sein blick rollte wild. Aber er fühlte doch die Seele in dem Auge, die Fülle, die Liebe!
Der grosse Mann ging ans Fenster. Es war, als ob er's nicht mehr aushalten könnte.
Atalanta ergriff halb zitternd Phaetons Hand. Eine Träne glänzte in ihrem Auge. Der junge zarte Busen hob sich, voll Liebe anschwellend, unter den Tüchern. Sie sagte mit einem tiefen Seufzer: Ach, warum bist Du so gefallen?
O, das sagte sie so unendlich traurig, so zerflossen in Wehmut und doch so ganz voll Liebe!
Er aber raste. Mit einem grässlichen Oh! stürzte er von neuem über sie. Seine Lippen brannten auf den ihren.
Wir hörten sie weinen. Sie konnte sich nicht losmachen. Wir richteten den Wahnsinnigen auf.
Wie sie sich wieder frei sah, weinte sie noch stärker. Dann lispelte sie wieder wie betend: Ach, warum muss ich ihn so wiedersehen!
Sie schien sich zu sammeln. Wieder ergriff sie seine Hand und sagte: Ach, so bist Du noch mein!
Dann verschwamm ihr blick in den Wogen des Abendrots durch die hohen offenen Bogenfenster.
Sie ward verklärt.
Dahinein! sagte sie mit einer Engelsstimme. Dahinein werde' ich tauchen, ein unsterblicher Geist, mich baden im ewigen Licht! Auch Du ... – ihr Auge blickte schmerzlichliebend auf den Unglücklichen, – auch Du wirst einst wieder im Licht wallen, wenn Deine Seele zu Gott schwebt!
Sie sank in seine arme, die Liebende! Blumen und Locken ruhten auf ihm.
Noch einmal blickte sie auf und sah den Vater an und die weinende Cäcilie! Dann sank sie wieder an Phaetons Brust, seufzte nur noch in einem namenlosen Tone: Rein!
Lange blieben sie aneinander.
Er hielt sie, küsste sie. Ihr Auge war geschlossen. Ihre Wangen fühlten seine Küsse nicht mehr. Ihren Busen füllte nicht mehr das warme jugendliche Leben.
Wir alle schluchzten laut. Phaeton hielt kniend die tote Braut an Mund und Brust.
Wir wollten ihn losmachen. Er blickte uns rasend an, mit funkelndem Auge. Wir liessen ihn. Erstarrt blieben wir stehen.
Er legte sie wieder auf das Kissen, so sanft, so zärtlich, und kniete neben sie hin.
Ich trat der Abgeschiedenen nahe. Mich überwallte die unaussprechliche Schöne. Wie Milch war ihr ganzes Angesicht. Und diese Lippen! Wie noch warm von den Küssen, die Phaeton auf die weichen gedrückt hatte.
Katon schien gefasst. Cäcilie war untröstlich. Atalantas Tod, Phaetons Wahnsinn hatten zu sehr auf sie gewirkt. Man musste sie ohnmächtig wegtragen.
Phaeton wollte das Zimmer durchaus nicht verlassen. Er sprach kein vernünftiges Wort mehr.
Die ganze Nacht soll er im Zimmer auf und abgegangen sein, ohne ein Wort zu sprechen.
Am nächsten Morgen dankte mir Katon freundlich für meine Begleitung. Wir gingen in das Zimmer, wo die Tote lag. Phaeton war nicht da. Wir erschraken.
Aber bald tat sich die Tür auf, und Phaeton trat herein mit allerlei Blumen, Jasminen, Lavendel, Ringelblumen, Tulpen, Rosen, Lilien, Narzissen, Nelken, Tremsen, Akazienzweigen und roten und blauen Kornblumen. Er hatte ein langes rotes Tuch umgeworfen, in dem er die Blumen zum Teile trug. Uns schien er gar nicht zu bemerken.
Er trat auf das Bett zu, legte seine Hülle zurück, küsste die bleichen schönen Wangen der Geliebten und bedeckte sie ganz mit Blumen. Dann kniete er wieder vor sie hin, schlang seine arme um sie und regte sich nicht mehr.
Wir wagten ihn nicht zu stören. Heilung schien unmöglich. Die Diener, die die Nacht durch wachen mussten, sagten, er habe nur wenig geschlummert, viel im Schlafe gesprochen; sie hätten dem Bette durchaus nicht nahekommen dürfen.
Den ganzen Tag nahm er nichts zu sich. Mit uns sprach er kein Wort. Die Nacht hindurch blieb er wieder neben ihrem Bette sitzen.
Am andern Morgen sollte sie begraben werden. Man wollte ihn mit Gewalt aus dem Zimmer bringen. Er wehrte sich verzweifelt, schlug einen der Männer zu Boden. Dann verhielt er sich ruhiger.
Man brachte den Sarg herein. Da riss er sich wieder los. Kein Arm war nun stark genug, den Rasenden zu halten. Seine Kraft war riesenmässig.
Er kniete vor dem Mädchen, weinte laut, küsste sie auf Mund und Stirne, löste ihre Locken auf, fasste sie dann um den Leib, legte ihr wankendes Haupt an seinen Busen und trug sie zum Sarg. Keine fremde Hand durfte sie anrühren. Er legte sie selbst hinein. Bei all dem sprach er nichts.
Katon führte Cäcilie herein. Sie war entkräftet und lehnte sich an Katons Brust. Sie zerfloss in Tränen, wie sie das junge geliebte Mädchen im Sarge sah und die vielen Blumen auf ihr und den wahnsinnigen Jüngling daneben kniend. Auch Katons männliches Auge war voll Tränen.
Auf einmal schlug Phaeton den Sargdeckel zu. Cäcilie sank mit einem lauten Schrei zu Boden. Man brachte sie weg. Phaeton lächelte.
Der Sarg ward in ein Gewölbe des Mausoleums getragen. Phaeton folgte. Gegen Abend brachte ihn Katon wieder herauf. Nun erst nahm er wieder etwas zu sich.
Am vierten Morgen nahm ich Abschied. Phaeton wollte durchaus nicht mit mir. Er schien mich kaum zu kennen. Wie ich ihm um den Hals fiel, weinte er auch und sprach lauter seltsame Worte. Was ich denn von ihm wolle? Er sei