einen Freund, der ihn unterstützte", sagte sie, "so würde er noch der Stolz meiner alten Tage!" – "Er soll ihn haben, diesen Freund!" rief Francis mit Tränen und versprach Herrn Percy ihre Hand. – Ihr Opfer sollte vergeblich sein. – Warburton sollte nicht der Unterstützung bedürfen, die Reichtum zu geben vermag, noch der Beförderung, die Reichtum erkauft: – seine Gesundheit, durch die angestrengte Arbeit in dem Zahlamt geschwächt, war seinem jetzt freiwilligen Streben nicht mehr gewachsen, aber unempfindlich gegen die Gefahr, verfolgte er seinen anlockenden Weg, er verwarf die Warnung der Freundschaft, die ihm die traurigen Folgen voraussagte, und eines Morgens ward er tot an seinem Schreibtisch gefunden. Ein Aufsatz, durch welchen er sich die Bahn literarischen Ruhms, bürgerlichen Glücks zu öffnen gehofft hatte, lag soeben vollendet vor ihm auf dem Tisch. –
Miss Mortimer und ihre Freundin weinten zusammen, meine Mutter fand bald durch meine Geburt einen Gegenstand der Liebe, welcher die Leere, die ihres Bruders Tod in ihrem Herzen gelassen hatte, ausfüllte. Miss Mortimer erhob ihren blick in eine bessre Welt; sie suchte hier auf Erden nie wieder ihr Glück.
Maitland, durch feste Grundsätze gesichert, brachte seine Zeit, einzig mit dem Zweck seines Aufentalts beschäftigt, unangefochten von den Torheiten seiner gefährten, in Oxford zu. Nachmals besuchte er, um seine Handelskenntnisse zu vervollkommnen, die grössten Handelsplätze des festen Landes, machte die persönliche Bekanntschaft der gebildetsten Männer daselbst und umfasste in seinem Bestreben alle Zweige der Wissenschaft, welche zu dem Handelsverkehr der Völker benutzt werden können. Im fünf und zwanzigsten Jahre kam er zurück, um einen Hauptanteil an einem der grössten Handelshäuser in Grossbritannien zu nehmen; ehe er dreissig Jahre erreicht hatte, verhalf ihm der Tod seines Oheims zu einer ehrenwerten Unabhängigkeit, und seine Handelsgeschäfte versprachen ihm ein Vermögen, das jeden Traum von Reichtum überstieg. Aber Reichtum war nicht Maitlands leidenschaft, der geringste teil seines Einkommens genügte einem Mann von so einfachem Geschmack, der sich an Mässigkeit gewöhnt hatte und seine Freuden in der Häuslichkeit suchte. Der grösste teil desselben verlief sich in vielfachen Canälen, gleich unsichtbaren Quellen, deren Dasein sich nur durch das üppigere Grün des Bodens verrät. Wie er der Negerhandel anzugreifen beschloss, ward er einzig von der überzeugung der Wahrheit und des Rechts angetrieben. Da er selbst grosse Besitzungen in Westindien hatte, würde ihn Eigennutz zu den Gegnern dieser Unglücklichen gezogen haben. Bei seinem wissenschaftlichen Nachdenken über menschliche und StaatenVerhältnisse hatte er diesen Menschenhandel als das schmuzigste Schandmaal des Culturzustandes, als den schnödesten Spott des Eigennutzes gegen die Grundwahrheiten des christentum erkannt. Wie seine Bemühungen, dem Elend einer ganzen klasse seiner Mitbrüder im Allgemeinen ein Ende zu machen, fehlschlug, begab er sich auf seine westindischen Besitzungen, um den Zustand der geringen Zahl, die er selbst besass, zu verbessern und sich die Kenntnisse über ihre Verhältnisse zu verschaffen, die ihm, bei erneutem Kampf für ihre Rechte, Waffen in die Hand geben konnten.
So war Maitland. Gern weilte ich bei seinem Bilde; vielleicht nicht ganz ohne weibliche Eitelkeit, gewiss mit schmerzlicher Erinnerung, dass ich einst fähig sein konnte, das Herz dieses edelsten Mannes zum Spielwerk meines Uebermuts machen zu wollen, und mit noch mehr Schmerz, dass dieser Uebermut mich seiner achtung beraubt hatte. Obschon ich ihm auf seinen obenerwähnten Brief antwortete, zeigte er kein Verlangen, den Briefwechsel fortzusetzen, erwähnte meiner gegen Miss Mortimer nur als einer gemeinschaftlichen Freundin und sprach von seiner Rückkehr nach England als von einem noch manches Jahr hinausgeschobnen Entschluss.
Die Erfahrungen, welche meine Torheiten mich so schnell ärnten liessen, hatten mich so weise gemacht, dass ich meine Pflicht fühlte, Herrn Sidneis Heiratsantrag, da ich ihn nicht annehmen wollte, bald und unumwunden zurückzuweisen, so dass kein Zweifel über seine Zukunft ihm blieb. Ohne einigen Streit in meinem inneren ging es nicht ab. Herr Sidnei bot sich mir als ein angenehmer Gesellschafter dar, an dem meine Einsamkeit keinen Ueberfluss besass. Die Gewohnheit, einen Mann um mich zu haben, den – wohl nicht mehr meine Laune, aber doch meine Wünsche regierten, ward mir schwer. Doch ich fing an, Pflichterfüllung zur ersten Bedingung meines Friedens zu machen, und stand also nicht an, dem wackern Mann meinen Entschluss, jetzt noch nicht zu heiraten, zu erklären. Sidnei war ein Mann von gesundem Verstand und festem Sinn; nach einigem Kampf mit seiner Einsicht und seiner Redlichkeit ward er, da ich ihn ernstlich überzeugte, dass er mir nicht mehr sein könnte, mein Freund, solchergestalt, dass unser Verkehr durch die Beseitigung seiner Ansprüche nicht einmal eine Veränderung erlitt.
Das Gegenteil in Herrn Sidneis Betragen wäre mir doppelt empfindlich gewesen, weil seine ärztlichen Besuche je mehr und mehr durch Miss Mortimers zunehmende Leiden zur notwendigkeit wurden. Der Zufall führte mich darauf, ihm einst, in Betreff eines Linderungsmittels, welches er ihr verschrieb, einige die Scheidekunst betreffende fragen vorzulegen. Er gab mir einen Aufschluss, der meine Wissbegierde reizte; in einem gleichförmig einsamen Leben ergreift man gern jedes Mittel, die Interessen zu vermehren, ohne die Gewohnheit zu stören; und so kam es, dass ich sein Anerbieten, mir etwas Chemie zu lehren, freudig annahm. Miss Mortimer hörte ihm mit Anteil zu, wenn er neben ihrem Krankenstuhl mir die Geheimnisse der Verwandlung der Substanzen, so weit der Mensch sie der natur abgelauscht hat, erklärte, und lächelte freundlich, wenn ich von meinen kleinen Versuchen