dass er, trotz seiner Jahre, die Beschwerden der Reise gern auf sich nehmen und wenn es sein müsste Leib und Leben daran setzen wolle, um nur das liebe fräulein Vicktorine vor einer Verbindung zu bewahren, der er immer mit schweren Herzen entgegengesehen habe. Sogar Herr Kleeborn selbst drückte gerührt ihm die Hand. Ich kann Ihnen den Trost geben, dass der Schmerz Ihres Vaters über das Fehlschlagen eines lange gehegten Lieblingsplans sich seit der Aussicht, seinen alten Freund nicht dadurch zu verlieren, sehr gemildert hat. Er hat mir sogar gedankt, dass ich, wenn gleich, wie er glaubt ohne es zu ahnen, die Veranlassung gegeben habe, ihn von der Gegenwart eines Menschen zu befreien, dessen immer unleidlicher werdender Uebermut ihm täglich unerträglicher wurde, und der nur heute Morgen durch die niedrigste Heuchelei sich ihm zum erstenmal in einem günstigeren Lichte zu zeigen wusste."
"Also ist es wirklich wahr, und ich bin aller Qual und sorge, jeder Furcht vor der nächsten Stunde, die oft mich fast zu Boden drückte, überhoben," sprach Vicktorine hochaufatmend. "Wie kann ich je dieses Ihnen verdanken, denn dass Sie absichtlich die Katastrophe dieses Abends herbeiführten, werden Sie mir nicht ableugnen wollen. Und doch! ich ehre Ihren geraden Sinn zu sehr, um auch gegen Sie nicht ganz offen zu sein, selbst mit Gefahr, Ihnen undankbar zu erscheinen. Lieber guter Horst, musste es denn gerade auf diese Weise geschehen? konnten Sie meinem Vater nicht diese aufsehen erregende Scene ersparen, die sein Stolz, und das mit Recht, sehr kränkend empfinden muss; war es nicht möglich, ihm auf sanftere Weise über den Unwert dieses Menschen die Augen zu öffnen?"
"So sind die Mädchen," erwiderte Horst lachend, "tragt sie auf den Händen bis Rom, und setzt sie am Tore etwas unsanft nieder, und ihr werdet gescholten. Doch Sie sind wenigstens so billig, mich nicht wie einen Spion ungehört zu verdammen, sondern wollen erst ordentlich Kriegsrecht über mich halten. So hören Sie denn meine Verteidigung."
"Fürs erste will ich nicht läugnen, dass ich heute jeden Schritt unsers gemeinschaftlichen Feindes den ganzen Tag über bewachte, denn sein gar zu schmiegsames Betragen an diesem Morgen zeigte mir deutlich, dass er etwas im Schilde führe. Ich will nicht läugnen, dass fräulein Natalie ohne mich an die heutige Oper schwerlich gedacht haben würde, und dass ich es für eine erlaubte Kriegslist hielt, durch sie das Zusammentreffen im Teater herbeizuführen, von dem ich fest überzeugt war, dass es so enden musste, wie, gottlob! geschehen ist. Schon lange wartete ich auf eine solche gelegenheit, Herrn Kleeborn über das unsittliche Leben seines erkohrnen Schwiegersohns die Augen zu öffnen. Die Ankunft der Tänzerin war mir schon einige Tage vor der Abreise der Tante bekannt geworden, und ich stand eben im Begriff, auch sie davon zu benachrichtigen, als ihr plötzlicher Abschied uns alle überraschte. Warum sollte ich die letzten Augenblicke, welche die würdige Dame in unserem Kreise zubrachte, durch eine solche Nachricht beunruhigen, da ich überzeugt war, alles ohne ihre hülfe an den Tag bringen zu können, besonders da sie mir noch in den letzten Stunden die Ehre erzeigte, mich zum Beschützer ihrer geliebten Vicktorine zu ernennen?"
"Aber, lieber Freund, konnten Sie denn nicht – –"
"Ihrem Vater alles erzählen, nicht wahr?" fiel Horst ein. "Für mein Leben gern hätte ich das getan, aber wer stand mir denn dafür, dass Herr Kleeborn mir glauben, dass es jenem listigen Menschen nicht gelingen würde, sich weiss zu brennen, und dem alten Herrn ein X für ein U zu machen? Denn wer in der Welt zweifelt nicht gern so lange als möglich an einer Wahrheit, die seinen liebsten Wünschen widerspricht? Am Ende konnte dadurch vielleicht die öffentliche Erklärung Ihrer Verbindung nur noch beschleunigt werden. Solchen Kämpfen durfte ich Sie nicht aussetzen, ich musste den Augenschein unwiderleglich für uns sprechen lassen, und den sichersten Weg wählen, wenn gleich er nicht der angenehmste war."
"Ich fühle wie sehr Sie Recht haben, und doch kann ich nicht umhin, die Kränkung, die mein Vater erduldet hat, schmerzlich zu empfinden. Was sagte er denn, wie benahm er sich?" sprach Vicktorine.
"Danken Sie Gott, dass Sie nichts davon gesehen und gehört haben, "erwiderte der Nittmeister, "und verlangen Sie nicht, es genauer zu erfahren. Dass der Papa anfangs sehr wild war, können Sie sich leicht denken; Sie kennen seine heftige, alles Widerspruchs ungewohnte natur. Es war ein Glück, dass ich ihn nicht aus den Augen lies, sonst wäre er hingegangen, den Sir Charles zur Rede zu stellen, und daraus hätte doch nur sehr Unfreundliches entstehen können. Es dauerte lange, ehe ich ihn bereden konnte davon abzustehen. Endlich willigte er ein, als ich ihm vorstellte, dass Sie doch noch nicht förmlich versprochen wären, und daher ein solcher Schritt von Seiten Ihres Vaters Sie nur erniedrigen könne. Am schwersten wurde es mir, ihn über die öffentliche Beschimpfung zu beruhigen die er erlitten zu haben glaubte, und ihm begreiflich zu machen, dass niemand beschimpft sei, als Sir Charles selbst: Zum Glück, kam Müller bald dazu, und half mir den aufgebrachten alten Herrn nach und nach in einem Grade besänftigen, wie ich es selbst sobald nicht erwartet hätte."
"Was wird nun zunächst geschehen?