, wo sie mir Vielerlei erzählen könne, indess Lady Maria und Lord Glendower ihren Hochzeitputz einkauften, mit schneidender Kälte, wobei ich ihr andeutete: ich wohne bei Miss Mortimer, wo sie und Lady Marie, wenn es ihrem guten Rufe nicht Schaden brächte, eine Entlaufene zu besuchen, mich auffinden könnten. Hiemit wendete ich ihr den rücken zu, eilte aus dem Laden und liess mich von dem ersten Mietwagen, den ich erblickte, nach haus bringen.
Unzufrieden mit mir selbst und schüchtern über den Wert meiner Fortschritte im Guten brachte ich die nächsten Tage zu. Fast hätte ich gewünscht, den beiden Damen, die eine so beschämende herrschaft über meinen bessern Willen geübt hatten, recht bald wieder zu begegnen, um mich würdiger zu betragen. Diese gelegenheit zeigte sich mir nicht, denn von dieser Zeit an blieb mir keine Freiheit mehr, Miss Mortimers Krankenbett zu verlassen. Vier Monate lang kämpfte sie mit der Ergebung einer Heiligen gegen die schmerzlichste Zerstörung. Wie oft, unfähig, ohne fremde hülfe ihrem Haupt eine andre Lage zu geben, dankte sie Gott mit leuchtenden Augen für das Glück, von mir, von ihrer Ellen, diesen Dienst zu empfangen! Wie oft, wenn ich ihr den Angstschweiss von der Stirn trocknete, flog ein sanftes Lächeln über ihre blassen Lippen, die sie, jeden laut des Schmerzens sich versagend, krampfhaft verschlossen hielt! Schüchtern und schwach, wie die natur sie bildete, war diese Standhaftigkeit nicht die Folge von leichtem Ertragen des Uebels, sondern des frommen Zutrauens, dass Gott ihr helfen werde, wo ihr Kraft gebräche; und in diesem Zutrauen bleibt unsre Kraft auch unerschöpflich. Sie sah den Tod als Siegerin, nicht als Besiegte herannahen, und die Heiterkeit, die während ihres Lebens liebenswürdig war, machte sie im Sterben erhaben.
Endlich kam der grosse Augenblick ihrer Befreiung herbei. Ihre Erziehung für ein höheres Dasein war vollendet, die Rückkehr in das Haus ihres Vaters ward ihr eröffnet. Eines Morgens, nachdem ich nach mancher ganz durchwachten Nacht einige Stunden geschlafen hatte, eilte ich zu ihr und fand sie von Schmerzen befreit. Unwissend über den Ausgang ihres Uebels, glaubte ich törichterweise, dass die Krisis ihrer Krankheit nun überstanden sei, blickte vorwärts in Jahre einer heitern Zukunft und teilte ihr meine kindischen Hoffnungen mit. Sie war nicht gegen ihre Lage verblendet: "Teures Kind", sagte sie, "warum willst Du mir ein Leben wünschen, das mir nur Schmerz bietet? Bete doch vielmehr, dass mein Tod Dir zum Vorteil gereiche! Betest Du nicht jeden Morgen: der heutige Tag möge Dir gesegnet sein?" – Ich hatte mir wohl die Unvermeidlichkeit der mir jetzt so nahen, unvermeidlichen Trennung gedacht; aber heute, an dem nun eingetretnen Tage, zwischen dem kein Raum, kein Aufschub mehr war! – Der Schmerz überwältigte mich, ich warf mich in unaussprechlichem Jammer an der Sterbenden Lager auf meine Kniee. "Ellen, mein Kind", nahm sie wieder sanft tröstend das Wort, und ihre matte Hand suchte mein Haupt aus seiner Verhüllung aufzurichten, "halte meinen fesselentbundnen Geist nicht durch Deine Klagen an der Erde zurück! Könnte mein leidenvolles Dasein Dir helfen, so hätte ich meinen Gott um dessen Verlängerung gebeten; aber Du brauchst mich nicht mehr. Ich habe es wahrgenommen, meine Ellen, Du hast das Eine, das Not tut, gefunden, nun bedarfst Du meiner gebrechlichen Stütze nicht mehr. Wenn ein ganzer Himmel voll Glanzes Dir aufgeht, willst Du verzweifeln, wenn ein schwacher, dunkler Strahl Dir verschwindet?"
Der Arzt, den ich schnell berufen liess, kam nur, um ihre Erwartung zu bekräftigen. Sie sollte die Sonne nicht wieder aufgehen sehen. Sie bot Jedem, der mit ihrer Pflege beschäftigt gewesen war, ein heitres, liebevolles Lebewohl, gab Jedem ein Andenken und schickte Alle von sich fort, nur ich und ihre alte Barbara blieben bei ihr. – "Ich habe sie auf meinen Armen gehalten, da sie an's Licht trat", sagte diese gottergebne Greisin, "ich war Zeuge ihres Lebens vor dem Herrn; es ist hart, dass ich ihr Grab erblicken muss und dann allein sterben – aber Sein Wille geschehe!"
Der Pfarrer des Kirchspiels, wohin ihre Hütte gehörte, kam auf ihre Bitte, mit ihr zu beten. "Sehen Sie, meine Ellen", sagte sie, wie der würdige Mann sich eine Zeit lang entfernte, "das ist das Göttliche unsrer Religion – sie gibt, wie die Sonne jeder Pflanze die Wärme, die sie ihrer natur nach gebraucht, so jedem Menschen, der es treu mit ihr meint, die Art Trost, die er nach seiner Eigentümlichkeit bedarf. Der starke Geist im gesunden Körper betet, wie es ihm Not tut, und der schwache, wie es ihn tröstet, ich endlich, deren Leben halb schon entflohen ist – ich sammle meine schwindenden Gedanken in den frommen Worten dieses ehrwürdigen Mannes. – Ellen, es ist, wie wenn ich mich eines schönes Liedes leichter erinnerte, wenn Ihre liebe Hand die Melodie auf der Harfe spielte." – O du Engelmilde, die auch im Tod noch bedacht war, die erhabne Frömmigkeit ihrer Seele, um meiner Schwäche willen, menschlich zu schildern!
Nachdem sie gegen den Abend lange in Mattigkeit gelegen, bat sie mich, ihr Popens Sterbelied eines Christen herzusagen. Ich kniete an ihrem Bett und tat es. Sie schien die Worte im inneren nachzusprechen, ich blickte