Pfand ihres zurückgekehrten Bewusstseins. Kaum nahm ich mir die Zeit, das Kind zu beruhigen, die Wärterin an ihr Bett zu setzen, dann flog ich zu Herrn Boswell, ihm die beglückende Nachricht zu bringen. Er war in seinem Ankleidezimmer, ich trat ein und erzählte – ich weiss nicht wie. – Gott sei Dank! rief er, und vermochte nicht mehr, sondern brach in Tränen aus; dann segnete er mich dafür, dass ich sein Kind gerettet, wie er meinte, und dann eilte er mit mir aus dem Zimmer, die Genesende zu sehen. Bei unserm Austritt aus seiner Tür begegneten wir Mistriss Boswell, die, bleich vor Wut, sich nicht entblödete, meinen Besuch in ihres Gatten Zimmer auf das pöbelhafteste zu erklären. Ich rief, nicht zornig, aber erstarrt vor dem Misston zwischen des Vaters Dankgebet und der Mutter Lästerung: "Weib, ich meldete Deinem Gatten, dass Gott Euer Kind errettet hat." – Was sie aber antwortete, vernahm ich nicht, ich verstand nur, dass sie mir augenblicklich ihr Haus zu verlassen gebot. Hier verliess Herrn Boswell die angewohnte Schlaffheit seines Betragens, um einem Anfall von unwürdiger Heftigkeit Platz zu machen; er fasste seiner Gattin Arm, rief einige donnernde Worte, die ich mir nicht erinnre, warf sie zur Seite und eilte in der Kranken Gemach. – Die Frau erregte mein inniges Mitleid, aber meine Kräfte sanken so schnell, dass ich nicht, was ich gern wollte, ihr zu sagen im stand war. Ich gehe, ich gehe, gleich gehe ich, sprach ich stammelnd, wankte nach meinem Zimmer und sank ohne Besinnung zu Boden.
Eine sonderbare Betäubung bemächtigte sich nun meiner. Schwarze Schatten, von blutroten Lichtstreifen durchkreuzt, schwammen vor meinem blick, abscheuliche Gespenster wimmelten um mich her, und eines von ihnen, das scheusslichste, legte seine glühende Hand an meine Stirn. Dann folgte eine dunkle Hoffnung, dass alles nur ein schrecklicher Traum sei, aus dem ich bald erwachen würde, ich strebte mich aufzurichten, diesen Traum abzuschütteln – doch plötzlich sah ich mich am Rand eines Abgrunds liegen und musste froh sein, mich fest an die glühenden Felsen schmiegen, jede Bewegung, bei deren geringster ich notwendig herabstürzen musste, zu vermeiden. Doch noch einmal war ich mir bewusst, dass diese Schrecken nur in Täuschung beständen. Ich glaubte mein Zimmer zu erkennen, ich war mir bewusst, dass es bestimmte Gegenstände gäbe, an die ich denken sollte; doch, anstatt sie zu finden, drängten Larven und Töne sich um mich, und der Gedanke, den Verstand verloren zu haben, schnitt furchtbar durch mein Gehirn. Nach einer Zeit, die ich nicht ermessen konnte, glaubte ich eine Gestalt sich mir nahen zu sehen, die ich für meine Mutter oder Miss Mortimer hielt. Ich rief sie, sie nahte sich mir, ergriff mich aber unsanft, hüllte mich in ein rauhes dunkles Gewand, das ich für mein Leichentuch hielt, und übergab mich zwei finstern Gespenstern, die mich auf ein Rad legten, das sich im Wirbel umherdrehte, bis ich alles Gefühl und Bewusstsein des Schmerzes selbst verlierend, dem Elend dahingegeben war.
Der erste Eindruck, von dem ich mir wieder Rechenschaft zu geben vermochte, war der Ton rauher, missklingender Stimmen, die mich aus einem tiefen, schweren Schlummer zu wecken schienen. Ich öffnete meine Augen und befand mich in dichter Finsterniss. Mühselig hob ich mein Haupt empor und empfand eine scharfe Nachtluft, die in ein kleines Fenster zu meinen Füssen, doch hoch an der Wand, hereinströmte. Die Nacht war dunkel, doch unterschied ich endlich, dass es mit eisernen Gittern verwahrt sei. "Bin ich denn in einem gefängnis?" fragte ich mich bestürzt? aber Schwäche senkte mein Haupt wieder nieder und ich dachte: "mag es auch ein gefängnis sein! für die wenigen Momente, die ich noch zu leben habe, ist das einerlei. "Ich schloss meine Augen und meine noch immer trüben Gedanken erhoben sich sehnsuchtsvoll zu der Welt, die mir in glücklichen Tagen so fremd war und mit der mich auch die Prüfung des Unglücks noch wenig vertraut gemacht hatte. Nicht lange so vernahm ich eine weibliche stimme, die im Ton der sanftesten Klage zu singen begann; dann lebhafter fortfahrend, unglückliche Liebe besang, bis sie von einer ersterbenden Cadenz zum Gesprächston übergehend, in unzusammenhängenden Reden die Verwirrung ihrer Begriffe offenbarte, und sich selbst in die wildeste Heftigkeit hinein schwatzend, in die stille Nacht hinein rief. Endlich schien der Ton einer fernen Glocke ihre wandernden Gedanken in einen bestimmten Jammer zusammen zu fassen; denn sie rief ängstlich: sie läuten, sie läuten! und verstummte in herzbrechendem Schluchzen. – In einem Tollhaus! sagte ich mit selbst und mein Blut erstarrte vor Schrecken; aber er dauerte nur einen Moment. Und wenn auch? jenseits der Pforte an der ich stehe, ist der Verrückte und der tiefste Philosoph seiner Fesseln entledigt. – O wär ich ihr wirklich so nahe gewesen dieser Pforte, welche beschämende Rechenschaft hätte ich dem Hausherrn von dem Geschäft, das er mir übertragen, geben müssen! Heil, dass seine Welt so gross ist, um jedem Schüler Hoffnung zu geben, dass er in ihr irgendwo Raum zur Belehrung, zur Besserung finden werde! Doch in diesem Augenblick wurden mir diese Betrachtungen nicht klar; mein Geist war mit meinem Körper so geschwächt, dass meine Todeserwartung sehr bald in tiefen, aber dieses Mal in einen