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mir? – "Von Ihnen ziemlich wenig, aber von mir bei dergleichen gelegenheit mein Geld. – Verzeihen Sie, Herr Maitland, sagte er, sich gegen ihn wendend, dass ich Sie mit Familiensachen unterhalte." – Wer will gelegentlich meiner mein Geld? fragte ich sorglos. – "Lord Friedrich de Burgh, der zweite Sohn des Herzogs von C. Seine Gnaden waren heute früh bei mir und haben mir die bestimmtesten Vorschläge gemacht." – Herr Maitland hatte im Ernst seiner letzten Worte meine Hand ergriffen und sie, meinem Vater zuhörend, in einer Art Zerstreuung noch immer gehalten; bei dem Namen Lord Friedrichs liess er sie mit einem unsanften Druck los, ich blickte auf, um den Ausdruck seines Gesichts zu sehen, allein er hatte sich abgewendet und schien sorglos in einem Buch, das auf dem Nähtisch lag, zu blättern. Mein Vater erzählte nun weitläufig, wie der Herzog bei seiner Bewerbung die Ehre einer Verbindung mit seinem haus, die Aussicht auf die Herzogskrone, welche die hinfällige Gesundheit seines ältesten Sohns Lord Friedrich verspräche, nicht habe anzudeuten vergessen, wie es aber so ziemlich am Tage läge, dass mein Heiratsgut ein grosser Bewegungsgrund bei seiner Einwilligung in seines Sohnes Wünsche gewesen sei. Hier hielt mein Vater inne und blickte mich fragend an, als erwarte er, dass ich doch einige Neugier nach der Entscheidung, die er in der Sache gegeben, bezeigen sollte. Ich spielte aber sorglos mit meinem Armband und liess mich auf nichts ein. Herr Percy nahm also wieder das Wort und erzählte mit Triumph, wie unbedenklich er den Herzog abgewiesen habe. Zweitausend Pfund Wittum habe er geboten – "eine schöne Herrlichkeit für ein Mädchen, das Hunderttausende Mitgift hat und noch doppelt so viel zu erwarten! Und dafür, schloss er, soll ich einen Schnapphahn in mein Haus aufnehmen, den ich herausfüttern, dem ich alles, bis auf den Rock, mit dem er den Gecken spielt, anschaffen müsste, damit er und seine bankerotte Familie mich und mein Mädchen über die Schulter ansehe? Nein wahrlich, dafür hat kein wackrer Mann in England sein Vermögen gesammelt. Wie, Maitland?" – Wahrlich nein, nicht nach Ihrer noch nach meiner Ansicht, antwortete Herr Maitland gezwungen. – "Aber der grosse Mann ist auch in einen Zorn geraten, er schämt sich seiner Vorschläge und wünscht sie geheimgehalten. Gewisslich, ich werde sie nicht verkünden! Alle Welt weiss, dass ich viel vorteilhaftere Vorschläge für meine Tochter verwarf."

Also er will, die Sache soll verschwiegen bleiben? fragte ich hastig; da könnten sie ja seine Töchter vielleicht nicht einmal erfahren. – "Sie sehen sie demnach als gänzlich beendigt an?" sagte mein Vater zu mir, ohne auf meine Worte zu achten. – Gewiss! rief ich; wüsste ich nur, wie ich machte, dass sie Lady Maria erführe. – Vertrauen Sie sie einer recht innigen Freundin, sagte Herr Maitland sehr trocken; sagen Sie mir aber nur, warum es Ihnen so am Herzen liegt, dass Lady Maria sie erfährt? – "Weil sie sich ganz grenzenlos darüber ärgern wird; die Tochter eines blossen Kaufmanns, welche dem Enkel des hundert und funfzigsten de Burgh einen Korb gibt! das wird ihr alle Kanten und Schönheitsmittel verleiden!" – Ich war von diesem Gedanken so entzückt, dass ich erst nach einer Weile bemerkte, wie Herr Maitland bis ans Ende des Sophas von mir gewichen war und ganz erblasst in finsterm Nachdenken den Kopf auf die Hand stützte. Gleich darauf nahm er von Miss Mortimer Abschied, doch in dem Augenblick, wo er zur Tür schritt, kam die Kammerfrau dieser und meldete ihr, Frau Wells wünsche sie einen Augenblick zu sehen. Miss Mortimer bat ihn, seine Schutzbefohlne noch zu begrüssen; er willigte ein, aber mein Vater begab sich mit der Bemerkung hinweg: Wenn die Frau Geld will, Miss Mortimer, so lassen Sie's mir sagen, ich habe den Leuten immer das Ihrige geschickt und bin ihnen nichts schuldig.

Anfangs war die gute Frau bestürzt, ihre Wohltäterin nicht allein zu finden, sie schien sich nicht zum Reden ermutigen zu können. Doch Herr Maitland, dem es nun einmal gegeben war, sich alle Herzen zu erschliessen, tat ihr einige fragen, die ihre Zuversicht zurückriefen. Geld wollte diese wackre Frau nun eben nicht, aber Etwas, das der arme eben so oft braucht, aber seltner fordert: guten Rat wünschte sie von Miss Mortimer zu hören wegen einer Liebschaft ihrer Tochter Sally. Sie ward von einem jungen Handwerksmann zur Ehe begehrt; sein Gewerb und Sally's Nadel konnten des jungen Ehepaars täglichen Unterhalt sichern; allein zur Hauseinrichtung war nichts da, sie musste mit Schulden angefangen werden, und das, meinte Frau Wells, setzte sie auf immer zurück. Nun habe sie den Liebenden geraten, ein paar Jährchen zu warten, recht fleissig zu sein und recht zu sparen, bis sie das Nötige zusammengebracht hätten. "Die jungen Leute denken aber, wenn man sich liebe, brauche man wenig, sagte sie, zu mir gewendetach, sie haben das Armsein vergessen, seit Ihre verehrte Mutter mir zu sicherm Erwerbe verhalf! Das weiss Niemand, was Armsein ist, als der es erfahren hat, wie ich. Manches Leiden kann man sich auf Augenblicke aus dem Sinne schlagen, aber harte Schuldner, frierende, hungrige Kinderach, die lassen uns die Armut keinen Augenblick vergessen! – Meine Bitte