ein Wort von ihr soll mir genug sein, um mich mit mir selbst und mit dem Himmel zu versöhnen. Ach, wie schmerzlich fühle ich meine Verirrungen!"
"Gut, ich will es sagen", erwiderte der Berliner, indem er mit Mühe nach Fassung rang. "Soll ich Ihnen Antwort bringen?"
"Ist nicht nötig; wenn Sie keine Antwort bringen, bin ich um sechs Uhr als reuiger Sünder in dem Garten an der Tiber." "Ich gestehe, der Berliner hatte ein sonderbares Geschick. Das Verhängnis zog ihn in diese Verhältnisse, seine Gestalt, sein Gesicht, zufällig dem Kapitän West sehr ähnlich, bringt ihm Glück und Unglück; es zieht ihn in die Nähe des Mädchens, er lernt ihr Schicksal kennen, er sieht sie leiden, er leidet mit ihr; die Zeit, die alle Wunden heilt, bewirkt endlich, dass sie den Kapitän vielleicht nicht mehr so sehnlich zurückwünscht; sie will nur, dass er jenen Schritt nicht tue, den sie für einen törichten hält, sich selbst unbewusst, gibt sie dem armen S. Hoffnungen; er glaubt sie errungen zu haben durch die vielen Bemühungen um ihre Wahl, und jetzt muss er den gefährlichen Nebenbuhler, einen Mann, den er verachtet, zu ihr zurückführen!" Ich war begierig auf diesen Abend; der Berliner hatte mir gesagt, dass sie einwillige, ihn, von Signora Campoco begleitet, zu sehen. Sie hatte ihn eingeladen, zugegen zu sein, und er bat mich, ihn zu begleiten, weil er diese Szene allein nicht mit ansehen könne. Als ich seiner wohnung zuging, trat mir auf einmal Frater Piccolo in den Weg, mit der Frage, wo er wohl den Kapitän finden könnte?
Ich forschte ihn aus, zu welchem Zweck er wohl den Kapitän suche, und er sagte mir ohne Umschweife, dass er ihm von dem Kardinal einen Schuldschein auf fünftausend Scudi zu überreichen habe, die jener zwölf Stunden nach Sicht bezahlen müsse. "Wertester Frater Piccolo", erwiderte ich ihm, "das sicherste ist, Ihr bemühet Euch nach sechs Uhr in den Garten der Signora Campoco, welcher an der Tiber gelegen; dort werdet Ihr ihn finden, dafür stehe ich Euch." Er dankte und ging weiter. Dass er diese Nachricht dem Kardinal, vielleicht auch Donna Ines mitteilen werde, glaubte ich voraussetzen zu dürfen. "Fünftausend Scudi, zwölf Stunden nach Sicht!" sagte ich zu mir, "ich will doch sehen, wie er sich heraushilft!"
Den armen Berliner traf ich sehr niedergeschlagen. Er schien zu fühlen, dass seine Hoffnungen auf ewig zerstört seien; doch nicht nur dies Gefühl war es, was ihn unglücklich machte; er fürchtete, Luise werde nicht auf Dauer glücklich werden; "Dieser West!" rief er; "ist es nicht immer wieder Leichtsinn, was ihn zu uns, zu ihr zurückführt! Wie leicht ist es möglich, wenn einmal die Reue über ihn kommt, die Spanierin so unglücklich gemacht zu haben, wie leicht ist es möglich, dass er auch Luisen wieder verlässt."
Ja, dachte ich, und wenn erst das Wechselchen anlangt und er nicht zahlen kann, und wenn ihn Donna Ines mit den funkelnden Augen sucht und bei der Fremden findet, und wenn erst der Kardinal seine Künste anwendet. Die Schule der Verzweiflung hat er noch nicht ganz durchgemacht. Aber auch das fräulein, hoffe ich, wird jetzt auftauen, und ihre Hilfe zu kleinen Teufeleien und Höllenkünsten nehmen, und der gute Berliner soll wohl auch bekannter mit mir werden müssen!
Wir gingen hinaus an die Tiber zum verhängnisvollen Garten der Signora Campoco. Unterwegs sagte mir der junge Mann, das fräulein sei ihm unbegreiflich. Als er ihr die Nachricht gebracht, wie sich im haus des Kapitäns auf einmal alles so sonderbar, wie durch eine höhere Leitung gefügt habe, wie West nicht nur zur protestantischen Kirche zurücktreten, sondern auch als reuiger Sünder zu ihr zurückkehren wolle, da sei, so sehr sie ihn zuvor angeklagt, ein seliges Lächeln auf ihren schönen Zügen aufgegangen. Sie habe geweint vor Freude, sie habe mit tausend Tränen ihre Tante dazu vermocht, uns in ihrem Garten zu empfangen. Und dennoch sei sie jetzt nicht mehr recht heiter; eine sonderbare Befangenheit, ein Zittern banger Erwartung habe sie befallen, sie habe ihm gestanden, dass sie der Gedanke an den Flach ihres Vaters, wenn sie je die Gattin des Kapitäns werde, immer verfolge. Es sei als liege eine schwarze Ahnung vor ihrer sonst so kindlich frohen Seele, als fürchte sie, trotz der Rückkehr des Geliebten, dennoch nicht glücklich zu werden.
Unter den Klagen des Berliners, unter seinen Beschuldigungen gegen das ganze weibliche Geschlecht, hatten wir uns endlich dem Garten genähert. Er lag, von Bäumen umgeben, wie ein Versteck der Liebe. Signora Campoco empfing uns mit ihren Hündlein aufs freundlichste; sie erzählte, dass sie das deutsche Geplauder der Versöhnten nicht mehr länger habe hören können, und zeigte uns eine Laube, wo wir sie finden würden. Errötend, mit glänzenden Augen, Verwirrung und Freude auf dem schönen Gesicht, trat uns das fräulein entgegen. Der Kapitän aber schien mir ernster, ja es war mir, als müsste ich in seinen scheuen Blicken eine neue Schuld lesen, die er zu den alten gefügt.
Dem Berliner war wohl das schmerzlichste der feurige Dank, den ihm das schöne Mädchen für seine eifrigen Bemühungen ausdrückte. Sie umfing