existiert habe, da nach der Chronik von Wittenberg es schon gesungen worden, als Prinz Hamlet noch Fuchs gewesen. Doch gleichviel, wer es gemacht hat, das Werk ist gross und unsterblich und vorzüglich zu bewundern, wie die in den Chor eingeflochtenen Solos den Sängern freien Spielraum lassen zu den anmutigsten unerschöpflichsten Veränderungen. Einige dieser Veränderungen, die ich in dieser Nacht hörte, habe ich treu im Gedächtnis behalten.
Als der Chor geendet, fiel ein schwarz und weiss gefleckter Jüngling ein:
"Gar zu spitzig klafft der Spitz,
Gar zu grob der Pudel.
Jenem gönnt den Steiss zum Sitz,
Dem die Schnauz zum Hudel."
Chor. "Ecce quam etc. etc."
Darauf ein Grauer:
"Höflich zieht die Mütz' vom Kopf,
kommt Philister gangen.
Froh gebärdet sich der Tropf,
Will vor nichts ihm bangen."
Chor. "Ecce quam etc. etc."
Darauf ein Gelber:
"Schwimmen muss der muntre fisch,
Vögelein muss fliegen,
Floss' und Federn wachsen frisch,
werde't sie nimmer kriegen."
Chor. "Ecce quam etc. etc."
Darauf ein Weisser:
"Miaut und knurrt und knurrt und miaut.
Nur beileib' nicht kratzen;
Seid galant, dass man euch traut,
Schonet eure Tatzen."
Chor. "Ecce quam etc. etc."
Darauf Freund Muzius:
"Denkt Herr Aff' nach seinem Mass
Alle uns zu messen!
Spitzt das Maul, trägt hoch die Nas',
Wird uns doch nicht fressen."
Chor. "Ecce quam etc. etc."
Ich sass neben Muzius, an mir war daher jetzt die Reihe, mit einem Solo einzufallen. Alle Solos, die bis jetzt vorgetragen, wichen so sehr von den Versen ab, die ich sonst gedichtet, dass ich in Unruhe und Angst geriet, den Ton, die Haltung des Ganzen zu verfehlen. Daher kam es, dass ich, als der Chor geendet, noch schwieg. Schon erhoben einige die Gläser und riefen: "pro poena", als ich mich mit aller Gewalt zusammennahm und sofort sang:
"Pfot' in Pfot' und Brust an Brust
Soll uns nichts verdüstern.
Katzbursch sein ist unsere Lust,
Trotzen Katzphilistern!"
Chor. "Ecce quam etc. etc."
Meine Variation fand den lautesten, unerhörtesten Beifall. Die hochherzigen Jungen stürmten jubelnd auf mich ein, umpfoteten mich, drückten mich an ihre klopfende Brust. Auch hier erkannte man also den hohen Genius in meinem inneren. Es war einer der schönsten Augenblicke meines Lebens. – Nun wurde noch manchen grossen berühmten Katern, vorzüglich solchen, die, ihrer Grösse und Berühmteit unerachtet, sich von aller und jeder Philisterei entfernt gehalten und es bewiesen hatten durch Wort und Tat, ein feuriges Lebehoch! gebracht, und dann schieden wir auseinander.
Der Punsch war mir doch etwas zu kopf gestiegen, die Dächer schienen sich zu drehen, kaum vermochte ich mittelst des Schweifes, den ich als Balancierstange benutzte, mich aufrecht zu erhalten. Der treue Muzius, meinen Zustand bemerkend, nahm sich meiner an und brachte mich glücklich durch die Dachluke nach haus.
Wüste im kopf, wie ich mich noch niemals gefühlt, konnte ich lange nicht –
(Mak. Bl.)" – – ebenso gut gewusst, als die scharfsinnige Frau Benzon, aber dass ich gerade heute, eben jetzt von dir Nachricht erhalten sollte, du treue Seele, das hat mein Herz nicht geahnt." So sprach Meister Abraham, verschloss den Brief, den er erhalten, und in dessen Aufschrift er mit freudiger Überraschung Kreislers Hand erkannt hatte, ohne ihn zu öffnen, in den Schubkasten seines Schreibtisches und ging hinaus in den Park. – Meister Abraham hatte schon seit vielen Jahren die Gewohnheit, Briefe, die er erhielt, stunden-, ja, oft tagelang uneröffnet liegen zu lassen. "Ist der Inhalt gleichgültig," sprach er, "so kommt es auf den Verzug nicht an; entält der Brief eine böse Nachricht, so gewinne ich noch einige frohe oder wenigstens ungetrübte Stunden; steht eine Freudenpost darin, so kann ein gesetzter Mann wohl es abwarten, dass die Freude ihm über den Hals komme." Diese Gewohnheit des Meisters ist zu verwerfen, denn einmal ist solch ein Mensch, der Briefe liegen lässt, ganz untauglich zum Kaufmann, zum politischen oder literarischen Zeitungsschreiber, dann leuchtet es aber auch ein, wie manches Unheil sich sonst noch bei Personen, die weder Kaufleute sind noch Zeitungsschreiber, daraus erzeugen kann. – Was gegenwärtigen Biographen betrifft, so glaubt er ganz und gar nicht an Abrahams stoischen Gleichmut, sondern rechnet jene Gewohnheit vielmehr einer gewissen ängstlichen Scheu zu, das Geheimnis eines verschlossenen Briefes zu entfalten. – Es ist eine ganz eigene Lust Briefe zu empfangen, und darum sind uns die Personen besonders angenehm, die zunächst uns diese Lust verschaffen, nämlich die Briefträger, wie schon irgendwo ein geistreicher Schriftsteller bemerkt hat. Dies mag eine anmutige Selbstmystifikation genannt werden. Der Biograph erinnert sich, dass, als er einst auf der Universität mit dem sehnlichsten Schmerz lange vergebens auf einen Brief von einer geliebten person gewartet hatte, er den Briefträger mit Tränen im Auge bat, ihm doch recht bald einen Brief aus der Vaterstadt zu bringen, er solle auch dafür ein namhaftes Trinkgeld erhalten. Der Kerl versprach, was von ihm verlangt wurde, mit pfiffiger Miene, brachte den Brief, der in der Tat nach