dass sie Ihnen angenehmer verfliesse." Ich wusste ihr für ihre Nachsicht keinen Dank, denn ich hatte mir es mit hülfe der Miss Arnold nun einmal in den Kopf gesetzt, dass sie kein Recht habe, mich zu meistern; allein ihr Wesen war bei dieser Bitte so mild, so einnehmend, dass ich höflich ihrer Einladung zu folgen versprach. Nach dem Frühstück, als Miss Arnold, einige Kaufläden zu besuchen, in die Stadt fuhr, forderte mich Miss Mortimer zu einem Spaziergang auf. Nach der Richtung des weges, den sie einschlug, erriet ich sogleich, dass sie mich zu der Hütte der Frau führte, welche meine Torheit gestern in so augenscheinliche Lebensgefahr gebracht hatte; nur die Schaam hielt mich ab, auf der Stelle umzukehren, und mit einer bittern Empfindung, mich von einer Tugendlehre bedroht zu sehen, trat ich in das Haus. Ich fand es nicht ärmlich noch trostbedürftig; einige Bücher, reinliches Gerät, die grösste Sauberkeit zeugten von einem geordneten hinreichenden Hausstand. Meine Begleiterin unterhielt sich mit der Matrone, die am Feuerheerd mit Spinnen beschäftigt war; und um meine Verlegenheit zu verbergen, nahm ich die Liebkosungen eines Windspiels an, das bequem auf einem gepolsterten Stuhl der Hausfrau gegenüber gelegen, bald nach unserm Eintritt herabgesprungen war und sich mir genaht hatte. Anfangs beschnupperte es mich nachdenklich, blickte mich an, wedelte mit dem Schwanz, dann setzte es seine Vorderfüsse auf meine Knie und gab seine herzliche Freude zu verstehen. Mir selbst schien das Tier auch nicht unbekannt, ich freute mich seiner Freundlichkeit, die auch von den beiden Frauen bemerkt ward. "Ich habe Ihnen Miss Percy mitgebracht", sprach jetzt Miss Mortimer, zu der Alten gewendet. Diese rief aber mit freudigem Erstaunen: Miss Percy? O da hat das treue Tier die Tochter seiner Herrin besser wiedererkannt, wie ich! – Guter Fidele, du sahst sie doch auch nicht mehr seit ... Hier verstummte ihre stimme in Tränen, und bei dem Namen meiner Mutter zu wärmern Gefühlen erwacht, fragte ich nun mit Teilnahme nach der Bewandniss, die es mit diesem Hunde hätte, dessen ich mich von der letzten Lebenszeit meiner Mutter her jetzt wieder entsann. Frau Wells, die Bewohnerin dieser Hütte, war einst von der geliebten Verklärten, die ihre wohltätigen Handlungen mit reiner evangelischer Demut der Welt entzog, aus der bittersten Armut gerettet worden. Sie hatte ihr Arbeit verschafft, sie hatte wöchentlich mehreremale einige Stunden in ihrer Hütte zugebracht, um ihren Töchtern Kleider machen und Tamburstickerei zu lehren; und so hatten diese drei Menschen es ihr zu danken, dass ihnen der Segen des Fleisses ein hinreichendes Auskommen verschaffte. Fidele war von meiner Mutter in ihrem letzten Lebensjahr als ein besonders schönes ganz junges Tierchen angenommen worden; ich erinnerte mich, wie er, vielleicht durch Einwirkung der Stille ihres Krankenzimmers und ihrer steten sanften Gegenwart, schon damals wegen seiner leisen Sprünge und milden Lustigkeit bewundert ward. Dennoch setzte ich mir es in den Kopf, mich vor dem beweglichen geschöpf zu fürchten, was meinem Vater, dem mein Geschrei bei seinem Anblick verhasst war, nach meiner Mutter Tod bewog, ihn zu entfernen. In der überzeugung, ihn am besten bei der Frau Wells zu versorgen, deren anhänglichkeit an die Verewigte ihm bekannt war, ward Fidele ihr übergeben, und die Liebe, mit der sie ihn gepflegt hatte, bewies, wie teuer meiner Mutter Andenken ihr war. Ich hörte mit Beschämung ihrer Erzählung zu. Wie erschien ich dieser Frau neben dem, was meine Mutter für sie getan hatte! Mir ward das Herz nicht leichter, wie wir bald darauf den Heimweg antraten, sondern mein Gefühl trieb mich, unter dem Vorwand, mein Taschentuch vergessen zu haben, zurückzugehen und Frau Wells, indem ich ihr meinen Geldbeutel anbot, schüchtern um die Rückgabe des Hundes zu bitten. Sie gestand mir ein Recht auf Fidele, als ehemaliges Eigentum meiner Mutter, zu und versprach ihn mir durch ihre Tochter zu senden, allein mein Geld wies sie zu meiner grossen Beschämung zurück.
Wie ich wieder zu Miss Mortimer zurückkam, machte sie einige Bemerkungen über die Verdienste meiner Mutter, die ich fühllos genug gewesen wäre, in einem andern Augenblick als einen stillschweigenden Vorwurf meines Unwerts übelzunehmen, in diesem Moment war aber die schlimme Rinde meines Herzens gespalten, ich hörte sie mit Seufzen an, bat sie aber nach wenigen Minuten, mich heute nicht weiter mit diesen Gegenständen zu unterhalten, weil sie mich schon ganz trübsinnig gemacht hätten. Vielleicht würde der wehmütig verwundernde blick meiner würdigen Begleiterin noch länger auf meinem Antlitz geruht haben, hätte nicht Herr Maitland, der eben an dem Gartenhag abstieg, unsre Unterredung unterbrochen. Er wollte sich auch nach dem Befinden der Frau Wells erkundigen; wie er aber hörte, dass ihr Unfall ohne alle Folgen geblieben sei, gab er sein Pferd seinem Reitknecht und begleitete uns, oder vielmehr Miss Mortimer – denn mit mir sprach er nur grade so viel, wie die Höflichkeit aufs strengste fordern kann – nach haus. Mein Vater stand an der tür des Parks; so wie Herr Maitland sich nahte, kam er ihm einige Schritte entgegen, reichte ihm die Hand und bewillkommte ihn mit einer achtung, die ich ihn noch gegen Niemand bezeigen sah. Noch erstaunter, wie über diese Begrüssung, hörte ich, dass er ihn zum Mittagessen einlud, welches Herr Maitland auch nach einiger Weigerung annahm. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, ob ich während der Mahlzeit auf seine gespräche im geringsten gemerkt