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ihr die Spanierin in die Rede, "meinst du, es handle sich hier um Gold? Mir, mir hat er seine Seele verpfändet; er hat mich gelockt aus den Tälern meiner Heimat, er hat mir ein langes seliges Leben in seinen Armen vorgespiegelt, er hat mich betrogen um diese Seligkeit; dudu hast mich betrogen, deutsche Dirne, aber sehe zu, wie du es einst vor den Heiligen verantworten kannst, dass du dem Weib den Gatten raubst, den Kindern, den armen Würmern, den Vater!"

"Ja, das ist dein Fluch, alter Vater!" sagte Luise, von tiefer Wehmut bewegt; "das ist dein Fluch, wenn ich je die Seine würde; er nahte schnell! Ich hätte dir ihn entrissen, unglückliches Weib? Nein, so tief möchte ich nicht einmal dich verachten. Er kannte mich längst, ehe er dich nur sah, und die Treue, die er dir schwur, hat er mir gebrochen!"

"Von dieser Sünde werden wir ihn absolvieren", sprach der Kardinal; "sie ist um so weniger drückend für ihn, als Ihr selbst, Signora, mit einem anderen, der hier neben sitzt, in Verhältnissen waret. Zaudere nicht mehr, folge uns; bei den Gebeinen aller Heiligen, wenn du jetzt nicht folgst, wirst du sehen, was es heisse, den Heiligen Vater zu verhöhnen!"

Der Kapitän war ein miserabler Sünder. So wenig Kraft, so wenig Entschluss! Ich hätte ihn in den Fluss werfen mögen; doch es musste zu einem Resultate kommen, drum schob ich schnell ein paar Worte ein: "Wie? was ist dies für ein Geschrei von Kindern", rief ich erstaunt; "es wird doch kein Unglück in der Nähe geben?"

"Ha! meine Kinder", weinte die Spanierin, "o weinet nur, ihr armen Kleinen; der, der Euch Vater sein sollte, hat Erz in seiner Brust. Ich gehe, ich werfe sie in die Tiber, und mich mit ihnen; so ende ich ein Leben, das du, Verfluchter! vergiftetest!"

Sie rief es und wollte nach der Tiber eilen; doch das fräulein fasste ihr Gewand; bleich zum Tod, mit halbgeschlossenen Augen, führte sie Donna Ines zu dem Kapitän, und stürzte dann aus der Laube. Ich selbst war einige Augenblicke im Zweifel, ob sie nicht denselben Entschluss ausführen wollte, den die Donna für sich gefasst; doch der Weg, den sie einschlug, führte tiefer in den Garten, und sie wollte wohl nur diesem Jammer entgehen. Der Berliner aber lief ihr ängstlich nach, und als sich auch der Kapitän losriss, ihr zu folgen, stürzte die ganze Gesellschaft, der Kardinal, ich und Signora Campoco in den Garten.

Wir kamen zu ihnen, als eben Luise erschöpft und der Ohnmacht nahe zusammensank. S. fing sie in seine arme auf, und trug die teure Last nach einer Bank. Dort wollte ihn der Kapitän verdrängen, er wollte vielleicht seinen Entschluss zeigen, nur ihr anzugehören, er glaubte heiligere Rechte an sie zu haben, und entfernte den Arm des jungen Mannes um den seinigen unterzuschieben.

Doch dieser, ergriffen von Liebe und Schmerz, aufgeregt von der Szene, die wir gesehen, stiess den Kapitän zurück. "Fort mit dir", rief er: "gehe zu pfaffen und Ehebrechern, zu Schurken deines Gelichters. Du hast deine Rolle künstlich gespielt; um diese Blume zu pflücken, musstest du dich den Armen jenes hergelaufenen Weibes noch einmal entreissen. hinweg mit dir, du Ehrloser!"

"Was sprechen Sie da?" schrie der Kapitän schäumend, es mochte in der Rede des jungen Mannes etwas liegen, was als Wahrheit um so beissender war. "Welche Absichten legen Sie mir unter? was hätte ich getan? erklären Sie sich deutlicher!"

"Jetzt hast du Worte, Schurke, aber als dieser Engel zu dir flehte, da hatte deinen Mund die Schande verschlossen. Rühre sie nicht an, oder ich schlage dich nieder."

"Das kann dir geschehen", entgegnete jener, und einem Blitze gleich fuhr er mit etwas Glänzendem aus der tasche nach der Brust des jungen Mannes. – In Spanien lernt man gut stossen. Der Berliner hatte einen Messerstich in der Brust, und sank, ohne das Haupt der Geliebten zu lassen, in die Knie.

"Jetzt wird der tapfere Hauptmann gewiss katolisch!" war mein Gedanke, als das Herzblut des jungen Mannes hervorströmte; "jetzt wird er sich bergen im Schosse der Kirche!" Und es schien so zu kommen. Denn willenlos liess sich der Kapitän von Ines und dem Kardinal wegführen, und die Barke stiess vom land. Wenige Tage nach diesem Vorfall erschien jener glorreiche Tag, an welchem der Papst vor dem versammelten Volk mir, dem Teufel, alle Seelen der Ketzer übermacht; ich habe zwar durch diese Anweisung noch nie eine erhalten, und weiss nicht, ob Seine Heiligkeit falliert haben und nun auf der Himmelsbörse keine Geschäfte mehr machen, also wenig Einfluss auf das Steigen und Fallen der Seelen haben, oder ob vielleicht diese Verwünschung nur zur Vermehrung der Rührung dient, um den Wirten und Gewerbsleuten in Rom auf versteckte Weise zu verstehen zu geben, dass sie sich kein Gewissen daraus machen sollen, den Beutel der Engländer, Schweden und Deutschen, zu schröpfen, da ihre Seelen doch einmal verloren seien.

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