1822_Huber_043_27.txt

Aufrechtaltung des Sklavenhandels beteiligt, stand er dawider auf und sprach mit einer Beredsamkeit gegen dieses Schandmaal christlicher kultur, welche auch die Kältesten erwärmte, die Gleichgültigsten zur Aufmerksamkeit hinriss. Britannien wünschte sich Glück zu dem Bürger, der die Zierde seines Volkssenats genannt ward, das Ausland beneidete das Volk, in welchem eines einzelnen Mannes Tugend Raum fand so mächtig zu wirken, und seine Bekanntschaft wurde von den Edelsten und grössten der Hauptstadt gesucht. Und diesen Mann gedachte ich durch die kleinen Künste der Eitelkeit unter mein Joch zu beugen, ihn, dessen Ueberlegenheit über alle Männer ich so lebhaft erkannte, wollte ich den mich umflatternden Gecken gleich sehen! – Statt, wie ich bei Miss Mortimers Abreise besorgt hatte, sich aus unserm haus zurückzuziehen, waren seine Besuche häufiger, als zuvor; er kam gewöhnlich, ehe er ins Parlament fuhr, bei uns zum Frühstück, und wenn die Abendsitzungen der kammer ausgesetzt wurden, verlebte er diese Stunden mit uns. Ich setzte jetzt alle Mittel, seine günstige Meinung von mir zu erhöhen, in Bewegung, aber sein Betragen blieb sich ohne Abweichung gleich; er beschäftigte sich selten ausschliessend mit mir, und wenn es geschah, so war es mit einem Ernst, der an Strenge zu grenzen schien; sein blick ruhte wohl oft auf mir, aber ich nahm nichts von dem Beifall darin wahr, der mir Gelingen versprochen hätte, im Gegenteil lag eine Wehmut, eine Trauer in seinen glänzenden Augen, die ein bängliches Gefühl von Selbsttadel in mir aufriefen. Doch da mein Leben keinen würdigen Zweck hatte, konnten dunkle Gefühle seine Anwendung nicht veredeln. Von Miss Arnold in den zahlreichen Stunden unsers müssigen Geschwätzes stets aufs neue angespornt, mein Geschlecht, wie sie es nannte, an diesem stolzen Mann zu rächen, versuchte ich es, seine Empfindung durch dieselben Vorzüge zu rühren, die er in jenem, von mir auf eine so unredliche Weise gelesenen Brief, an mir gerühmt hatte. Ich führte mit der unwürdigen Kunst der Gefallsucht Gelegenheiten herbei, meinen gang, meine Haltung vor seinen Augen zur Schau zu stellen; ich suchte ihm meinen Arm unter den günstigsten Umständen zu zeigen, ich brachte in jedem Gespräch "meine kunstlose Einfalt, meine kräftige Originalität" andas waren alles Züge, mit denen er mich gegen meinen unbekannten Warner vom Maskenball geschildert hatte. – Allein das Fremdartige, was diese Absichtlichkeit in mein Betragen brachte, arbeitete meinem Zwecke gänzlich entgegen. Anfangs sah er mir mit Befremden zu, bald aber bezeigte er mir durch den Ueberdruss, mit dem er sich von mir ab zu dem gleichgültigsten Mitglied der Gesellschaft wendete, wie peinlich meine Künste auf ihn wirkten. Miss Arnold, die in alle meine Torheiten mit gewohnter Teilnahme einzugehen fortfuhr, brachte mich endlich auf den Gedanken, dass nur noch eine probe, seine Gesinnung zu ergründen, übrig bliebe: – ich müsse versuchen ihn zur Eifersucht zu reizen, und nach mancher überlegung schien uns Lord Friedrich zu dieser probe am besten geschickt.

Mylord hatte zwar, seit der misslungenen Unterhandlung seines Vaters seine Besuche bei mir eingestellt und meiner Weigrung, sie wieder zu erlauben, gehorcht; allein ich wusste sehr wohl, dass es nur eines Winkes bedurfte, um ihn zurückzurufen; diesen erhielt er, und es konnte nicht fehlen, dass er zu gleicher Zeit mit Herrn Maitland, wiewohl durch meine Veranstaltung nicht in den Stunden, wo mein Vater gegenwärtig war, bei mir zusammentreffen musste. Nun begann ich augenblicklich die elendsten Kunstgriffe eitler Quälsucht in Bewegung zu setzen. Ich zeichnete Lord Friedrich durch jede Zuvorkommung aus, flüsterte mit ihm, ohne ihm etwas Geheimes zu sagen, lachte, ohne einen Gegenstand dazu, machte Anspielungen auf nichtswürdige Kleinigkeiten, denen ich nie Wert beigelegt hatte. Obgleich Miss Arnold beauftragt war, die wirkung dieser unedlen Posse auf Herrn Maitland zu beobachten, unterliess ich nicht einige Seitenblicke auf ihn zu werfenich glaubte ihn erblassen zu sehen, allein meinen Triumph zu vergewissern, gönnte er mir keine Zeit, denn ohne meiner Torheit mit einem Worte Einhalt zu tun, nahm er nach einer Viertelstunde einen sehr frostigen Abschied. Miss Arnold versicherte mich, dass sie bei diesem ganzen Auftritt auch nicht die mindeste Regung von Eifersucht auf seinem Gesicht wahrgenommen hätte, allein dass ein jeder Empfänglichkeit für feinere Gefühle so fähiger Mann, wie er, wahrscheinlich mehr wie einmal dem Feuer dieser peinlichen leidenschaft ausgesetzt werden müsste, bevor sie ihm ans Herz drängeund so versäumte ich kein Zusammentreffen der beiden Männer, ohne mein unedles Spiel zu wiederholen. Alle meine Mühe war vergebens; Herrn Maitlands Gleichmut blieb unerschüttert, nur seine Heiterkeit schien sich zu trüben, und der Ernst seines Auges stand zu meiner Qual wie ein Zauberspiegel vor mir, der mir meine eigne Gestalt als Verzerrung zurückwarf. Mein Vater machte dieser unwürdigen Komödie ein Ende, indem er mir eines Morgens in der Stellung, mit dem Ton, in dem er seine bedeutendsten Ermahnungen zu geben pflegte, den Befehl erteilte, Lord Friedrichs Besuche fortan nicht mehr zu gestatten. "Herr Maitland", setzte er hinzu, "versichert mich zwar, dass dein Herz an dieser Bekanntschaft keinen teil nimmt, – welches ein solcher Geck auch wenig verdienteich finde es aber nach dem, was zwischen mir und seinem Vater vorfiel, nicht dem Anstand gemäss, ihn in meinem haus zu empfangen."

Also nicht einmal den Verdacht, dass ich Lord Friedrich einen Vorzug gewährte, gelang mir in Herrn Maitland zu erwecken. Nun gab ich meinen Plan und