paar andre ungewöhnlichere Kunstgriffe hinzu: Sie hielt ihr Taschentuch fleissig vor die Augen, als suche sie Tränen zu stillen, und verweigerte jede Speise mit einem Ausdruck von Ekel, der uns armen gesunden Leuten unsre Esslust, als die roheste Befriedigung eines schlechten Bedürfnisses, vorwarf. Was an ihren Tränen sei, erfuhr ich sehr bald; denn da sie bald wahrnahm, dass mich ihr Spiel nicht täuschte, ersparte sie sich die Mühe, es in meiner Gegenwart fortzusetzen und nahm es nur bei Herrn Boswells Eintritt wieder vor. Ob aber der Zorn nicht wirklich ihre Esslust verdorben, blieb mir eine Zeitlang zweifelhaft. Nach einigen Tagen, in denen der beängstigte Ehemann jedes Mittel, ihr Rede abzugewinnen und durch die niedlichsten, ihr heimlich zubereiteten Leckerbissen ihre Esslust zu reizen vergeblich versucht hatte, kam er auf den Einfall, bei einem Zuckerbäcker in eigner person eine Auswahl der zierlichsten Waaren zu kaufen. Er kannte seiner Gattin Vorliebe für solche Näschereien, suchte sie deshalb, schwer bepackt, mit einigem Selbstvertrauen in ihrem Ankleidezimmer auf, und neben ihm schlüpfte Fidel, weil er mich darin witterte, herein. Mit der schmeichelhaftesten Einladung häufte der gutmütige Gatte überzuckerte Pomeranzenschalen, Quittenschnitze und Zuckerbrötchen vor seiner Herrin aus. Ich war auf dem Punct, über die grossen Kinder, die sich durch Bonbon versöhnen wollten, zu lachen, als Fidel unter einem Tischumhang ein tüchtiges Stück Rinderbraten hervorzog, den die Dame wahrscheinlich bei meinem Eintritt dahin geflüchtet gehabt hatte. Nun vermochte ich nicht mehr das lachen zu unterdrücken. Doch die Bosheit des einen, die Schwäche des andern Teils war mir zu verächtlich, um meinen Zögling davon Zeuge sein zu lassen; ich nahm Jessy bei der Hand, um sie aus dem Zimmer zu führen, als ich Mistriss Boswell den Feuerhaken ergreifen sah, um den armen Fidel, der seine Beute auf meinen Befehl sogleich hatte fahren lassen, damit zu verfolgen. Hier verliess mich meine Fassung. Ich ergriff ihren Arm und sagte strenge: Mistriss Boswell, erniedrigen Sie sich nicht selbst! – So wütend sie war, wirkte doch meine entschlossene Bewegung; sie senkte den Arm und liess den Hund unverletzt mit mir das Zimmer verlassen. Von diesem Augenblick an war aber das arme Tier der Gegenstand ihrer Verfolgung; sie verjagte ihn, wo er ihr begegnen mochte, und gab mir durch die Herzlosigkeit, mit der sie ihn aus dem Zimmer stiess, manchen Stich ins Herz. In meinen Verhältnissen ward mir die notwendigkeit klar, diesen Gegenstand des Aergernisses zu entfernen; aber mein Stolz widersetzte sich so gut wie mein Gefühl, ich fand eine knechtische Nachgiebigkeit darin, meinen treuen Kindheitsgefährten einer unbilligen leidenschaft zu opfern. – Doch bald zog der arme Fidel selbst sein Schicksal herbei Eines tages unterstand er sich, vor der Tür des Esszimmers zu liegen und seine ehrlichen Vorderpfoten der daher schreitenden Mistriss Boswell recht eigentlich zum Opfer zu bieten. Sie benutzte seine Stellung, trat ihm unbarmherzig auf dieselben, und Fidel biss sie sehr unsanft ins Bein. Ihr Geschrei übertraf ihren Schmerz und die Wichtigkeit der Wunde; aber von nun an war ihr Ansuchen, den Hund aus dem haus zu schaffen, gerecht, und ich dachte mit widerspenstig schwerem Herzen darauf, mich darein zu fügen. Ich wusste keine Zuflucht für ihn, wie Cecilens arme Behausung; von ihr allein konnte ich einige Güte für meinen alten Gespielen hoffen, wenigstens bis zu ihrer Abreise ins Hochland war er bei ihr versorgt, und weiter, wie auf die nächste Zukunft, wagte ich nicht mehr zu denken. Wollte meine jugendliche Fantasie ihren Flug weiter wagen, so stieg die Erinnerung aller meiner zertrümmerten Aussichten vor mir auf, und statt zu Planen und Hoffnungen, schwang sich mein Geist auf ihren Fittigen im Gebet zu dem einzigen Beschützer, von dem ich hülfe zu erwarten hatte, empor. Ich schickte mich den nächsten Morgen an, meinen armen Liebling zu Cecile Graham zu führen. Jessy, welche meine Absicht auszugehen bemerkte, bat, mich begleiten zu dürfen, und da ihr wiederholtes Verlangen nicht bei mir fruchtete, geriet sie, was ihr jetzt selten und gegen mich seit langer Zeit gar nicht mehr geschehen war, in einen der Anfälle von lautem Weinen, das ihr die Gewährung ihrer Bitten, von Seiten ihrer Mutter, zu verschaffen pflegte. Auch dieses Mal erreichte sie ihren Zweck; denn obgleich ich Mistriss Boswell einige Gegenvorstellungen machte, erteilte ihr diese doch die erlaubnis, mit mir zu gehen. Der Mutter stand es zu, über ihr Kind zu verfügen, ich war daher im Begriff, mich mit Jessy auf den Weg zu machen, als mir Fidel, die Veranlassung dieser ganzen Begebenheit, fehlte. Seine Abwesenheit war so etwas seltnes, dass Bediente und Köchin mit mir suchten und riefen; um aber Jessy's Ungeduld zu vermeiden, beschloss ich für's erste Cecilen ihren neuen Kostgänger anzukündigen, worauf sie ihn selbst abholen konnte, und liess ihn zurück. Bei meiner Ankunft an der Tür meiner guten Hochländerin ward ich schmerzlich überrascht, diese offen und die ganze ärmliche wohnung leer und verödet zu finden. Mir schien es unbegreiflich, wie sie hatte, ohne Abschied von mir zu nehmen, die Stadt verlassen können; es musste mir als einen Beweis ihrer geringen anhänglichkeit an mich gelten, weshalb ich mit tränenden Augen in den beräucherten engen Mauern umhersah, von denen ich mir, wie ich nun glaubte, fälschlich eingebildet hatte, dass sie ein, mir ergebnes Wesen bewohnt hätte. Um doch einige Nachricht von Cecilens Schicksal zu erhalten