frisch ans Werk, um zu retten, zu bessern, wieder herzustellen; Gott wird uns helfen."
Vergebens strebte Adelbert in den Armen des Generals sein übervolles Herz in verständlichen Worten vor ihm auszuschütten. "Sei ruhig," sprach dieser, "ich weiss alles, Du hast mir nichts zu bekennen. Ich komme von Deinem edlen Gegner, er leidet viel, doch hoffentlich ohne Gefahr. Nur der heftige Blutverlust kann seine Heilung verzögern, die Kugel hat eine Ader zerrissen und er blieb lange ohne hülfe."
Adelbert versuchte abermals zu reden, doch der General verhinderte es, indem er nochmals versicherte, die Gräfin Rosenberg und Hippolit hätten ihm alles erklärt. "Ich kenne den ganzen Umfang Deiner Schuld," sprach er, "aber ich weiss auch was sie mildert. Der Graf wollte freilich anfangs auch mir, wie seinen Leuten, aus eurem Duell ein geheimnis machen," –
"Duell?" unterbrach jetzt Adelbert den General, "Duell nennt er es? meine Tat ist Mord, meuchelmörderisch überfiel ich ihn, der wehrlos vor mir stand" –
"Lass das," erwiderte der General, "Du wusstest diesen Morgen eben so wenig was Du tatest, als ich gestern Abend wusste was ich tat. Zorn und Ueberraschung sind gefährliche Feinde, die uns, auf das Mildeste genommen, zu wenigstens dummen Streichen verleiten, deren man hernach Zeitlebens sich zu schämen hat. Das haben wir beide erfahren, ich gestern, Du heute. Jetzt stehe ich aber als Abgesandter des Grafen vor Dir, durch mich fordert er zurück was er Deiner Ehre vertraute, und erinnert Dich nochmals an das heilige Versprechen ewigen Schweigens über diesen Gegenstand. Ich lese in Deinen und Frau von Aarheims Blicken, dass Du es bei ihr schon jetzt vergessen hast," sprach nach einer kleinen Pause der General, beide mit prüfendem blick betrachtend. "Es ist nicht recht, aber auch diessmal noch mag der Zustand Deines Gemüts Dich entschuldigen. Unsere edle Freundin ist unfähig, ihre Kenntniss eines solchen Geheimnisses zu missbrauchen, darum übergieb ihr jetzt getrost das Buch, so kommt es am sichersten in die hände seines Eigentümers. Gabriele wird gewiss nicht den reinen blick mit dessen leidigen Inhalt besudeln wollen. Und nun komm, alles ist bereit, wir gehen mit einander auf Reisen. Unsere hollsteinischen Güter entbehren schon lange unsrer Gegenwart, dort wollen wir hin. Es ist gut, dass Du jetzt Augusten noch nicht wieder siehst; eigentlich verdienst Du es auch noch nicht, also ohne Abschied, Gabriele und Deine Kinder werden Dich indessen schon bei ihr vertreten und Deine Fürsprecher sein."
Gabriele versuchte es, hierin dem General einzureden, doch er verhinderte sie daran mit sanfter Gewalt. "Schöne, gute Frau!" sprach er, "ich weiss, im grund Ihres Herzens billigen Sie mein Vorhaben, warum denn versuchen, gegen Ihre eigne überzeugung mich eines andern überreden zu wollen? Wir sollten das nie; es kommt davon so vieles Ueble in der Welt, und dennoch lassen sich auch die Besten und Klügsten unter uns nur zu oft von ihrem Gefühl dazu hinreissen. Von Ihnen aber weiss ich, dass Sie über diese Schwäche erhaben sind, sobald Sie sich nur recht besinnen wollen. Jetzt lege ich Augustens armes, wundes Herz an das Ihrige, und reise in dieser Hinsicht getrost, Sie werden es zu heilen wissen, wenn es geheilt werden kann. Ich komme von ihr, sie schläft noch. Armes Kind! Körper und Geist sind tot-müde, denn wir sind zwei Nächte hinter einander durchreiset; ich und ihre Liebe liessen ihr keine Rast, und so wollen wir ihr die Erholung gönnen, welche die natur gütig ihr gewährt. Morgen bringt eine Staffette Ihnen die erste Nachricht von uns; Auguste wird sich um Adelberts Geschick beruhigen, wenn sie ihn bei mir weiss. Uebrigens reisen wir Tag und Nacht bis wir über die Gränze hinaus sind, denn die Polizei könnte doch wohl Lust bekommen, sich nach dem von ungefähr losgegangnen Pistol zu erkundigen, darum fort, fort, wir haben keine Zeit zu verlieren."
Mit diesen Worten zog er Adelberten sich nach, der wie im bewusstlosen Traume ihm folgte, Gabriele blieb einsam zurück. Beinahe nicht minder betäubt als er, starrte sie gedankenlos vor sich hin, bis Annette sie mit der Nachricht ins tätige Leben zurückrief, dass Auguste erwacht sei und sehnlichst nach ihr verlange. In stiller Ergebung betrachtete Auguste ihr Geschick, so wie allmählich die Hand der Freundschaft den Schleier sorgsam lüftete, der so lange nur in verworrner Gestaltung es ihr gezeigt hatte. Dann aber begann sie auch recht innig in ihre ländliche Einsamkeit, zu ihrer Mutter, zu ihren Kindern sich zurück zu sehnen. Sie hatte noch immer manchen harten Kampf mit ihrem Herzen zu bestehen, so fern auch alle Bitterkeit ihr war und blieb. Mit dem Glauben an Adelberts unerschütterliche Liebe, an seine felsenfeste Treue, war ihr auch die Ruhe verloren gegangen, mit der sie bis dahin der süssen Gewohnheit, glücklich zu sein, sich hingegeben hatte, ohne weder über ihr Glück noch über die Möglichkeit, dass es anders werden könne, nachzudenken. Es konnte noch alles gut werden, das fühlte sie, das hoffte sie, darum betete sie mit Inbrunst; doch wie konnte es so werden wie es gewesen war? Und diess Gefühl musste ihr Gemüt mit einer sehnsucht, einer stillen Trauer erfüllen, welche nur der Anblick ihrer Kinder zu mildern vermochte. In