e n im Gespräch verwirrt und wunderlich durcheinander. Uebrigens hing ein fein gearbeites Kruzifix an einer goldenen Kette von ihrem Halse herab, ein zweites krümmte sich sehr widerwärtig zu einem Ringe an ihrer Hand, und ihre gemessenen Worte drängten sich mühsam durch die kaum geöffneten, fast regungslosen Lippen.
"Ich begreife nicht wie man um so nichtigen Zweck seine Identität zu opfern vermag," fuhr fräulein Silberhain in ihrer Rede fort, "wie kann ein in seinen tiefsten Tiefen vom Höchsten erfülltes Gemüt so ganz dieses vergessen und dem prunkenden Schimmer irrdischer Vergänglichkeit huldigen! Die Stille des Gemüts, das beseligende Gefühl dessen, was unser Eins und Alles sein soll, müssen ja in der aus Tand und flüchtigen Glanz entstehenden Verblendung auf lange von uns weichen, und der verirrte Sinn braucht vielleicht viele Monate, ehe er wieder zur anschauenden klarheit gelangt."
"Hätte ich nur einen recht schönen türkischen Shawl gehabt, ich wäre für mein Leben gern dabei gewesen, wenn ich auch nur ein ganz unbedeutendes Nebenpersönchen hätte vorstellen sollen; und was wetten wir? mein frommes, gelehrtes Schwesterchen würde sich unter dieser Bedingung auch wohl dazu haben bewegen lassen," rief überlaut das sehr junge fräulein Fanny Silberhain, indem es sich lachend hinter Gabrielen vor den zürnenden Blicken der viel ältern Schwester verbarg.
"Allerdings," sprach ein ansehnlicher, schwarz gekleideter Mann, "allerdings wüsste ich wenigstens keine bessre gelegenheit, um sowohl jene kostbaren Hüllen als überhaupt alle Pracht der Gewänder und auch körperliche Vorzüge ins schönste Licht zu stellen, als solche Tableaus. Bei Maskeraden verlieren die ausgesuchtesten Masken sich im Gewühl, und obendrein verhüllen die hässlichen Larven das Gesicht, hier aber wird uns der ungestörteste Genuss der Anschauung des Schönen, verbunden mit der aestetischen Freude an dem Kunstwerk, welches, gleichsam ins Leben gerufen, vor uns tritt."
"Echte Freude an der Kunst ist allemal religiös, hier aber, Herr Professor! sehe ich nur die traurige Erscheinung ungebändigten Weltsinns und unverhüllter Eitelkeit," sprach, sanftmütig zürnend, das fräulein mit dem Kruzifix.
"Erlauben Sie indessen, meine Gnädige!" erwiderte der Professor, "dass ich Sie daran erinnere, wie untrennbar die Neigung zur Eitelkeit von jeder höhern natur ist, die man die organische zu nennen pflegt; bemerkt man sie doch sogar an einigen der edleren Tiergattungen. Sie ganz ausrotten zu wollen, wäre eben so vergeblich als schädlich, so wie alles, was gegen die natur anstrebt. Es ist vielleicht unschicklich, hier den nackten Wilden als Beweis, wie tief der Hang zum Putz in unserem Wesen liegt, anzuführen, der sich tattowirt und mit grellen Farben bemalt um sich zu verschönern, aber blicken Sie nur um sich her, Sie finden bei Reichen und Armen dasselbe, nur anders gestaltet. Dass man sich, schön geschmückt, auch Andern gerne zeigt, ist ebenfalls natürlich und war es vom Anbeginn der Welt. Damals, als Weichlichkeit und Prachtliebe das alte Rom seinem Untergange näher führten, war es unter den vornehmen Römerinnen gebräuchlich, sich, wenn sie einander besuchten, nicht nur auf das herrlichste zu schmücken, sondern sich auch durch ihre Sklavinnen mehrere reiche Gewänder und Schmuck nachtragen zu lassen, die sie im haus der den Besuch empfangenden Dame alsdann sich anlegen liessen, wie Sie alle, meine Gnädigen, aus der weltberühmten Anekdote der Mutter der Grachen längst wissen werden. Man behauptet, dass diese Sitte auch unter den, allen männlichen Augen verborgen lebenden, vornehmen Frauen des Orients noch heute zu Tage im Schwange sei. Aber wie ärmlich, wie unbequem, wie ungraziös selbst erscheint diese Art von Schaustellung gegen eine Reihe von Tableaus, welche die glücklichste Wahl unter den Kostüms aller Völker, aller Jahrhunderte frei lassen. Die Pracht der Steine und der Gewänder erscheint in ihnen nur als das begleitende Attribut der Schönheit, des geistreichen Ausdrucks und der anmutigsten Stellungen, und wir können es in der Tat der Gräfin Rosenberg nicht genug verdanken, dass sie mit diesem erhöhten Genuss uns bekannt machte."
"In welchen wunderlichen zeiten leben wir! ein Professor muss gegen Damen die Eitelkeit in Schutz nehmen!" rief ein alter Herr.
"Mich dünkt, wir leben in einer in dieser Hinsicht recht verständigen Zeit, in welcher man endlich einmal aufhört, die Frauen allein eines Fehlers zu beschuldigen, den ich am liebsten eine Tugend nennen möchte," erwiderte schnell Ottokar. "Wir Männer mögen uns noch so weise anstellen," fuhr er lächelnd fort, "wir sind eben so wenig frei von ihm als die Frauen, und ich danke Gott dafür. Der Hang zum Gefallen erscheint mir als die Würze des geselligen Lebens, als die Wurzel aller seiner Freuden und Tugenden, die ohne ihn zu grund gehen müssten. Man täte ja am besten, in Höhlen und Wälder zu ziehen, wenn niemand mehr das Bestreben zeigen wollte, liebenswürdig zu erscheinen, und sogar durch den blossen Anblick zu gefallen."
"Sollte denn aus diesen Tableaus, über welche wir so viel streiten, nicht auch für die Kunst manches Gute entstehen können?" fragte Auguste von Willnangen.
"Dochwohl nur, indem sie mehr Teilnahme an ihr und ihren Erzeugnissen aufregen," erwiderte Ottokar, "sonst glaube ich nicht, dass sie in dieser Hinsicht von grossem Nutzen sind. Sie bleiben doch nur die Kopie einer Kopie der natur, und zwar eine unvollkommne, denn vieles muss aus jedem Gemälde hier wegbleiben, das doch durchaus dazu gehört, die Hintergründe, die Architekturen, die