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besass, Haferkuchen zu kneten, denn ihr Tisch lag so voll von den verschiedensten Dingen, dass sie darauf keinen Platz hatte. Bei meinem Eintritt warf sie den Teig bei Seite, zog einen zerrissnen Strumpf von einem quer über die stube gezognen Strick, stäubte damit den Stuhl ab und bat mich, zu sitzen. Ich entschuldigte mich, dass ich sie störte. "O das tut gar nichts!" rief sie, "ich bin gewiss, Sie bringen immer Glück, und ich dachte schon, ich würde Sie nie wiedersehen." – "Warum besuchtet Ihr mich nicht?" fragte ich. – "Ja, Lady, ich war an Ihrer Tür eines tages, wo man sagte, Sie wären ausgegangen; ich kam dann zwei oder dreimal wieder hin und setzte mich mit den Kindern auf die Stufen und meinte immer, Sie sollten aus der Tür tretenaber es ward mir nicht so gut." – "Warum liesst Ihr mich nicht rufen?" – "Liebe Lady", sagte Cecile mit einem Lächeln stolzer Demut, "die Leute hätten Wunder denken können, warum ich Sie sprechen wollte. Aber viel habe ich an Sie gedacht. Man sagt: 'des Fremdlings Odem ist kalt'; aber gewiss, Sie können mir glauben, mein Herz ist für Sie warm gewesen, seit ich Sie zuerst sah." – "Ich glaube es, Cecile; es gibt nicht viele Herzen, wie das Eure." – "Das letzte Mal, wie ich Euch sah, Lady, wart Ihr bleich wie ein Schneeglöckchen, so dass ich meinte, es könne Euch ein böser blick getroffen haben." – "Verdirbt ein böser blick andrer Haut, als dessen, der ihn haben mag?" fragte ich ungläubig. – "Ein böser blick kann einen Stein spalten, sagt man in Glen Eredine", antwortete mit ernstem Kopfschütteln Cecile. "Wenn Sie es aber annehmen wollten, so hätte ich wohl etwas, das Sie gegen alles Unheil schützen könnte." Sie suchte nun lange in ihrem Bettstroh und fand endlich etwas, das ungefähr wie ein Feuerstein aussah. "Wenn Sie dieses in Ihren Unterrocksbund nähen wollen", sagte sie mir ihn darreichend, "kann Niemand Ihnen mehr schaden." – "Dank, liebe Cecile! aber wenn ich Euch den Schatz nehme, kann er Euch ja fehlen." – "O mein Herzblättchen!" (Kalb meines Herzens, ist der Gaelische Ausdruck) rief Cecile innig, "es ist meine Pflicht, alles für Euch zu tun, und gewährt mir Gott erst, wieder nach Glen Eredine zu kommen, so werde ich vielleicht mehr können." Ich musste innerlich lachen über den Stellvertreter der Vorsehung, mit dem mich diese gute Seele beschenkt hatte, dachte aber doch, dass er immer so wirksam, wie jede andre menschliche Weisheit, zu wirken vermöchte; da aber ein Versuch, Cecilens Aberglauben zu bestreiten, ihr Vertrauen zu mir hätte erschüttern können, nahm ich ihren "Elfen-Pfeil", wie sie den Stein nannte, dankbar auf, und fragte sie dagegen, wenn sie nach ihrer Heimat abzureisen gedächte. – "Ich weiss nicht", antwortete sie seufzend, "das Wetter ist klar und schön, und ich sehne mich nach Haus; aber ... sehen Sie ... ich fürchte, es möchte Jemmy nicht lieb sein, wenn er mich in Eredine wüsste." – "Wie wäre das möglich?" – "Ich weiss nicht", antwortete sie halb lächelnd und blickte vor sich hin, dann tief seufzend und an ihrem Schürzenband drehend, "sehen Sie, Lady, ich habe einen Freund in Glen Eredine, ich ... ich ..." – "Um so besser, Cecile, das kann Euch nicht vom Nachhausegehen abhalten." – "Ja, ich will sagen ... einen Junggesellen, ... den ich hätte freien sollen, wenn es also beschlossen gewesen wäre." Nun seufzte sie wieder. – "Sollte Euch Euer Mann nicht trauen, Cecile?" – Augenblicklich war ihre Verlegenheit verschwunden, sie sah mir fest in's Gesicht und sagte: "Nein, Lady, so schlecht werde ich nimmermehr von ihm denken, so verkehrt ist er nicht. Aber er könnte meinen, dort würde mir das Herz schwer sein, so lange er so weit weg istdenn leider ist der arme Junge nie mehr recht bei sich, seitdem der Vater mich dem Jemmy zur Frau gabach er will sich nicht abwehren lassen, immer nach mir zu sehen und mit dem kleinen Kennet da (ihrem Knaben) zu spielen und unsre Kühe Abends nach haus zu treiben, und seit der Vater starb, lässt er sich nicht hindern, meiner Mutter den Torf zu stechen, obgleich ich nie mehr ein Wort zu ihm sprach, weder Gutes noch Böses, seit dem Tag ..." – Hier fuhr sie mit ihrem Aermel über ihre Augen und setzte dann leise hinzu: "Nun, es war Gottes Wille, und der führt alles zum Besten." – "Aber wart Ihr denn nicht ein bischen harterzig, dass Ihr so einen treuen Liebhaber verliesst?" – "O Gott, Lady, was konnte ich tun? Ich sah wohl, dass er nicht für mich passe. Seine Eltern sind nur Fremde, mit Erlaub, und ich, wenn