, aber, noch ohnmächtig gegen das Gift in meiner Seele kämpfend, wies ich ihr Anerbieten, mich zu sich zu nehmen, oder mich in diesem elenden Schlupfwinkel zu pflegen, halsstarrig zurück. Miss Mortimer ward innig betrübt, allein ihr wahrhaft christliches Gemüt hatte nicht, um Dankbarkeit zu ärnten, sich zum Liebesdienst erboten; meine Härte schreckte sie deshalb nicht ab. Wie ich im Schimmer des Glücks glänzend ihre Liebe abwies, glaubte sie ihr Leben höher schätzen zu müssen, als die Verpflichtung, ohnmächtiger Zeuge meiner Torheit zu sein; nun vom Blitz des Unheils mein stolzes Haupt gebeugt war, ertrug sie den Ausbruch meines feindseligen Geistes mit unerschöpflicher Geduld. Da sie sah, dass ihre Bitten, ihr in ihre wohnung zu folgen, so wie die, ihre Pflege unter meinem traurigen Obdach anzunehmen, vergeblich sein, liess sie ab und entfernte sich, ohne mir ein bestimmtes Lebewohl zu sagen. Sie hatte meinen starren Sinn nicht beugen können; allein die Eisrinde meines Herzens war erschüttert, so dass ich ihr, wie sie mit schwankendem Schritte mein Zimmer verliess, sehnsuchtsvoll nachsah.
Indem sie die Tür öffnete, schlüpfte der arme Fidel zu mir herein, er sprang an mein Bett herauf und drückte mir seine Freude, mich wiederzusehen, mit eben der stillen Innigkeit aus, die ihn einst meiner Mutter so lieb gemacht hatte. – Wird es der Seelenforscher begreifen, wird der Moralist mir verzeihen, dass die Liebkosungen dieses treuen Tieres endlich vermochten, was die stimme der Freundschaft, die Vorstellungen frommer Vernunft nicht bewerkstelligen konnten? – Mein starrer Sinn brach bei den Bildern meiner Kindheit, die Fidel mir herbeirief, die Bitterkeit meines Herzens ward hinweggeschwemmt von den Tränen, die ich über dieses Tier vergoss.
Miss Mortimer blieb nicht lange von mir entfernt, sie brachte mir nach kurzer Abwesenheit einige Erfrischungen, die meinen Gewohnheiten und dem Bedürfniss meiner jetzigen Schwäche angemessner waren, wie die ekeln Gemengsel, die mir meine wohlwollende Wirtin in den ersten Tagen meiner Krankheit angeboten hatte. Wie sie eintrat, verbarg ich meine Tränen, aber ihrer erneuerten Bitte, sie in ihre friedliche Hütte zu begleiten, konnte ich nicht mehr widerstehen. Mit einem erschütternden Gefühl rückkehrenden Seelenlebens – denn ich glaube, dass der Herzensschmerz, welchen ich fühlte, wirklich daher entstand, dass die Lebensgeister die im Jammer vertrockneten Canäle wieder zu durchströmen begannen – hörte ich ihre sanften Worte an. Sie wolle sich nicht zu meinem Schmerze drängen, sagte sie, sie wolle mich nicht einmal einladen, um der Mahlzeit willen mein kleines Zimmer zu verlassen, es würde ihr genügen, zu wissen, dass ich in ihrer Nähe sei, dass ich sie finden könnte, sobald ich ihrer bedürfe. Das geständnis meines Unrechts drängte sich auf meine Lippen, allein dieses geständnis, das in meinen glücklichen Tagen als Selbstüberwindung Wert gehabt hätte, konnte im mund der Zerschlagnen, Wohltaten Bedürftigen, wie demütiges Werben um Versöhnung aussehen – ich versagte mir die Seligkeit der Reue und rief, Miss Mortimers hände an meine Brust drückend: "Meine einzige, meine beste Freundin!" Und sie, die ganz Liebe, ganz Grossmut war, liess sich mit diesen Worten genügen.
Nach wenigen Tagen, in denen mich Miss Mortimer mit der zärtlichsten Sorgfalt pflegte, fühlte ich meine Kräfte so weit hergestellt, dass sie es wagte, mich in ihre wohnung überzuführen. Es war ein eben so schöner Morgen, als an dem Tag, wo ich ihr meinen ersten Besuch gemacht hatte: eben so glänzend strömte das Sonnenlicht über das üppige Grün der Wiesen, eben so schwebten die Schiffe, deren blendend weisse Segel die erquickendsten Lüfte schwellten, auf dem silbernen Strom, nur das dunklere Laub der Bäume und die Färbung ihrer Früchte verriet die Höhe des Sommers. Meine Freundin versuchte es, mich auf dieses fröhliche, lebendige Schauspiel aufmerksam zu machen, aber es erheiterte mich nicht – kalt wendete ich mein Auge von ihm ab und dachte, wozu einer Welt, wo Unrecht, Gram und Leiden ihre herrschaft verbreitet hätten, dieser reizende Schmuck gegeben sein möchte. Von allen Siegen der Ergebung in eine höhere Leitung, eines kräftigen Verstandes über das schwache Gemüt ist keiner lohnender, als wenn wir in jeder Lage fähig sind, das Gute, das uns der Augenblick bietet, zu geniessen. Für mich, die ich noch immer mit Gott haderte über den Weg, den es ihm gefiel mich zu führen, prangte die natur umsonst in ihrer schönsten Pracht, ich stiess die Freude von mir, die sie dem ergebnen Herzen meiner Freundin zu geniessen gab. Bei unsrer Ankunft in Miss Mortimers wohnung begrüsste sie mich mit der innigsten Zärtlichkeit als Mitglied ihres Haushalts, sie führte mich sogleich in das mir bestimmte Gemach, das angenehmste dieses bescheidnen Hauses. Sehr niedliches, wenn gleich höchst einfaches Gerät bot mir jede Bequemlichkeit dar. Grüne Wände, schneeweisse Vorhänge, ausgesuchte Reinlichkeit verbreiteten Heiterkeit, und der Anblick der umliegenden Gärten durch ein grosses mit Jasmin umranktes Fenster wiegte die Seele zur Ruhe ein. Ich fand eine kleine Zahl wohlausgewählter Bücher, und in den Schiebfächern eines Schrankes einen grossen teil meiner Wäsche und nützlichsten Kleidungsstücke, welche Miss Mortimers Bemühung, von den mit meines Vaters Verlassenschaft beschäftigten Personen zurückzuerhalten, geglückt war. Wie viel ich ihr zu danken hatte, fühlte ich wohl, aber dadurch ward mir meine Bedürftigkeit nur fühlbarer, und seufzend folgte ich meiner grossmütigen Freundin Ermahnung, der Ruhe zu pflegen. Ich bedurfte ihrer sehr, für meinen geschwächten Zustand war die Ueberfahrt nach der Nähe von