ehrwürdige Schloss auf Luisens Veranstaltung mehr enteiligt als geschmückt worden. Baron Meinau hatte bei zeiten dafür gesorgt, diese verblichenen Ueberreste wegräumen zu lassen, sobald nur Raimunds Ansprüche an das Erbteil seiner Väter unwiderleglich erwiesen waren; denn er fürchtete durch ihren Anblick in Annas Gemüte sowohl, als in dem des jetzigen Besitzers zu traurige Erinnerungen zu wecken. Seine, in ihren Silberlocken noch immer liebenswürdige Gattin half ihm bei dem Geschäfte die hohen, altväterlichen Säle und Zimmer auf würdige Weise wieder bewohnbar herzustellen.
Mit feinem Takt' und richtigem Sinne für das wahrhaft Schöne wussten beide jede Verzierung, jedes Geräte so zu wählen, dass nirgend ein schreiender Contrast hervortrat, weder mit der Altertümlichkeit des Gebäudes, noch mit der Modernität des jungen Paares, das es bewohnen sollte. Alles Bunte, alles zu Glänzende wurde mit der grössten Sorgfalt vermieden, und die vorherrschenden einfachen Formen der Gegenstände brachten überall den wohltuendsten Eindruck hervor.
Jedes Stück des Ameublements schien genau für die Stelle gemacht, die es einnahm, und doch traf man nirgend auf Versuche, gotisches Schnitzwerk nachzukünsteln, oder durch Nachahmung der schweren, nicht von der Stelle zu bewegenden Unbehülflichkeit des Hausgerätes unsrer Altväter den Geist einer längst ergrauten Vorzeit wieder herauf bannen zu wollen.
Vor allem aber wurde die lange Reihe der Ahnenbilder aus ihrem Verbannungsorte wieder hervorgesucht, und in ihre alten Rechte eingesetzt. In passenden Rahmen, von hundertjährigem Staube gereinigt, blickten sie von den hohen Wänden des ursprünglich ihnen geweihten Saales seegnend und freundlich auf das junge Paar herab, mit welchem Leben, Liebe und Freude in die lange verödeten Mauern wieder eingezogen waren. Seit jenen, das Glück so Vieler begründendem Tage hat das Schicksal der mehrsten, in diese Erzählung verflochtenen Personen keine bedeutende oder doch wenigstens keine schmerzliche Veränderung erlitten. Agate und Horst sind noch immer froh und glücklich und gut wie Kinder, und Horst fühlt dabei nur die einzige sorge, dass seine kleine Frau, die er auf den Händen trägt, ihm nicht vor der Zeit zu vernünftig werden möge.
Auch der alte Kleeborn ist sehr glücklich in seinem Sohne, dessen Kenntnisse und Betragen alle Wünsche und Erwartungen des Vaters noch übertreffen. Der junge Mann nimmt sich der Geschäfte seines Hauses mit so vielem Geschick und Eifer an, dass der Alte dadurch Zeit gewinnt, seine Kinder auf Leuenstein zuweilen zu besuchen. Alles, was er dort sieht und hört, gefällt ihm ungemein, würde ihm aber noch weit besser gefallen, wenn er dabei nur auch die Börse regelmässig besuchen könnte. So aber treibt die sehnsucht nach dem gewohnten Gewühl im Verlauf weniger Tage ihn stets wieder in die Heimat zurück.
Babet ist seit einigen Wochen die verlobte Braut des jungen Kleeborn, doch mit der geschichte dieser ihrer Liebe liesse keine Octavseite sich anfüllen. Es ging dabei so ganz prosaisch zu, wie bei jeder Partie, welche allen dabei interessirten Personen konvenirt; was sich darüber sagen liesse, steht alles auf der Karte, mit welcher das junge Paar Freunden und Verwandten seine bevorstehende Verbindung ankündigte. Babet ist jedoch über den Mangel aller romantischen begebenheiten bei dieser ihrer hoffentlich letzten Liebesgeschichte auf das vollkommenste dadurch getröstet, dass sie in Hinsicht auf Haus, Landsitz, Equipage und der Anzahl ihrer türkischen Shawls keiner Dame in der ganzen Stadt wird nachstehen dürfen. Da der junge Kleeborn bei grosser Gutmütigkeit auch viel Festigkeit des Karakters und einen natürlich richtigen, durchaus nicht ungebildeten Verstand besitzt, so steht zu hoffen, dass diese Ehe so ausfallen werde, wie die mehrsten. Sie wird vermutlich gerade kein Himmel auf Erden, aber doch auch keine Hölle sein.
Dass Anna gleich nach ihrer Ankunft im Kleebornschen haus es nicht versäumt hatte, den armen verwaiseten Klarenau am grab ihrer Angelika aufzusuchen, dass sie, so lange sie in seiner Nähe verweilte, alle die Zeit ihm schenkte, welche sie nicht der sorge für Ratmund und Vicktorinen zuwenden musste, bedurfte wohl nicht noch besonders erwähnt zu werden.
Damals brachte ihre Gegenwart den ersten, wahrhaft wohltuenden Trost in das Herz des Unglücklichen. Der Anblick Raimunds, welchen er sogleich als seinen Retter wieder erkannte, die überzeugung, dass Vicktorine, die treue geliebte Freundin seiner Verklärten, an der Seite dieses Mannes einer höchst beglückten Zukunft entgegen gehe, erweckte wieder die erste freudige Regung in seinem Gemüte. Es fiel ihm nicht ein, mit dem Geschicke hadern zu wollen, weil es für Andere Rosen blühen liess, von denen er nur die Dornen auf seinem Pfade angetroffen hatte; doch weder die dringendsten Bitten, noch ernste Vorstellungen konnten ihn bewegen, seine Einsamkeit zu verlassen und dem glücklichen Paare nach Leuenstein zu folgen.
"Hier ist meine Heimat, und sie öffnet sich mir bald!" war alles, was er den Freunden erwiderte, indem er auf das von jungen Rosen üppig umblühte Marmorkreuz hinwiess, das aus dem dunklen Schatten von Cypressen hell hervorleuchtete. Seine verfallne Gestalt, das wunderbare Glänzen seiner Augen bestätigte nur zu sehr die Wahrheit dessen, was er aussprach, und Raimund und Vicktorine liessen, tief gerührt, endlich davon ab, ihn mit ihren Bitten noch länger zu verfolgen.
Jetzt ruht auch er, der in Wüsten des Lebens müde getriebene Pilger unter dem Kreuze, im Schatten der Rosen und Cypressen. Der Name Angelika bezeichnete den letzten Hauch seines Lebens, und sein brechendes Auge strahlte im Abglanze der ihm nahenden Himmelsseeligkeit, als er in den Armen des treuen Horst zum ewigen Schlummer es schloss.
Die Tante trat bald nach Vicktorinens Vermählung von dem Schauplatze ihrer vieljährigen Tätigkeit ab, auf welchem nur das Bedürfniss, alle