anderm zu entschuldigen weiss als mit dem Drange des augenblicklichen Verhältnisses, so mag das Weib mich zuerst verdammen, die so wie ich den schweren Kampf durchkämpfte, der zu gänzlicher Verzichtung auf alles höhere Glück führt, sollte dies auch nichts anders sein als ein süsser träumerischer Wahn. – Fürst Irenäus machte meine Bekanntschaft. – Doch ich schweige von dem, was längst vergangen, nur von der Gegenwart soll noch die Rede sein. – Ich hab' es dir vergönnt, in mein Innerstes zu schauen, Meister Abraham, du weisst nun, warum ich, so wie die Dinge sich hier gestalten, jedes Hineindrängen eines fremdartigen exotischen Prinzips als bedrohlich fürchten muss. Mein eigenes Geschick in jener verhängnisvollen Stunde grinset mich an wie ein furchtbar warnendes Gespenst. Retten muss ich die, die mir teuer sind, ich habe meine Pläne gemacht. – Meister Abraham, seid mir nicht entgegen, oder, wollt Ihr in den Kampf treten mit mir, so seht Euch vor, dass ich Eure besten Taschenspielerkünste nicht zuschanden mache!"
"Unglückliche Frau," rief Meister Abraham.
"Unglücklich nennst du mich," erwiderte die Benzon, "mich, die ich ein feindliches Geschick zu bekämpfen wusste und mir da, wo alles verloren schien, Ruhe und Zufriedenheit gewann?"
"Unglückliche Frau," rief Meister Abraham nochmals mit einem Ton, der von seiner inneren Bewegung zeugte, "arme unglückliche Frau! Ruhe, Zufriedenheit vermeinst du gewonnen zu haben und ahndest nicht, dass es die Verzweiflung war, die, ein Vulkan, alle flammende Gluten aus deinem inneren hinausströmen liess, und dass du nun die tote Asche, aus der keine Blüte, keine Blume mehr sprosst, in starrer Betörung für das reiche Feld des Lebens hältst, das dir noch Früchte spenden soll. – Ein künstliches Gebäude willst du aufführen auf den Grundstein, den ein Blitzstrahl zermalmte, und befürchtest nicht, dass es einstürzen wird in dem Augenblick, da lustig bunte Bänder wehen von der Blumenkrone, die den Sieg des Baumeisters verkünden soll? – Julia – Hedwiga – ich weiss es, für sie wurden jene Pläne künstlich gewoben! – Unglückliche Frau, hüte dich, dass jenes unheilbringende Gefühl, jene eigentliche Verbitterung, die du mit grossem Unrecht meinem Johannes vorwirfst, nicht aus deinem eignen tiefsten inneren hervortritt, so dass deine weisen Entwürfe weiter nichts sind als das feindliche Auflehnen gegen ein Glück, das du niemals genossest, und das du nun selbst deinen Lieben missgönnst. – Ich weiss mehr von deinen Entwürfen, als du es glauben magst, mehr von deinen gerühmten Verhältnissen des Lebens, die dir Ruhe bringen sollen, und die – dich verlockten zu strafbarer Schande!" –
Ein dumpfer unartikulierter Schrei, den die Benzon bei diesen letzten Worten des Meisters ausstiess, verriet ihre tiefe Erschütterung. Der Meister hielt inne, da aber die Benzon ebenfalls schwieg, ohne sich von der Stelle zu rühren, fuhr er gelassen fort: "Zu nichts wenigerm habe ich Lust, als mich in irgendeinen Kampf mit Ihnen zu begeben, Gnädige! Was aber meine sogenannten Taschenspielerkünste betrifft, so wissen Sie ja recht gut, werteste Frau Rätin, dass seit der Zeit, da mein unsichtbares Mädchen mich verlassen –" In dem Augenblick erfasste den Meister der Gedanke an die verlorne Chiara mit einer Gewalt, wie seit langer Zeit nicht mehr, er glaubte ihre Gestalt zu erblicken in der dunklen Ferne, er glaubte ihre süsse stimme zu vernehmen. – "O Chiara! – meine Chiara!" So rief er in der schmerzlichsten Wehmut. –
"Was ist Euch," sprach die Benzon, sich schnell nach ihm umwendend, "was ist Euch, Meister Abraham! – welchen Namen nanntet Ihr? – Doch noch einmal, lasst ruhen alles Vergangene, beurteilt mich nicht nach jenen seltsamen Ansichten des Lebens, die Ihr mit Kreislern teilt, versprecht mir das Vertrauen nicht zu missbrauchen, das Euch Fürst Irenäus geschenkt, versprecht mir nicht entgegen zu sein in meinem Tun und Treiben."
So ganz vertieft in das schmerzliche Andenken an seine Chiara war Meister Abraham, dass er kaum vernahm, was die Rätin sprach, und nur unverständliche Worte zu erwidern vermochte.
"Weiset," fuhr die Rätin fort, "weiset mich nicht zurück, Meister Abraham, Ihr seid, wie es scheint, in der Tat mit manchem mehr bekannt, als ich vermuten durfte, doch ist es möglich, dass ich auch noch Geheimnisse bewahre, deren Mitteilung Euch sehr viel wert sein würde, ja, dass ich Euch vielleicht einen Liebesdienst erzeigen könnte, an den Ihr gar nicht denkt. Lasst uns zusammen diesen kleinen Hof beherrschen, der in der Tat des Gängelbandes bedarf. – 'Chiara' rieft Ihr mit einem Ausdruck des Schmerzes der –" Ein starkes Geräusch vom schloss her unterbrach die Benzon. Meister Abraham erwachte aus Träumen, das Geräusch – –
(M.f.f.) "– ich folgendes beibringen. Ein Katzphilister beginnt, ist er auch noch so durstig, die Schüssel Milch vom rand rund umher an aufzulecken, damit er sich nicht Schnauze und Bart bemilche und anständig bleibe, denn der Anstand gilt ihm mehr, als der Durst. Besuchst du einen Katzphilister, so bietet er dir alles nur mögliche an, versichert dich aber, wenn du scheidest, bloss seiner Freundschaft und frisst nachher heimlich und allein die Leckerbissen, die er dir angeboten. Ein Katzphilister weiss vermöge eines sichern untrüglichen Takts überall, auf