gleich auf ihre Liste kam, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Bei seiner Jugend musste sie ihn für einen vollkommnen Neuling in der Welt ansehen, und bei dem sichtbaren Eindrucke, den ihr erstes erscheinen auf ihn machte, hielt sie seine Eroberung für ein leichtes Kinderspiel. Um so grösser war ihr Erstaunen als sie alle ihre kleinen Künste an ihm abgleiten sah. Ich bin überzeugt, dass sie bis diese Stunde noch nicht weiss, wie sie eigentlich mit ihm daran ist, doch eben dieser Zweifel gibt ihm in ihren Augen ein erhöhtes seltnes Interesse.
Ich sehe zuweilen mit wahrem Vergnügen dem kleinen Kriege zwischen beiden zu. Allen den haarfeinen Schlingen, die Aurelia mit unendlicher Klugheit und tiefer Berechnung ihm legt, weiss mein junger Held mit so unbefangnem Gesicht und so gewandt aus dem Wege zu gehen, dass es mir oft schwer wird, meinen inneren Triumf darüber zu verbergen. Wenn ich ihn aber wiederum in den Assembléen hinter ihrem Sessel stehen sehe, wie er jede ihrer Bewegungen belauscht, jedes ihrer, nicht zu ihm gesprochnen Worte von ihren Lippen wegzuhaschen sucht, und dabei immer tiefer in sich selbst sich verliert, so dass zuletzt ausser Aurelien nichts mehr für ihn zu existiren scheint, dann werde ich wieder irre, auf Augenblicke wenigstens. Zwar weiss ich, Aureliens Zaubergewalt über Hippoliten liegt nur in einer nie zuvor von mir bemerkten Familienähnlichkeit mit Gabrielen, die sich erst später entwickelt haben muss, und über die er im stand ist, Stundenlang in Extase zu geraten, aber solche Aehnlichkeiten haben doch auch ihre Gefahren, und ich wollte, wir oder Aurelia hätten die Terrasse des Gartens Boboli nie gesehen." "Wünschen Sie mir Glück, liebe Frau von Willnangen, ich atme freier! Aurelia hat heute in aller Frühe Florenz verlassen, um die grosse, lange beabsichtigte Reise durch Sicilien nach Griechenland endlich anzutreten, und es scheint mir, als ob Hippolit das trügerische Schattenbild Gabrielens, das in der letzten Zeit ihn wohl öftrer betrübt als erfreut haben mag, nicht ungern endlich schwinden sah. Ein kleiner Missgriff, zu welchem Aurelien ihre Unsicherheit in Hinsicht seiner wohl verleitet haben kann, ist wahrscheinlich die nächste Veranlassung dieses plötzlichen Aufbruches gewesen. Vermutlich ward sie ungeduldig über seine anscheinende Blödigkeit, die ihn, wie sie meinte, verhinderte eine Bitte auszusprechen, welche sie ihm oft genug so nahe legte, dass ich kaum begreife wie er ihr ausweichen konnte, nämlich die, sie auf der Reise nach Griechenland begleiten zu dürfen. Ihre Ungeduld brachte sie dahin ihm anzubieten, was sie freilich lieber seinen dringenden Bitten zögernd gewährt hätte, und nun stellen Sie sich das bittre Erstaunen vor, mit dem sie den so furchtsam gehaltenen Jüngling das Anerbieten von sich weisen sah, und zwar auf die feinste aber auch bestimmteste Weise! Ich gestehe Ihnen, ich selbst muss dieses feste Entsagen bewundern, denn sowohl die Reise als die Reisegesellschaft können schwerlich reizender erdacht werden.
Dass Aurelia nach der ersten bittren Sekunde, die sie benutzte, um sich von ihrem Erstaunen zu erholen, genug Fassung behielt, um aus dem ganzen Anerbieten einen gar nichts sagen wollenden Scherz zu machen, war ihr wohl zuzutrauen, doch scheint sie den Verdruss über Hippolitens Benehmen recht tief empfunden zu haben. Diess schliesse ich unter andern auch aus der Eile, mit der plötzlich alle so lange vernachlässigte Reiseanstalten betrieben wurden, und aus ihren wiederholten Versicherungen, dass sie die englische Familie, mit der sie schon längst diese Reise verabredet hatte, unmöglich länger auf sich warten lassen könne. In der Tat hatte sie diese, unter allerlei nichtigen Vorwänden, von einer Woche zur andern hingehalten, und ich musste schon längst die Geduld der guten Leute im Stillen bewundern.
Genug, die Wagen wurden gepackt und sie ist fort! So fahre sie denn hin! Recht glücklich – aber – wenn es sein kann, auch recht weit und auf recht lange von uns und auch von meinem Ottokar, auf dessen Frieden ihre Gegenwart doch störender wirkt, als er es sich selbst vielleicht gestehen mag.
Ist es aber nicht entsetzlich, dass dieses durch so viele seltne herrliche Gaben ausgezeichnete Wesen weder glücklich ist noch glücklich macht? Wie weit steht Aurelia in dieser Hinsicht hinter ihrer Mutter, der Gräfin Rosenberg, zurück! so weit, als diese wohl von jeher, selbst in ihren blühendsten zeiten, in jeder andern Hinsicht hinter dem zurückgestanden haben mag, was Aurelia ist und war. Und doch ist die Mutter, selbst jetzt noch, schwerlich weniger gefallsüchtig und eitel als die Tochter, nur äussert sich diese ihre Gefallsucht auf andre Weise. Die Gräfin wollte von jeher nicht sowohl bewundert, als gesucht sein, nicht sowohl blendend erscheinen als liebenswert, und diess gibt ihr bei allen ihren übrigen Schwächen einen Anstrich von Gutmütigkeit, welche jedem wohltut, der ihr nahen darf. Aurelien hingegen beten selbst ihre alleruntertänigsten Sklaven nur mit Furcht und Zittern an. Sie reizt, sie entzückt, aber wohl ist noch Keinem bei ihr geworden. Sie fahre hin." "wunderbar! Dieses Zusammentreffen mit der gefährlichen Dame, das mir so viel sorge ohne Not machte, hat meinen Hippolit mir nur noch inniger verbunden, statt mir ihn zu entfremden. Ich glaubte, je länger ich darüber dachte, seine Verweigerung, Aureliens Einladung zu folgen, zum teil auf meine eigne Rechnung setzen zu dürfen, denn ich war nicht ausdrücklich darin mit einbegriffen gewesen. Ich wollte ihm darüber etwas freundliches sagen, und da gesteht er mir mit der liebenswürdigsten Offenheit, dass ich