fast unmerkbar zuckte, die ängstliche Röte, welche, schnell entstehend und entschwindend, ihr Wange, Hals und Busen überhauchte, entgingen Hippolitens Späherblick nicht. Eine wunderbar fremde Regung des Mitleids überschlich ihn dabei und er begann mit einer Art Aengstlichkeit darauf zu sinnen, wie der Lästige auf gute Art aus Gabrielens Kreise zu entfernen sei, um diese in ungestörter Anmut sich bewegen zu sehen, als sie ihren Gemahl mit wenigen, leicht hingeworfenen Worten auf einige Vasen von seltner Schönheit aus kostbaren Steinarten geformt, aufmerksam machte. Der Tisch, auf welchem diese Vasen standen, war mit farbigem Marmor aller Art ausgelegt, und Moritz fand und benutzte hier ein reiches Feld, auf welchem er mit der einzigen Wissenschaft, welche er wirklich besass, glänzen konnte. Bald gesellten mehrere Sachkundige aus der Gesellschaft sich zu ihm, ein lebhaftes Gespräch entstand, und Gabriele wendete sich sichtbar heiterer ab, um in den Nebenzimmern die übrige Gesellschaft aufzusuchen.
Sinnend folgte ihr Hippolit mit immer regerem Bemerken. So hatte er sie sich nicht gedacht, nicht so fein, nicht so gewandt, nicht so heiter. Die Melodie ihrer Worte, die Harmonie in allen ihren Bewegungen zogen ihn noch unwiderstehlicher an, als ihre Schönheit.
"Es ist doch nur eine Maske, wie sie alle," dachte er, "aber diese steht ihr vortrefflich und ist so herrlich angepasst, dass schon der Versuch, sie zu lüften, Belohnung verdient." Er versuchte es hierauf, Gabrielen anzureden, aber es war, als ob eine ihm fremde Gewalt den gewohnten Fluss seiner Worte hemmte; Gabrielens gerader kalter blick brachte ihn aus der Fassung; zum erstenmale fühlte er sich verlegen, und war froh, als die Gräfin mit der Bitte erschien: Gabriele möge sie zur Markise begleiten, welche eben etwas besser sich fühle und den Augenblick kaum erwarten könne, in dem es ihr vergönnt würde, die geliebte Nichte ihrer Freundin zu umarmen.
Der kleine Zug der zu diesem Besuch Auserwählten, welchem auch Hippolit sich anschloss, folgte der Gräfin durch die ganze lange Enfilade prächtiger Säle, welche, wie es in Paris gebräuchlich ist, mit dem Schlafkabinet der Markise endeten.
Ein reicher seidner Vorhang verhüllte noch den Tempel, nachdem schon die Flügeltüren sich geöffnet hatten, aber der berauschende Duft der auserlesensten Aromas des Orients verkündete die Nähe der Göttin. Auch der Vorhang wurde beseitigt und selbst der verwöhnte Hippolit stand jetzt geblendet von dem unerwarteten Anblick.
Auf einer Estrade, zu welcher einige, mit prächtigen Teppichen belegte Stufen hinaufführten, stand, schimmernd von Gold und Elfenbein, das, der edelsten antiken Form nachgebildete Bette. Eine purpurrote, mit goldner Stickerei und goldnen Franzen geschmückte Decke war darüber hingebreitet, auf welcher die Markise in der anmutigsten Stellung hingegossen ruhte. Ein grosser Spiegel an der Hinterwand desselben, ein anderer an der Decke des Baldachins über ihrem haupt, und mehrere, anscheinend vom Ungefähr, aber eigentlich mit sorgfältiger Wahl im Zimmer geordnete grosse Ankleidespiegel vervielfältigten die schöne Erscheinung, indem sie sie von allen Seiten zeigten. Der Genius des Schweigens von Bronze, den Finger auf die Lippen gedrückt, schien den leicht vom Baldachin herabrollenden Schleier zu heben, der sie zu ver hüllen drohte, und blühende Rosenbüsche, Orangenbäumchen, Jasminsträuche, in köstlichen Vasen zu beiden Seiten auf den Stufen der Estrade, gaben der Nische, in welcher das Bette stand, das Ansehen einer Laube aus dem Paradiese der Muhamedaner. Alabasterlampen verbreiteten den zauberhaften Schimmer einer mondhellen Nacht und kleine bläuliche Wölkchen kräuselten sich, aus Kassoletten aufsteigend, in welchen das ausgesuchteste Räucherwerk brannte. Das Auge irrte geblendet auf alle dem mannichfaltigen Geräte von köstlichen Hölzern, von Krystall, von Marmor und Bronze, welches das Schlafzimmer einer eleganten Pariserin zum glänzendsten Prunkzimmer des Hauses macht.
Mitten in alle dieser Pracht lag die Markise, ganz einfach gekleidet und dennoch alles überstrahlend. Der wohl berechnete Ueberfluss des früher erwähnten weissen langen Gewandes, in grosse malerische Falten von Künstlerhänden geordnet, umschwebte ihre Gestalt, ohne sie neidisch zu verhüllen; die schönen Formen schimmerten hindurch, wie der Mond durch Silberwölkchen, die an ihn sich heranzudrängen scheinen. Unter der Brust hielt ein grosser strahlender Rubin das Gewand zusammen, der eine der weiten Aermel, wie von ungefähr zurückfallend, entüllte einen wunderschönen Arm, auf dem gestützt, das reizende Köpfchen im lieblichsten Ausdruck der Ermattung ruhte. Eine um den Arm geschmiedete goldne Sentimentskette und einige Perlenschnuren schienen sich abstreifen zu wollen. Den andern Arm bedeckte der Aermel bis zu den zierlichen Fingerspitzen, die, dem Kopfweh zu Ehren, ein Riechfläschchen hielten. Um die hohe Stirne schwebten die glänzendschwarzen Locken in zierlicher Unordnung, nur ein einfaches Band hielt sie und die reichen Flechten zusammen, welche den ganzen Kopfschmuck bildeten. Die Markise war unbeschreiblich reizend in diesen Umgebungen, auch fesselte stummes Erstaunen alles bei ihrem Anblick; nur Hippolit wagte es, sich in ihre Nähe zu schleichen und ihr ein leises "Bravo!" zuzuflüstern.
Gabriele ward mit der entzückendsten Freundlichkeit von ihr empfangen; sie zog sie liebkosend zu sich herab, um sie zu umarmen, und als die hohe, schlanke Gestalt sich zu der auf dem Bette Ruhenden niederbeugte, umschwebte ihr goldnes Haar die dunkeln Locken der Markise wie mit einer Strahlenglorie, während diese mit beiden Lilienarmen den stolzen Marmornacken der geliebten Nichte ihrer Freundin umschlang, und ihr Entzücken darüber in den schmeichelhaftesten Ausdrücken laut verkündete.
Nichts kann einander ungleicher sein, als beide Frauen in diesem Augenblick. Farbe, Augen, Haare, Ausdruck des Gesichts, nichts von