und l'Hombrepartien wieder zurück, ohne mir es weiter zu verargen, dass ich keine Lust bezeigte, daran teil zu nehmen.
So beschränkte sich denn zulezt mein Umgang im Stifte fast einzig auf die Pröbstin, einer gebornen Stiftsgräfin von ***. Sie war aus einem der ältesten und edelsten Häuser in Deutschland, aber ihr innerer Adel hob sie noch weit über den ihr angebornen Rang und Stand. Ein unheilbares langsam und schmerzlich sie verzehrendes Uebel hielt sie schon Jahre lang fast immer an ihr Lager gefesselt. Ihr schweres Leiden zog mich zuerst zu ihr hin, doch ihre ächt-christliche Demut, die fromme Ergebung in den Willen Gottes, mit der sie ohne Klage, ja fast freudig alles trug, was ihr auferlegt ward, erweckten, wie ich sie näher kennen lernte, mein innigstes bewunderndes Mitgefühl. Auch ich war so glücklich, mir sehr bald ihre herzlichste Zuneigung zu erwerben, dass sie in jeder schmerzensfreien Stunde mich um sich zu haben wünschte. Ihr Gespräch, die Bücher, grösstenteils religiösen Inhalts, die ich ihr vorlas, vor allem aber das wahrhaft grosse Beispiel dieser Frommen, ihr festes kindliches Vertrauen auf Gott gewann den wohltuendsten Einfluss auf mein Gemüt, in eben dem Grade wie früher die kurze Bekanntschaft mit der Herzogin von P*** auf die höhere und angemessenere Bildung meines Geistes eingewirkt hatte.
Nie kann ich es dankbar genug erkennen, dass die Hand, die mein Leben leitete, mich so zur rechten Zeit diesen beiden edlen Frauen zuführte; von denen die eine in gewisser Hinsicht vollendete, was die andere begonnen hatte, denn alles, was ich später geworden bin, alles, was mir in dem Labyrinte des Lebens Trost und Licht verlieh, verdanke ich hauptsächlich ihnen.
Leidende erkennen einander schnell, und auch meine neuerworbne edle Freundin fühlte gar bald, dass auch ich nicht glücklich sei, obgleich ich mir eben so wenig eine Klage als sie sich eine Frage erlaubte. Der eigne Schmerz machte sie scharfsichtig genug, um in meinem Herzen wie in einem offnen buch zu lesen, und sie benutzte den Einfluss, den sie auf dasselbe gewonnen, um mit leiser linder Hand und wahrhaft mütterlicher sorge dem vom Himmel gesandten Lichte mich zuzuführen, das auch die Nacht ihrer eignen Leiden zu erhellen vermochte. Ich lernte von ihr Glauben und Hoffen, selbst wenn jeder irdische Trost und jedes irdische Glück vor unserm enttäuschten Blicke im Nichts zerflattern.
Mit bereichertem erhobnen Gemüt, mit mühsam erworbnem aber desto festerem Mut, und mit dem treu gemeinten Torsatz, dem Schein nie wieder das kleinste Opfer zu bringen, verliess ich endlich nach einem Aufentalte von acht Monaten die mir so lieb gewordne Einsamkeit. Ich eilte zu meinem Vater zurück, dessen sehr schwankender Gesundheitszustand jetzt mehr als jemals der Pflege seiner Kinder bedurfte.
Nächst der sorge für die Erhaltung und Erheiterung des ehrwürdigen Greises, den ich leider weit schwächer wieder fand, als ich gefürchtet hatte, war jetzt Karolinens fernere Bildung das Hauptgeschäft meines Lebens. Ihre schöne Jugendblüte drang jetzt immer lieblicher sich entfaltend aus der Knospe der Kindheit mächtig hervor, und ihr Anblick erfreute nicht nur ihren Vater, sondern auch jeden, der ihr nahte. Ich fand zu meiner grossen Beruhigung, dass während meiner Abwesenheit, in der Lebensweise unsers Hauses, eine bedeutende Veränderung vorgegangen sei. Mein Vater hatte bei seiner zunehmenden Kränklichkeit den grossen Kreis, der sich sonst bei uns zu versammeln pflegte, unmöglich zusammenhalten können, da in mir die Wirtin des Hauses ihm fehlte, um die Honneurs desselben zu machen. Die Gesellschaft hatte sich also bis auf wenige unserer ältern Freunde allmählich von selbst aufgelöst; ein kleinerer gewählter Kreis, der sich ebenfalls alle Abende um meinen Vater versammelte, war an ihre Stelle getreten; denn dieser war von Jugend auf der Geselligkeit zu gewohnt, um ihr, selbst in seinem jetzigen hohen Alter, gänzlich entsagen zu können.
Die Unterhaltung in diesen kleinen Abendgesellschaften war freilich von dem vormals bei uns herrschenden brillanten Ton himmelweit verschieden, doch ich selbst war ja auch in der Zwischenzeit ein anderes Wesen geworden, und daher sehr damit zufrieden, auch ein anderes Leben führen zu können. Der Gedanke an meinen hoffentlich nicht auf immer verlornen Freund füllte jede Lücke in meinem jetzigen Dasein; oft erweckte ich mich selbst, aus schönen Träumen von einer glücklichern Zeit, in der ich uns beiden alles zu vergüten hoffte, was wir durch meine Schuld erlitten; nur sah ich freilich noch nicht ein, welcher glückliche Zufall diese Zeit herbeiführen dürfe, und verlor mich dann wieder aufs neue im Reich der Möglichkeiten.
Meine gänzliche Unwissenheit in Hinsicht auf alles, was auf Bernhards gegenwärtigen Aufentalt und sein Ergehen Bezug hatte, begann indessen doch mit jedem Tage schmerzlicher mich zu betrüben. Seit er uns verliess, war er für mich wie von der Erde weggehaucht und nie hatte ich nur seinen Namen wieder nennen hören. Mir selbst band ein sehr natürliches Gefühl die Zunge, wenn ich es einmal unternehmen wollte, nach ihm zu fragen; aber auch mein Vater erwähnte seiner so wenig, als ob er nie ihn gekannt hätte; teils wohl aus Schonung für mich, doch mehr vielleicht noch aus Verdruss über uns beide.
Obgleich wir die Zahl der uns täglich Besuchenden sehr beschränkt hatten, so stand doch unser Haus nach wie vor durchreisenden Fremden noch immer gastfreundlich offen. Meines Vaters grosse und vielfältige Verbindungen im Auslande schickten uns sehr oft Reisende aus fernen Gegenden zu, und so empfingen wir fast täglich manchen mitunter recht interessanten Besuch, dessen flüchtige Gegenwart unsrer einförmigen Häuslichkeit Leben und Wechsel