beseligender als Dein Auge voll Frieden und Liebe?
Phaeton! rief sie schauernd in Entzücken. Ich presste sie heftig an meinen Busen.
Dann erzählt' ich ihr meinen Traum. Wir blieben lange noch stehen vor dem Bilde Homers, Arm in Arm wie zwei Kinder. Die Sonne war längst aufgestiegen. Wir wandelten ins Schloss hinüber.
Phaeton an Teodor
Auch ich war einst von Wissensdrang geplagt. Aber ach, mein ewig Weinen und Sehnen ward da nicht gestillt, und was das innigste geliebteste Heiligtum meines Herzens war, das fühlt' ich ungeregt. O Teodor, bei allem Suchen und Streben hab' ich nichts wahr gefunden als den Schmerz.
Einen wahren beseligenden Genuss verschafft mir noch die Welt der Dichter. Hier darf ich ja nicht fragen: Wozu? Woher? Warum? Das befriedigte Streben, das gestillte Sehnen meines Geistes ist die Antwort.
Von den Alten les' ich Homer und von den Neuen Shakespeare und Calderon. Wenn andere Dichter eines Volkes sind, so ist Shakespeare Dichter des Erdballs. Du lächeltest oft schon über meine grenzenlose Anbetung dieses erdgeborenen himmelstürmenden Riesen; aber lächle nur! Er ist doch nach Homer der erste aller Dichter.
Und ist wirklich seine Welt mir fast zu real – ich schweb' im Äter – so lieb' ich im Calderon das Zerflossene, das Unbegrenzte, das Blumige. Calderons Welt ist wie ein unendlicher Garten, wo auf lachend jungen Gründen unter glühend südlichem Himmel die üppigste Fülle von farbigen Blumen sich wiegt und aus tausend Kelchen und Glocken das lächelnde Kinderhaupt geflügelter Liebesgötter blickt. Seine Gestalten schieben sich in reizender Unordnung wie Arabesken durcheinander, und alles ist mit den holdesten Blumengewinden wie von göttlicher Hand durcheinander geschlungen.
Phaeton an Teodor
Lieber, wenn ich an meinem Klavier sitze, und Atalanta sitzt neben mir, wenn die Töne bald schmelzend und tiefschmerzlich wie mein Inneres klingen und in sanften verschwebenden Akkorden, in linden unendlich empfindungsreichen Akzenten eine namenlose sehnsucht hauchen wie das Auge der Geliebten, und unsere Herzen erbeben und zerschmelzen und weinend ein unerklärbares Verlangen fühlen; bald wie aus der Tiefe wie ein unterirdisches Donnern zittern, als verkündigten sie das Aufsteigen der schauervollen Geisterwelt, und immer weiter anwachsen und schwellen, und unsere Seelen wie in einem Sturm unaufhaltsam fortgewirbelt werden, und alles um uns und über uns zittert und wankt: da ergreif' ich oft ihre Hand. Ihr Auge wird wie die durchsichtige aber unergründbare Luft, wie das endlose unermessliche Meer, und ich finde keinen Grund und kein Ende und glaube zu vergehen im Anschaun dieser überschwänglichen Schöne.
Ich ahne jene Sagen der Vorwelt, geheimnisvoll wie die Vorwelt selbst, wo die Macht der Töne sogar das Leblose mit Leben und Wärme füllte, jenen göttlichen Musenruf des diskäischen Schwanes:
Strophe I
Goldne Leier, Dir, Apoll, und Euch mit dem dunkeln Gelock, Musen, gleichrechtmässiges Gut, der aufhorcht der harrende Fuss zu des Festes Anfang, Deinem Zeichen lauscht der Sängerchor, wann Du die Gesänge, die reigenführenden, tief vom Schlag erzitternd, zum Vorspiel erklingst. Auch des Blitzstrahls ewig glühenden Flammenkeil löschest Du aus. Auf des Zeus Szepter schläft der Adler, der Fittiche hurtig schwebend Gefieder in Ruh niedersenkend.
Antistrophe I
Er ist der Vögel Fürst. Du gossest Nachtgrau des Schlummergewölks ihm ums runde gebogene Haupt, sanft das Augenlid ihm zu schliessen. Tief im Schlafe schwillt von Deinem Wollustklange sein weichwallender rücken. Und Ares selbst, wild in Tatkraft, lässt ja ferne des mordenden Speers scharfen Stahl und labt des Herzens Drang in des Schlafes Genuss. Es besänftigt ja Götterherzen selber der Zauber, bei Phoibos Lied und der Musen, die tiefbusigen Schwestern.
Epode
Aber so viele nicht Zeus liebt, die erschrecken, hören sie klingende Musengesänge, auf dem Land wie auf dem unendlichen Meer. Auch der hundertauptige Typhos, der, den Himmlischen verhasst, im Bette des Tartaros liegt, den einst des Kiliker weitbuchtige Höhle geschützt. Nun aber drückt ihm das meerumwogte Gestade von Kyma, Sikela auch, dem Ungeheuer, die zottige Brust. Auch hält ihn fest die himmelanwirbelnde Säule, die beschneite Ätna, des schneidenden Gestöbers ewige Amme.
S t r o p h e II
Ihres Abgrunds Klüfte spein unnahbaren Flammenlichts lauteren Quell empor. Bei Tag strudelt auf grauqualmende Ströme von Rauch die
Flut;
aber durchs Nachtdunkel wirft blutrotwirbelnde Flamm' in die tiefe Meeresflur dumpf hintosende Trümmer von Felsen hinab. Jenes Gräueltier strömt des Hephaistos allfurchtbare Wirbel herauf, Wunderzeichen, so zum Erstaunen im Anschaun wie zum Erstaunen der Wandrer zu hören.
Zweiter teil
What a piece of work is a man! How noble in
reason! How infinite in faculties! In form and
moving, how express and admirable! In action
how like an angel! In apprehension, how like a
god! Te beauty of te world! Te paragon of
animals! And yet, to me, what is tis quintessence
of dust!
Shakespeare
Welch ein Meisterstück ist der Mensch! Wie
edel durch seine Vernunft! Wie unbegrenzt in
seinen Fähigkeiten! In Gestalt und gang wie
ausdrucksvoll und wunderwürdig! In seinem
Tun einem Engel ähnlich! Im Denken einem
Gotte! Die Zierde der Welt! Ein Muster jedem
lebenden geschöpf! Und doch, was ist mir diese
Quintessenz des Staubes?
S h a k e s p e a r e , Hamlet II, 2
Phaeton an Teodor
O Teodor, meine Wonne ist aus! Verklungen wie Harfenlaute ist meine Seligkeit. Ich bin aus dem Himmel gestossen, und auf der Erde soll ich mich nun