Teodor, da war mir's, als wäre sie's, was ich geahnt, gewünscht; als hätt' ich nach ihr so oft geweint und mich vergeblich nächtelang gesehnt. Da war aller Missklang weg aus meiner Seele, und in meinem tiefsten inneren klang's: Nur sie, nur sie!
O, auch sie musst' es fühlen, wie mir's war in dieser Stunde. Denn sie blickte holderrötend nieder, so oft mein fieberschauernd Auge sie traf.
Die Sonne war hinunter, und Atalanta fragte: gehen wir nicht nach haus? Cäcilie lächelte und stand auf. Sie schwebten den Hügel hinunter. Wir Männer folgten.
Nun sprach man erst vom Amor. Cäcilie will ihn haben sobald als möglich, und auch Atalanta blickte mich lieblich bittend an. Morgen lässt sie ihn abholen, und ich gehe mit hinüber.
Erst wie die Gräfin Abschied nahm, fasst' ich sie fester ins Gesicht und sah ihr glühend schwärmerisches Auge. Wie liebt sie ihr zartes Kind, diese lebhaft ahnungsvolle Seele! Sie gingen auf den Wagen zu. Mein Busen klopfte. Ich glaubte, Atalanta kehre sich nimmer um; aber ich durfte sie noch einmal sehen, und mein Auge flog wie ein Pfeil zu ihr hinüber. Ach, wie mir war, als Katon ihr die Hand gab und die Liebliche in den Wagen schwang! Die andern folgten, und der Wagen rollte fort. Ich kehrte schwindelnd zu meiner Hütte.
Phaeton an Teodor
O Teodor, ich musste sie sehen, wenn ich nicht zu grund gehen sollte. Es schlief in meinem inneren wie im Stein die Flamme, wie der unsichtbare Keim in der Erde, der warmen allnährenden Mutter. heute hab ich einen wunderbaren Tag. Meinen Johannes sah ich nicht seit einigen Tagen. Ich rannte durch die Felder und wusste nichts von all dem, was mich umgab. Dann formt' ich wieder am Ton zu meiner Polyxena. Dann küsst' ich die Rosen an der Stirne Homers, die sie berührt mit ihren Fingern, und lesen mocht ich gar nicht. Ach, und morgen, morgen!
Phaeton an Teodor
Der Schlaf floh mein Auge. Ich durchwachte die halbe Nacht. Ihre zarte Seele schwebte über mir, lächelte mich an, bebte durch mein ganzes Wesen wie mit einem Kusse. Erst gegen Morgen sank ein leichter Schlummer auf mich herab wie ein zartes Taugewölk. Als ich meine Augen öffnete, war's lichter Tag. Ich hatte mich in seligen Träumen gewiegt.
Schon gestern Abend ward mein Amor hinübergetragen. Ich machte mich nun auch auf den Weg. In einer halben Stunde kam ich an einen waldigen Abhang. Der allein verdeckt das Schloss der Gräfin. Ich säh' es sonst von meinen Fenstern aus. Dort lebt sie, dort, die Zarte, Sinnige. Dieser Gedanke bebte zukkend durch mein Tiefinnerstes. Lange sass ich auf einem abgebrochenen Felsenstück und schaute stumm hinüber, und Gott weiss, was ich mir dachte.
Ich stand vor dem Schloss und wusste nicht, wie ich hinkam. Mir war's, als stünd' ich mitten in der Welt der Griechen. Zwei Gebäude traten mir ins Auge. Zwischen dem Hellgrün schlanker Akazien und wilden hohen Rosengebüschen ragte wie eine Ruine ein altscheinendes Häuschen empor mit roten Steinen, und ringsum trugen graue Säulen des Daches niedre Wölbung. Alte moosumwachsne Marmorblöcke, zerbrochne Architrave lagen unter dem jungen frischen Baumgezweig, und am Eingang vornen stand zu jeder Seite die Statue eines griechischen Weisen. Ihm gegenüber war ein Haus von heitrem schönem Geist; von allen Seiten war es frei, und eine edle rührende Einfalt schien jeden Stein an den andern gefügt zu haben.
Ich fühlte die ganze Bedeutung des wunderbaren Gegensatzes. Das Alter ruhte freundlich neben der Jugend, und die Vergangenheit lag hold der Gegenwart am Busen. Ich ging an der Statue vorbei mit einem geheimen ehrfurchtsvollen Schauer und öffnete eine Tür. Katon stand vor mir.
Grüss Dich Gott! rief er. Wie gefällt es Dir bei uns? Ich wusst' ihm nichts zu antworten und deutete nur mit einem schmerzlich wehmütigen blick auf die Arabesken, die oben an dem grauen dunkeln Getäfer in seltsamen Gestalten hingen. Da schlangen sich geflügelte Liebesgötter um die Blumen wie Brüder. Hier lag ein schöner Knabe und las die schwellenden Früchte auf, die ein noch schönerer aus einem Füllhorn goss. Da schlang einer ein Band um die Mähne eines Löwen. Und dort schüttelt' ein anderer mit schalkhaftem Lächeln einen Köcher. Wo bin ich, seufzt' ich leise. Katon antwortete: Lieber, Du bist bei uns!
Ach, wie mir's war in dieser Umgebung! Das Licht brach nur in matten Strahlen durch das Akazienlaub am Fenster und warf einen ungewissen halbdunkeln Schein auf die antiken Bilder und die griechischen Inschriften an den dunkeln Wänden. Da schien jeder Hauch mir heilig zu sein, und die Brust schwoll ahnend in Betrachtung all der Fülle von Einfalt und stiller Grösse.
Bald ergriff mich Katon an der Hand, führte mich schweigend wieder hinaus und ging mit mir auf das schöne freundliche Gebäude zu. Da wohnt Cäcilie, sagt' er, und Atalanta! Mir war's, als sollt' ich in das Heiligtum der Ordnung und der Schönheit treten. Den Eingang zierten ein Paar schlanke Säulen. Ein verwelkter Kranz lag an der Vase der einen. Mit jedem Tritte ward ich feierlicher gestimmt.
Da standen wir vor einer weissen tür. Katon öffnete sie, und – mir raubte das Entzücken