– "Ich danke, Cecile, ich habe aber keine Aussicht dazu." – "Das können Sie nicht sagen. War doch Lady Eredine selbst – mit Erlaub – nichts Bessers, als eine Südländerin." – Ich musste lachen, denn Cecile sagte ihr "Erlaub" nur, wenn sie etwas Unanständiges zu entschuldigen zu haben glaubte. – "Wie kam der Lord zu so einer Frau?" fragte ich. – "Es war des himmels Wille: er konnte, sie nicht lassen, und Herrn Kennet ist's, wenn er leben bleibt, wie's Gott gefallen möge! auch vorbehalten, eine Landsmännin von Ihnen zu freien." – "Habt Ihr Ahnungen, Cecile, dass Ihr wisst, was Herrn Kennet bevorsteht?" – "Nein, Lady, ich sah nie etwas Ungewöhnliches; aber wir haben in unsrer Gegend einen Spruch, der sagt: 'Eine Rehkuh, die aus der Fremde kam, das beste Lager in Glen Eredine nahm', und der weiseste Mann in Killifoildich, und das ist Donald Macjan, sagte mir, die schönste Sachsen-Blume würde in der Halle von Castell Eredine grünen und blühen." – "Das ist eine hübsche Weissagung. Da sollte ich lieber gleich nach Eredine gehen, mein Glück zu versuchen." – "Darüber ist gar nicht zu lachen", fuhr Cecile ernstaft fort. "Niemand weiss, wo ihm sein Glück blühen wird. Herr Henry selbst könnte Sie wählen, wenn er wüsste, welche gute Dame Sie sind." – Dieser Herr Heinrich aber war Cecilens Held; sie räumte zwar Herrn Kennet, als dem ältesten Sohn, die erste Stelle in ihrer Ehrerbietung ein, allein ihre herzliche Liebe war Heinrich geweiht. Sie hatte mir so viel von ihm, seiner fröhlichen Kindheit, seinem Mut, seiner Abhärtung auf Jagd, bei Seestürmen und allen Gefahren erzählt, dass er mir wie ein alter Bekannter vorkam, und ich, auf Cecilens Wort, alles Gute und Grosse von ihm erwartete. Allein dieser ihr Abgott besuchte seine Heimat nur zufällig und verstohlen. Die Ursache, warum ein Bergschotte, dem das Feuer seines eignen Heerdes flammte, dem ein betagter Vater jedesmal mit sehnsucht entgegen sah, in der Fremde lebte, wollte mir Cecile anfangs nicht deutlich erzählen; wie sie aber meine Teilnahme an ihrem jungen Laird gehörig erprobt zu haben glaubte, gab sie mir folgenden Bericht.
"In der Michaelsmesse mag es gegen zwanzig Jahr sein", erzählte sie, "als Leute vom Clan Alpine, der, mit Erlaub, nicht viel taugte, die Kühe von Glen Eredine hinwegtrieben, alle, sogar Lady Eredines eigne Kuh, die nach der Lady selbst Lady Eredine hiess. Sie können denken, ob die Erediner das ruhig mit ansahen. Herr Kennet hielt sich des Studirens wegen in der Stadt auf, deshalb war's nicht seine Schuld, dass er nicht für uns focht, aber Herr Henry, er sollte eben auch dahin abgehen, der bat so lange und so dringend, dass ihm der Lord endlich seinen Willen liess. Donald Macjan stand beim Abschied zunächst an des Lairds Lehnstuhl: 'Knabe', sagte er und legte seine Hand auf Henry's Kopf, 'du wirst Glen Eredine keine Schande machen und nicht mit leeren Händen heimkehren.' Dabei wandte er Donald einen blick zu, als wollte er sagen: 'Du bleibst ihm zur Seite'; und Donald sagte mir, ihm habe sein Herz hoch geschlagen, und er habe gedacht: zu kleinen Stückchen sollen sie mich hacken, ehe ich einen Zoll von ihm weiche. – Da zogen sie aus: Donald und noch drei, weil Herr Henry sagte, er wolle nur, was er brauche, denn so klug war er, wenn gleich fast noch ein Kind. Er zog nun der Spur des Viehes nach, durch Moor und Haide, wie ein gemachter Mann nur gekonnt hätte. Augen hatte er, wie ein Adler, und machte den ganzen Tag keine Rast, auch nur, um einen Bissen Brod in den Mund zu stecken, obschon seine Zähne damals länger waren, wie sein Bart; Nachts wickelte er sich in seinen Plaid und legte sich mit den Andern auf den Boden, wie es mancher wackre Laird tat, als die Gastöfe und Kutschen und dergleichen Hätscheleien noch nicht Sitte waren.
Gut; früh war er vor den Rehen schon wach, und wie er beim Morgendämmern von Bouoghrin herabsteigt, sind die Erediner Kühe, Lady Eredine an ihrer Spitze, das Erste, was er sieht. Neil Roy, Calum Dubh und ein paar Andre, die, mit Erlaub, eben so wenig nutz waren, hüteten sie, und mancher Andre mochte etwa in den büsche versteckt sein. Damals waren's üble zeiten. Die roten Soldaten waren kurz vorher eingebrochen und hatten unsern Männern ihre Wehren genommen, so dass der, welcher geboren war, Schwerter, Schilde und Dolche zu besitzen, genug, um den ganzen Glen Eredine zu bewaffnen, keine Waffe in seiner Hand hielt, als den Haselstock, den er von seiner Hecke geschnitten. Aber ein Graham, Lady, packt seinen Feind, wenn ihm der Tod auch schon die Finger lähmt. Herr Heinrich stand, wie's ihm zukam, vornan und gebot Neil Roy, das Vieh friedlich wieder herauszugeben. Aber dieser Schelm, mit Erlaub, war so frech, des Lairds Sohn zu antworten, 'was er genommen