und widmeten sich ganz den ihnen obliegenden Pflichten. Mistriss Mortimers los war das leichtere, denn ein kleines väterliches Erbe sicherte ihre einzige Tochter vor Abhängigkeit; dagegen Mistriss Warburton die schwere Aufgabe geworden war, einen Knaben von hohem Geist und reichen Anlagen mit der Armut zu versöhnen, und ein zartes, schönes Mädchen durch eine zweckmässige Erziehung gegen die rohen Ansprüche einer freudelosen Welt zu bewahren. Des jungen Warburtons Fortschritte in den Wissenschaften waren der Stolz seiner Lehrer, die Freude seiner Eltern, als seines Vaters Tod ihn aller Mittel, auf diesem Wege seine Ausbildung fortzusetzen, beraubte. Mit bitterm Schmerz musste der Jüngling eine Beschäftigung suchen, wo die Arbeit des heutigen Tages den Unterhalt des morgenden sicherte. Tief gebeugt verbarg er dennoch sein Leid, um den Kummer seiner Mutter nicht zu vergrössern; Miss Mortimer, die Gespielin seiner Kindheit, blieb seine einzige Vertraute, sie teilte seinen Schmerz. Er beweinte eine Zukunft, die er mit ihr zu teilen gehofft hatte, und sie verhehlte ihm nicht, dass mit seinem Gelingen auch ihr Glück gesichert gewesen wäre. In dem ostindischen haus, wo er sein freudloses Tagwerk abspann, fand er jedoch einen Freund, Herrn Maitland, der, obwohl sieben Jahr jünger wie er, anfangs seine achtung und dann seine Liebe gewann.
Maitland war damals fast noch ein Knabe, aber ein grosser, kräftiger, kecker Bergschotte; seine Nerven waren durch harte Leibesübungen und rauhe Witterung gestählt, seine starke Seele hatte Kraft erworben bei einer Erziehung, welche keine andre Erholung, als Wechsel der Beschäftigung zuliess. Er hatte sein Vaterland auf den Befehl seiner Eltern verlassen, um sich dem Eigensinn eines Oheims zu fügen, der ihm nur unter dieser Bedingung ein reiches Erbe versprach. Das Andenken seiner Heimat war ihm unendlich teuer, allein von seinem Vaterhause sprach er selten; schweigend und zurückhaltend, entging er dem gemeinen Spott, der sich so gern über die Anerkennung armer Verwandten auslässt. Er hatte erfahren, wie wenig der stumpfe Sinn der Menge den Eindruck begreifen kann, den ein Lied voll Einfalt, eine alte Sage von dem Ruhm der Ahnherrn hervorbringt, nicht wie der arme Bergschotte alle Schätze der Kunst gern hingegeben hätte, um nur noch ein Mal in den Abgrund zu blicken, den kein Fuss vor dem seinen zu erklimmen gewagt, noch einmal die Kühle des Tales zu atmen, wo er nach seinem ersten Jagdabenteuer geruht hatte. Genuss und Arbeit hindert die Neugier; niemand aus der geschäftigen Menge, die den Handelslehrling umgab, fragte nach dessen Jugend-geschichte, Warburton allein wusste, dass er ein Opfer gebracht, dessen Grösse gleichgültigen Menschen nicht bekannt gemacht werden durfte. Maitlands Oheim, der eine sorgfältige Erziehung hochschätzte, bestand darauf, dass sein Neffe sich streng wissenschaftlich ausbildete, und war willens, ihn im gehörigen Alter die Universität besuchen zu lassen; bis dahin machte er es ihm aber zur Pflicht, täglich einige Stunden der Erlernung seines künftigen Berufs, des Handels, zu widmen. Trotz Maitlands Jugend fand Warburton doch in ihm den gefährten, der ihn völlig verstand; in classischen Sprachen war er fast so geschickt, wie jener; besass er mehr Einbildungskraft, so hatte Maitland mehr Schärfe des Geistes und Auffassungsgabe und ertrug mit stiller Verachtung den Spott seiner Schulgenossen über seine befremdliche Aussprache. Warburton, dessen milde Sitten den seinen ähnlicher waren, gewann seine Zuneigung, ihr Geschmack stimmte zusammen, die wenigen Stunden, die er in dem Zahlamt zubringen musste, unterbrachen auf eine wohltätige Weise Warburtons drückend einförmiges Tagewerk, er horchte mit Entzücken auf Maitlands Beschreibungen seines an Naturschönheiten so reichen Vaterlandes – sie wurden Freunde, und Warburton vertraute ihm endlich die Zerstörung seiner Hoffnungen und das harte los, seine erworbnen Kenntnisse unvervollkommnet lassen zu müssen. Maitlands stärkere Seele schlug ein Mittel gegen dieses Uebel vor: er wies seinen Freund an, wie er durch anhaltendere Arbeit und strengere Sparsamkeit eine Summe sammeln könnte, die ihm das Besuchen einer Universität möglich machen würde. Von diesem Augenblick an gab er selbst ihm das Beispiel von Arbeitsamkeit und Ersparen, die er ihm anempfohlen hatte. Er brach seinem Schlaf ab, er entsagte seinen Erholungen, um für einen Buchhändler Uebersetzungen zu liefern, er scharrte alles, was er von seinem Taschengelde erübrigen konnte, wie ein Geizhals zusammen, die Einladungen seiner gefährten lehnte er ab, ihre Anschuldigungen der Knauserei beantwortete er mit nachlässigem Lächeln; allein wie sie ihn näher kannten, waren wenige von ihnen so schlecht, über ihn scherzen, und keiner so kühn, seine Verachtung zu zeigen. – Denn schon damals flösste Maitlands ernstes, rechtliches, offnes Wesen achtung ein. Nach einer zweijährigen Beharrlichkeit zu gleichem Zwecke stellte er seinem Freund die Frucht seiner Selbstverleugnung zu und fühlte sich mehr wie belohnt, als sich Warburton nun im Stand sah, ihn nach Oxford zu begleiten.
Wenige Monate vor Warburtons Abreise nach der hohen Schule ward Herr Percy, schon damals ein sehr reicher Mann, eines Regenschauers wegen genötigt, in einer Pfarrkirche, wo eben Morgengottesdienst gehalten wurde, Obdach zu suchen. Francis Warburton war unter den Betenden und zog durch ihre Andacht, Sittsamkeit und zarte Schönheit seine Aufmerksamkeit auf sich; er liess sich bei ihrer Mutter einführen und machte ohne Zögerung seine Anträge. Francis erschrack vor einem Liebhaber, bei dem die dreissig Jahre, die er mehr zählte, wie sie, nicht den grössten Einwurf begründeten; aber er bot die grossmütigsten Bedingungen an; die Mutter befahl nicht, überredete nicht, sie sprach nur einmal von ihres Sohnes Eduard Bedrängniss: "hätte er