Hexen zu schützen.
Ich drängte mich so weit als möglich vor, um die Zeremonien dieser Taufe recht zu sehen. Der tapfere Kapitän hatte jetzt sein graues Gewand mit einem glänzend weissen vertauscht, und kniete unweit des Hochaltars. Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe standen umher, der ungewisse Schein des Tages, vermischt mit dem Flackern der Lichter der Kerzen, welche die Chorknaben hielten, umgab sie mit einem ehrwürdigen Heiligenschein, der jedoch bei manchem wie Scheinheiligkeit aussah. Auf der andern Seite kniete unter vielen schönen Frauen Donna Ines mit ihren Kindern. Sie war lockender und reizender als je, und wer Luisen und ihr sanftes blaues Auge nicht gesehen hatte, konnte dem Täufling verzeihen, dass er sich durch dieses schöne Weib und einen listigen Priester unter den Pantoffel Skt. Petri bringen liess.
Neben mir stand eine schwarzverschleierte Dame. Sie stützte sich mit einer Hand an eine Säule, und ich glaube, sie wäre ohne diese hülfe auf den Marmorboden gesunken, denn sie zitterte beinahe krampfhaft. Der Schleier war zu dicht, als dass ich ihre Züge erkennen konnte. Doch sagte mir eine Ahnung, wer es sein könnte. Jetzt erhoben die Priester den Gesang, er zog mit den blauen Wölkchen des arabischen Weihrauchs hinauf