Das lachen aber scheint mich zu grämen der Menschen; nämlich ich hab ein Herz. möchte ich ein Komet sein? Ich glaube. Denn sie haben die Schnelligkeit der Vögel; sie blühen am Feuer und sind wie Kinder an Reinheit. Grösseres zu wünschen, kann nicht des Menschen natur sich vermessen. Der Tugend Heiterkeit verdient auch gelobt zu werden vom ernsten geist, der zwischen den drei Säulen wehet des Gartens. Eine schöne Jungfrau muss das Haupt umkränzen mit Myrtenblumen, weil sie einfach ist ihrem Wesen nach und ihrem Gefühl. Myrten aber gibt es in Griechenland. Wenn einer in den Spiegel sieht, ein Mann, und sieht darin sein Bild wie abgemalt; es gleicht dem mann. Augen hat des Menschen Bild; hingegen Licht der Mond. Der König Ödipus hat ein Auge zu viel vielleicht. Die Leiden dieses Mannes, sie scheinen unbeschreiblich, unaussprechlich, unausdrücklich. Wenn das Schauspiel ein solches darstellt, kommt's daher. Wie ist mir's aber, gedenk ich Deiner jetzt? Wie Bäche reisst das Ende von Etwas mich dahin, das sich wie Asien ausdehnt. natürlich dieses Leiden, das hat Ödipus. natürlich ist's darum. Hat auch Herkules gelitten? Wohl. Die Dioskuren in ihrer Freundschaft, haben die nicht Leiden auch getragen? Nämlich wie Herkules mit Gott zu streiten, das ist Leiden! Und die Unsterblichkeit im Neide dieses Lebens, diese zu teilen, ist ein Leiden auch. Doch das ist auch ein Leiden, wenn mit Sonnenflecken bedeckt ein Mensch, mit manchen Flecken ganz überdeckt zu sein! Das tut die schöne Sonne; nämlich die zieht alles auf. Die Jünglinge führt die Bahn sie mit Reizen ihrer Strahlen wie mit Rosen. Die Leiden scheinen so, die Ödipus getragen, als wie ein armer Mann klagt, dass ihm etwas fehle. Sohn Laios, armer Fremdling in Griechenland! Leben ist Tod, und Tod ist auch ein Leben. Solche Papiere verwahrte er sorgfältig. Wenn er zeichnete, waren es lauter Figuren, die keinen Sinn hatten.
Plötzlich starb Cäcilie. Von Atalantas Tod an war sie nicht mehr gesund. Katons Schmerz war unermesslich. Der wahnsinnige Phaeton schmückte ihren Leichnam auch mit Blumen.
Noch ein Jahr blieb Katon auf dem schloss. Dann gab er den unglücklichen Freund einem wackern Tischler in sein Haus, der im dorf wohnte.
Katon verschwand an einem Morgen vom schloss. Die drei Särge seiner Geliebten hatte er mit sich genommen. Er hatte das Schloss verkauft. Man glaubte, er sei nach Griechenland gegangen.
Phaetons Zustand ward immer elender. Er spielte nicht mehr Klavier; schrieb kein Wort mehr. Den ganzen Tag lief er in seinem Zimmer auf und ab.
Im Sommer klagte er immer über Unruhe und Beklemmung. Er wandelte dann gewöhnlich bei Nacht im haus umher.
Der Tischler nahm ihn oft mit sich aufs Feld. Er musste ihn aber hüten. Ein alter Freund Phaetons schrieb nach vielen Jahren einmal an einen andern Freund:
Ich kam durchs Dorf T *** Hier besuchte ich den wahnsinnigen Phaeton, der in der ganzen Umgegend bekannt ist.
Wir waren einst Jugendfreunde. Sein hoher strebender Geist, sein edler kräftiger Sinn, sein heisses Herz, selbst seine körperliche Schönheit machte ihm alle Herzen gewogen. Geliebt, geachtet ward er, wohin er kam.
Uns allen war er ein Rätsel. Er galt für einen Schwärmer. Immer klagte er über tausenderlei Dinge, wollte alles in grösserem Masse, als wir begreifen, als wir geben konnten. Mit unserer Freundschaft war er nie zufrieden. Das wolle nichts heissen. Wir sollten ihn viel glühender lieben.
O, denke Dir den schönen wunderbaren Jüngling mit den blauen Augen, dem blassen lieben Angesicht, den langen braunen Locken! Denke ihn Dir zurück!
Seine geschichte ist Dir bekannt. Lass Dir erzählen und schaudere, wie ich ihn traf.
Ich stieg eine enge steinerne Treppe hinab, die von einem kleinen Bergabhang zu einem einsamen Tischlerhause führte. Da sollte er wohnen. Ich ging eine schmale Stiege hinauf. Ein freundliches junges Mädchen trat mir entgegen. Ich fragte das hübsche Kind nach Phaeton. Sie öffnete eine tür!
In einem kleinen engen Stübchen stand ein Mann mit langem wildem Barte, nur halb angekleidet, mit grossen unbeschnittenen Nägeln, die hände auf dem rücken zusammenschliessend, sich unaufhörlich gegen mich verneigend. Er ist's, sagte das Mädchen. Ich stand da wie ein Gerichteter. Die Worte starben mir auf der Zunge. Das Mädchen sprach mir Mut ein. Ich ging endlich auf ihn zu und gab mich ihm zu erkennen. Er verneigte sich noch tiefer, schüttelte den Kopf und lispelte: Eure königliche Majestät kenne ich nicht! Nein, nein! Kenne ich nicht! Nein!
Ich schauderte.
Er stand an der tür, die Hand auf einen Stuhl gestützt und die Füsse übereinanderlegend. Unaufhörlich sprach er mit sich selbst in einer Mischung fremder Sprachen und selbsterfundener Worte. Ich sah ihn starr an. Nur noch matte Spuren seiner alten Schönheit hatte die furchtbare Krankheit zurückgelassen. In seinem grossen Auge allein war noch Geist; ein unaussprechlich sonderbarer blick, der mir durch Mark und Bein schauerte.
Ich fragte ihn noch Einiges. Er antwortete aber auf alles mit unverständlichen Worten und versicherte mir, das könne, das dürfe er nicht beantworten.
Auf einmal verneigte er sich wieder und noch tiefer als vorher. Ich glaubte, er wolle, dass ich ihn verlasse, und trat hinaus. Aussen blieb ich noch eine Zeit lang stehen