blick des Hohen weist mich zurück.
Phaeton an Teodor
O wenn ich ihr so nahe wäre, so nahe, dass ich ihr um den Hals fallen könnte!
Ach, was ist's mit all unsern Wünschen? Wir wünschen nur, dass uns das bisschen, das wir haben, auch entleide. Und warum bin ich denn nicht zufrieden, so um sie zu sein, wie ich bin? Ist denn das nicht genug? Was fordert dieses Herz noch?
Wie geläutert ist mein ganzes Wesen in ihrer Nähe. Und wenn ich sie einmal von ungefähr berühre, da zuckt es wie ein Blitz durchs Innre, und ich fahre zusammen und blicke sie an, als wollt' ich um Vergebung flehen.
Ich mag gehen, wohin ich will, sie wandelt mir zur Seite wie mein Genius. Lieber, ich könnt' ihr nimmer vors Auge treten, hätt' ich etwas Schändliches begangen. Ihre Augen können aus mir machen, was sie wollen.
O Teodor, wie viele meiner Brüder gehen verloren durch schwelgerischen Sinnengenuss! Die Wollust weht durch ihre Seele wie der Hauch versengender Winde und verzehrt die edle Kraft. Brüder, der Inbegriff Kunst, füllt er nicht Euer Innerstes an mit seiner Heiligkeit Fülle? Und Euer Auge, das befleckte, glaubt Ihr, es werde' anschauen dürfen die Schönheit, wenn sie herabsteigt vom Himmel in ihrer klarheit in den Stunden der Ahnung, und die Fülle des Gesichts wie ein Lichtmeer den heilig-bebenden umwallt? In Eurem Busen schlägt die stimme Gottes, wie sie schlägt im Busen eines Künstlers? Ihr wollt mit unheiligen Händen den Schleier lüften vom Bilde der Isis und schaun die Urbilder, wie sie weben in Gott in wandelloser Schöne? Ihr Unreinen wolltet Priester sein der heiligen Kunst, die eine Verkündigerin ist der göttlichen Vollkommenheit? Nicht der geübte Meissel macht den Künstler. Der Drang von innen, der erklingt wie eine stimme von Gott, die heilig schaffende Kraft im vollen Busen, die brünstige Liebe des Ewigen und die geheimnisvolle Anschauung der Gotteit in ihrer Reinheit und Grösse! Wisst Ihr nichts von dem, so ist Eure Kunst nur ein Handwerk. Umsonst ist's dann, wenn ein Abbild Euch erscheint der unendlichen vollendeten Schönheit. Enteiligt ist Euer Auge; erloschen seine Kraft, und Ihr könnt das Göttliche nimmer erkennen im Menschlichen.
Und ich kann das, Teodor! Ich sag' es Dir in heissen Tränen: Ich kann das! Mein Busen ist keusch! Das Göttliche flieht mich nicht.
Atalanta, Du Schöne, Du reines unschuldiges keusches Kind, welch ein namenloses Etwas quillt mir aus Deinem Anschaun!
Kraft mit Kraft, Auge mit Auge, Liebe mit Liebe, Geist mit Geist, hinüberschwimmend, verloren in lauter Tiefe, in lauter Seele, lauter Himmel, zuckend und zitternd in Einem wie Kuss und Kuss, in einander lodernd wie Feuer und Feuer ... Bruder!
Phaeton an Teodor
Ich habe die Sakontala mit ihr gelesen. Teodor, zu sehen, wie die Tochter Kauschikas und der himmlischen Nymphe Menaka gleich einem jungen Blatte, das noch keine Hand berührte, gleich einem Diamanten, der ungefeilt in seinem Urlicht schimmert, die Liebliche, unter ihren Blumen wandelt, den zarten Schwestern ihrer Jugend, und unter den Gespielen, mit ihr zu Lieb und Blumenpflege verbunden, wann der blasse Mond noch über den weissen duftigen Bergen schwebt, die Morgenwolken wie junge Mädchenlippen im Osten dämmern, die Blumen der Nacht sich schliessen und der Pfau ins Tal herunterflattert von den dunkeln felsenhohen Gesträuchen; wie der Nachkomme Purus, der feurige Duschmanka, das Mädchen mit dem Gazellenauge schaut und glüht in Lieb' und Verlangen, und auch sie, die Zarte, dem schönen Drang des Herzens folgt; zu sehen, wie die holde Kranke, den balsamischen Ustra auf dem Busen und das Band von den Fasern der Wasserlilienstengel an den Armen, den Schwestern schüchtern ihr Gefühl gesteht, und die Liebenden zusammenfliessen in einer Umarmung, und die Hand des Mädchens wieder blüht wie ein junger Kamalatasprosse; wie die Schwangere nun da steht mit ihrer Morgengabe, und um sie die glückwünschende Schar der heiligen Frauen mit Körben geweihten Kornes, und sie unter Kannas Segen zum Palast des Bräutigams wandelt; ach, wie nun so plötzlich der Baum ihrer Hoffnung bricht, weil sie den Ring verlor im Teich, und der Fluch Durwasas waltet über dem Königshaus, und ihr Herr sich nimmer erinnert der jugendlichen Geliebten; wie's ihm nun klar wird zumal, seine Seele sich füllt mit Verzweiflung, und auf die Mauerhöhe, wo kaum blauhalsige Tauben flattern, der Führer tritt von Indras Wagen, und der König über regenschwere Wolken fährt, und helle Tropfen umher der Umkreis stiebt der Räder; wie auf dem Gebirge der Knabe den Löwen schleppt, seine Mähne zerzausend, und Duschmanka den unbändigen Knaben liebt; ach, und wie die trauernde Sakontala naht und wieder findet, die Junge, den Sohn ihres Herrn, der sie noch liebt, und das verbundene Paar sich umarmt vor dem Trone Kasyapas und Aditis! Tausendmal stockte mir die stimme, wie ich's las. Ich blickte Atalanten an, drückt' ihre Hand ...
Ihr Auge voll Geist und Seele weinte wie die liebende Sakontala, die zarte Blume des Ostens.
O, so ganz ein Glutauch der Liebe, dieses Lied! Eine Anmut, ein Lächeln und Weinen wie in e i n e m Auge, so selig und traurig, so voll von Gotteit, so ganz ein