strudelt, die Eichen aus den Wurzeln reisst und alles fasst und wogend mit sich fortreisst. Die Ungestümen rissen Zweige von den Lorbeerbäumen und warfen sie mit lautem Ruf über mich. Hilarion drückte mir schweigend die Hand.
Von nun an kamen sie täglich zusammen zum Ringen, Laufen und Werfen. Und wenn ich schweissbedeckt am Abend nach haus kam, trat mir Teone entgegen und gab mir mein Abendbrot. Da ruhte die wilde Kampfeslust und der tobende Sinn. Aus ihrem milden Auge quoll ein sanfter Friede und wehte kühlend und besänftigend durch meine Seele.
Ich fühlte mir ein neues Leben entstehen. Meine Seele war gestillt, erweitert, angefüllt, war frisch wie das Tal, wann die Morgensonne überm Hügel schwebt.
Oft drückten wir uns die hände, wenn wir allein waren und küssten uns die Lippen; und wenn der Vater kam, wand sie sich errötend von meiner Brust.
Der Vater lächelte.
Oft auch sassen wir am Ufer des Eurotas, wo über uns sich Lorbeer und Platanen wölbten und die Trauerweiden in die klare Flut sich tauchten.
Die Schwäne spielten um Myrten- und Rosengesträuch zu unsern Füssen, und der Seidenbaum würzte die Luft mit balsamischem Geruche.
Veilchen waren durch Teonens dunkle Locken geflochten, die herabwallten über den jugendlichen Busen. Sie war zart und mild wie das freundliche Schneeglöckchen.
Ewige Gesundheit sog ich aus ihrem keuschen mund. Ich sah in ihr das Bild der ewigen Jugend. Das Leben fühlt' ich in seiner höchsten Fülle, im Vollgenuss meiner Kraft und Stärke.
Unser Gefühl war rein wie das weisse Licht der Sonne. Die ganze Schöne des griechischen himmels hatte sich abgedrückt in Teonens Körper und Seele.
Und wenn dann der Mond hervortrat und die beschneiten Gipfel des Taygetos im blassen dämmernden Lichte glänzten wie zartgehauchte Wolkenbilder, da schwiegen wir und lauschten der Nachtigall, die ihre Lieder in den Akazien aus der melodischen Kehle wogte, und wandelten Hand in Hand wieder unsern Felsen zu.
Einstmals nahm Hilarion mich an der Hand und führte mich zu Teone. Dann ging er schweigend mit uns aus dem haus. Die Sonne stand am Mittagshimmel. Der Alte blickte die junge Tochter an und dann mich und sagte: Liebe Kinder, Ihr liebt Euch! Das Mädchen errötete; mein Auge glühte. Ich warf mich zu des Vaters Füssen; auch das Mädchen sank auf ihre Knie. Hilarion legte unsre hände ineinander, gab uns seinen Segen und ging ins Haus. Dann sahen wir einander an auf den Knien, und unsere Lippen küssten sich zum ewigen Bunde.
Zu Sparta wurden wir getraut. Meine Brüder kamen zusammen auf der Wiese und feierten unser fest. Die männliche Jugend strebte im Wettkampf nach den Preisen, die wir ausgesetzt; und nach dem Mahle begannen Tänze und Spiele, wo sich die frohen, von Wein und Gespräch trunkenen Jünglinge mit den blumengeschmückten Mädchen bis zum Morgen unterhielten. Teone sank mir weinend an die Brust. Sie war mein, ganz mein.
Selig verlebten wir den Sommer. Auch den Winter hindurch dauerten unsre Spiele. Ich war im Ringen und im Laufen der Erste. Die Greise sorgten für die Ordnung und bestimmten die Preise. Hilarion ward wieder jung.
So kehrte der Frühling wieder, und meine Teone fühlte sich Mutter. Von nun an ward sie mir heilig, das Kind und Abbild der erzeugenden natur. Da gebar sie, und Du, liebe Atalanta, betratest die Welt.
Überschwänglich war Deines Vaters Wonne. Die Worte starben ihm auf den Lippen. Er drückte mit stummem Entzücken die geschwächte blasse Mutter und dann Dich an seine Brust. Mein häuslich Glück war nun vollendet.
Da ward auf einmal Hilarion geheimnisvoll. Ich drängte mich an sein Herz und er sagte mir, vom Norden segle eine Macht herbei, den Muselmann auf seinem Boden anzugreifen. Ich staunte; ich ward entzückt. Gott! rief ich begeistert. Der Tag ist gekommen, auf den wir gewartet!
Ich stürzte auf die Wiese, verkündet' es den Brüdern. Alles eilte voneinander.
In einigen Tagen war Misitra unter den Waffen. Die Nachricht erscholl durch die Täler des Taygetos. Die Völker standen auf.
Vor meinen Sinnen war nichts als das Geschnaube, das morddrohende Gerassel anrennender Kriegsrosse; das Feld und Stadt durchhallende dröhnende Waffengetös der geharnischten Brüder; das einherwogende Gebrüll vom Atem des Ares geschwellter Männer; der furchtbar vom Widerhall zurückgetriebne Donner der Geschütze; die stöhnenden Seufzer und Gebete hülfeflehender, das Bild der Panagia umfassender Jungfrauen; himmelanwirbelndes Staubgewölke; die Flamme des allzerstörenden männerzermalmenden Schlachtgewühls; Mordende und Gemordete; Weinende; den furchtbaren Gesang des Hades und der Erinnyen Singende.
Ich feuerte meine Genossen an. Sie rasten in Kampflust. Der Bei von Misitra ward gemordet.
Kinder, ich nahe nun dem unglücklichsten Teile meines Lebens. Lasst mich kurz sein in meiner Erzählung! O, sie schmerzt mich!
Achaia, Arkadien und Argos hatten die Fesseln abgeworfen. Orlow war mit sechs Schiffen erschienen. Wir Mainotten wollten nach dem Istmos ziehen.
Noch wusste meine Teone nichts.
Den Tag vor dem Abzug trat ich vor sie hin. Die junge schöne Mutter sass auf einem Stuhl und säugte ihr Kind am weissen Busen und blickte so schmerzlichsüss auf das Kleine herab, als wenn sein Trinken sie verletzte. Dann drückte sie mir die Hand und lächelte.
Ich fiel ihr um den Hals. Teone, rief ich, wir müssen scheiden! Das Vaterland ruft. Bald werde' ich wieder in Deine arme eilen und frei die Freie an den Busen drücken.
Sie war heftig