endlich einen ganzen monat hinaus verschoben ward. über die Freude, einige Offiziere, die in der Nachbarschaft einquartirt waren, zu erobern und auszulachen, und über die noch grössere, ein paar Landjunker zu mistifiziren, vergass sie Italien und die Hochzeit mit sammt dem Bräutigam."
"Sie behandeln das junge Paar zu strenge," sprach endlich Frau von Willnangen, "ich hoffe, sie lieben einander, und wenn gleich keine heftige leidenschaft" – –
"Wer leugnet denn, dass sie einander lieben?" unterbrach sie Eugenia ziemlich eifrig, "keines von beiden liess es an Beweisen davon fehlen. Aurelia neckte ihren Ottokar, so wie sie seiner ansichtig ward, und, Sie wissen es ja, nach dem alten Sprichwort liebt sich, was sich neckt. Ottokar gab hingegen seine Zärtlichkeit für seine Braut auf modernere Art zu erkennen. Es war, als ob er alle Modisten, Blumisten und Juweliere, auf zwanzig Meilen in die Runde, mit einem Zauberstabe regiere, so unerschöpflich war der Reichtum mannigfaltiger Geschenke, mit welchem er sie überschüttete. Jeder Morgen brachte ihr irgend eine elegante, oft sehr kostbare Kleinigkeit von ihm, Abends überraschte er sie durch Nachtmusiken, Feuerwerke, kleine ländliche Feten. Welche andere Beweise seiner Liebe konnte Aurelia sich wünschen? zum Glück besitzt Graf Ottokar ein unerschöpfliches Genie für die Anordnung dergleichen Dinge an seinem Lorenz, aber gut war es doch, dass endlich der Hochzeittag dem allen ein Ende machte, denn die Erfindungen des Kammerdieners wollten doch nicht mehr recht zureichen, um die geistigen und körperlichen Abwesenheiten seines Herrn zu bedecken."
So plauderte Eugenia ungestört fort. Frau von Willnangen, sowohl als Auguste, hatten es aufgeben müssen, sie unterbrechen zu wollen. Ihnen blieb nichts weiter übrig, als den Eindruck zu beobachten, welchen ihre Erzählung auf Gabrielen machte, besonders da die Erzählerin vom fräulein Silberhain durch noch dringendere fragen angeregt, sich anschickte, die eigentliche Hochzeitfeier auf das Umständlichste zu beschreiben.
"Die Trauung geschah in der Dorfkirche, und zwar sehr früh am Morgen. Beinah mit Sonnenaufgang, denn so hatte es Ottokar gewollt," sprach Eugenia. "Und da er zum erstenmal etwas wollte," fügte sie hinzu, "so staunte man zwar ein wenig über dieses Ansinnen, liess es aber dennoch gelten, obgleich Aurelia hoch und teuer versicherte, dass sie und wir alle die abscheulichste Migräne vom frühen Aufstehen davon tragen würden."
Nun liess sich Eugenia auf eine sehr genaue Beschreibung des prächtigen Negligees von Brüssler Spitzen ein, welches die Braut an dem festlichen Morgen getragen hatte, auch der kleinsten Garnierung desselben geschah ehrenvolle Erwähnung, ehe das Betragen des Brautpaars während der Trauung zur Sprache kommen konnte. Eugenia lobte Aureliens sich durchaus gleichbleibende Fassung und ihren vornehmen, man möchte sagen königlichen Anstand während der Zeremonie, indessen Ottokar bei der endlosen, langweiligen Vorbereitungs-Rede des Pfarres todtenbleich hin- und herschwankte, bis der Moment kam, das feierliche Ja auszusprechen. Da war es denn doch," erzählte Eugenia weiter, "als ob es ihm einfiel, dass sein Benehmen nicht ganz das eines Menschen sei, der sich am Ziele lang ersehnter Wünsche sieht, und dass es deshalb allen Gegenwärtigen als höchst befremdend auffallen müsse. Er nahm sich ordentlich mit einem Ruck zusammen," sprach sie, "stand plötzlich aufrecht da, und sein Gesicht belebte sich zu einem Ausdruck, den wir, so lange er in Rosenhain war, an ihm vermisst hatten. Ich muss gestehen, es gab einen Augenblick, während welchem er wieder recht schön war, als er mit glänzenden, himmelwärts gewendeten Augen zum Gewölbe der Kirche aufblickte, und dann, nach einer fast unmerklich kleinen Pause, das verhängnissvolle Ja laut und vernehmlich von sich hören liess. Aber diess Wörtchen musste auch wie ein Zauberspruch auf ihn gewirkt haben, denn auf dem Wege aus der Kirche war der steinerne Mann mit einemmal wieder lebendig geworden. So wie wir zu haus angelangt waren, drückte er zum erstenmal seine Braut an seine Brust, wenigstens sahen wir es zum erstenmal. "Aurelia!" fing er höchst feierlich, ich glaube gar mit Tränen in den Augen an, und hätte wahrscheinlich ein Supplement zu des Pfarrers Rede geliefert, aber Aurelia machte sich bei zeiten los, versicherte, todtmüde zu sein, und eilte in ihr Zimmer. Gleich darauf schickte sie uns ihre Jungfer mit dem Bedeuten, dass sie nicht eher als bei der Tafel sichtbar werden könne, weil sie durchaus vom frühen Aufstehen ruhen müsse, um nicht den ganzen Tag unwohl zu sein. Ich gestehe es, wir sowohl als der eben aufgetaute Bräutigam blieben bei dieser Erklärung mit recht langen Gesichtern stehen.
"Und wie äusserte sich denn der Bräutigam bei dieser Laune seiner Braut?" fragte jetzt Frau von Willnangen.
"Er sagte das klügste, was sich unter solchen Umständen sagen liess, nämlich gar nichts, kein einziges Wörtchen;" antwortete Eugenia. "Die Gräfin, die sich immer zu helfen weiss, ergriff gleich seinen Arm, um mit ihm die Anstalten zur Bewirtung einiger hundert Bauern aus der Umgegend zu besehen, denn der festliche Tag sollte bloss durch ein Volksfest gefeiert werden, da man am folgenden Morgen sehr früh abzureisen beschlossen hatte. Ottokar ging ganz in die Ideen seiner neuen Schwiegermutter ein, und nahm sich des Empfanges und der Unterhaltung seiner ländlichen Gäste mit grossem Eifer an, bis später, kurz vor der Tafel, die holde Braut ungerufen erschien, und mit ihm im vollen Schmuck,