hätte, wolle er behalten.' – 'Wenn Du's im stand bist!' sagte Herr Heinrich, und Neil schlug vor, es sollten die fünf Erediner sich fünf seiner Leute aussuchen und mit ihnen kämpfen. 'Topp!' rief Herr Heinrich, 'ich wähle Dich, und Schmach dem Erediner, der nicht den stärksten Feind wählt!' – O Lady, wenn Sie hörten, was Donald von diesem Kampf sagt, das Blut würde in Ihren Adern erstarren! Herr Heinrich hielt sich so tapfer, dass Neil, ungeduldig, dem Ding gar kein Ende zu sehen, seinen Dolch zog, um ihn in unsers lieben Lammes gutes Herz zu stossen; doch er fuhr ihm nur ganz leicht in den Arm. Wie aber Donald ihn bluten sah, liess er seinen Gegner, sprang dem Neil an die Kehle und würgte ihn mit beiden Händen, bis er den Dolch fallen liess, wobei Calum Dubh immer auf ihn losschlug, wie auf eine Korngarbe; allein daran kehrte Donald sich nicht, bis Herr Heinrich aus Edelmut ihm befahl, ihn loszulassen, wobei er ihm mit eigner Hand vom Boden aufhalf und den Dolch so weit fort in die Haide hineinwarf, dass ihn niemand mehr fand. Die beiden andern Alpiner lagen am Boden, die Erediner hatten also gewonnen und eilten zu dem Vieh. Der eine rief: Lady Eredine! der andre: Duh Voiach (schwarze Schöne), und die guten Tiere erkannten ihre Stimmen und sprangen ihnen nach. Aber Herr Henry suchte zuerst Janet Donalachs Kuh heraus, weil sie einer witwe gehörte und vier Kinderchen von ihr ernährt wurden, aber alle andre kamen auch nach Haus, Huf und Horn, wie Herr Heinrich zugesagt hatte, und keiner der Alpiner durfte sich rühren, denn Neil hatte versprochen, nur fünf gegen fünf sollten kämpfen."
"Aber, Cecile, was hat denn das mit Herrn Heinrichs Verbannung aus der Heimat zu tun?" – "Das? ei nun! die Südlands-Sherifs, die sich in alles mischen zu müssen glauben, so dass sie den Distelflocken nachspüren, wohin sie der Wind trägt, meinten, dass es auch zu ihrem Amt gehöre, zu fragen, warum die Alpiner mit Glen Eredine gefochten. Da mussten die roten Soldaten Neil Roy und Calum Dubh beim Kopf nehmen, und die wurden auf Stirling Castle gebracht, und nun hiess es, man würde Herrn Heinrich auch abholen. Lady Eredine hatte aber immer gewünscht, dieser solle fremde Länder bereisen; da lag sie dem Lord so lange an, bis er es erlaubte. Um nun nicht schwören zu müssen und damit Menschenleben zu wagen, verliess Herr Heinrich lieber Freunde und Mitgeborne und Alle, die gern den Boden geküsst hätten, wo sein Fuss geschritten. O wehe mir! entweder erinnre ich mich noch des tages, oder ich habe mir's so lange erzählen lassen, bis mir zu Sinn geworden ist, als hätte ich's gesehen: denn mir ist's, als wüsste ich's noch, wie meine Mutter mich auf ihre arme nahm und das Tal hinab ihn begleitete; Jung und Alt ging mit ihm, und der Pfeifer voraus spielte das Klaglied. Keiner konnte sprechen, meine Mutter konnte ihm kein Lebewohl sagen, sie ging und ging, bis sie nicht mehr fortkonnte, und dann sah sie ihm nach und segnete ihn und weinte. Und die Säuglinge, die diesen Tag auf den Armen getragen wurden, waren, wie er das erste Mal wieder nach Glen Eredine zurückkehrte, schon auf den Beinen und liefen ihm auf eben dem Wege mit Freuderuf entgegen." – "Was ward denn mit den beiden Gefangenen?" – "Loslassen mussten sie die. Meinen Sie, ein echter Schotte würde schwören, damit ein Südländer-Sherif sein Mütchen kühlen möge? Zwei Erediner versteckten sich lange, um dem zeugnis zu entgehen, Donald und Duncan Bane antworteten so listig, dass der Südländer nichts daraus machen konnte. Da ward Neil frei, und in derselben Nacht – was aber, wie Donald sagte, kein wackrer Erediner guteissen konnte, – trieb er vier von des Sherifs eignen Kühen in Glen Eredines Triften, um Herrn Heinrich damit zu ehren, aber der alte Laird schickte sie zurück, als haben sie sich allein dahin verlaufen."
Diese Erzählung und zwanzig andre, in welchen Herr Henry immer als Held auftrat, vermehrten meine Teilnahme an einem Volksstamm, dessen Charakter durch zwanzigjährige Unterdrückung seine Hauptzüge noch beibehalten hatte. Man entriss ihm seine Volkstracht, man nahm ihm seine Waffen, die ihm als Schmuck und Wehr gleich teuer waren, – ist es zu verwundern, wenn diese beeinträchtigten Menschen ihre Sicherheit in der Flucht, ihre Stärke im Betrug suchten?
Doch der sorgenvolle arme ist selten sehr neugierig, und wie teilnehmend ich auch Cecilens geschichte anhörte, war mein Geist doch noch lebhafter mit der mir drohenden Not beschäftigt. Ich hatte schon eine, für meine gänzlich erschöpfte Baarschaft, sehr ansehnliche Summe daran gewendet, in öffentlichen Blättern meine Dienste als Lehrerin der Jugend anzubieten. Wahrscheinlich schenkten die Edinburger einer unbekannten Fremden kein Vertrauen. Mein Versuch blieb ohne Erfolg; nun entschloss ich mich zu dem schwersten Schritt, zu dem bis jetzt die Not mich genötigt, ich sammelte mir aus den Zeitungen die Anzeige der verschiednen weiblichen Lehranstalten der Stadt und ging eines Morgens im kalten Winterfroste aus, von Haus zu Haus meine Dienste anzubieten. In dem einen waren die Lehrerinnen schon überzählig, in