er gerade nichts Besseres zu tun wusste, weil es ihn gerade belustigte, der, suchtet Ihr ihn auf in seinen Assembleen und Koterien, Euch gar nicht wiedererkennen, ja Euch, weil Ihr nicht seinesgleichen seid, herausbeissen würde! Der gute Ponto, der, statt Euch einzuführen in das wahre Weltleben, Euch unterhielt mit albernen, menschlichen Geschichten! – Nein, guter Murr, jenes Ereignis hat Euch eine ganz andere Welt gezeigt, als die ist, in welche Ihr hineingehört! Glaubt mir aufs Wort, all Euer einsames Studieren hilft Euch ganz und gar nichts und ist Euch vielmehr noch schädlich. Denn Ihr bleibt dennoch ein Philister, und es gibt auf der ganzen weiten Erde nichts Langweiligeres und Abgeschmackteres als einen gelehrten Philister!"
Aufrichtig gestand ich dem Freunde Muzius, dass ich den Ausdruck Philister sowie seine eigentliche Meinung nicht ganz fasse. "O mein Bruder," erwiderte Muzius, indem er anmutig lächelte, so dass er in dem Augenblick sehr hübsch aussah und wieder ganz der alte propre Muzius schien, "o mein Bruder Murr, ganz vergeblich würde der Versuch sein, Euch dieses alles zu erklären, denn nimmermehr könnt Ihr begreifen, was ein Philister ist, solange Ihr selbst einer seid. Wollt Ihr indessen zur Zeit mit einigen Grundzügen eines Katzphilisters vorliebnehmen, so kann –
(Mak. Bl.) – – gar seltsames Schauspiel. In der Mitte des Zimmers stand Prinzessin Hedwiga; ihr Antlitz war leichenblass, todstarr ihr blick. Prinz Ignatius trieb sein Spiel mit ihr, wie mit einer Gliederpuppe. Er hob ihr den Arm in die Höhe, der stehen blieb und sank, wenn er ihn niederbeugte. Er stiess sie sanft vorwärts, sie ging, er liess sie stehen, sie stand, er setzte sie in den Sessel, sie sass. So vertieft war der Prinz in dies Spiel, dass er die Eintretenden gar nicht bemerkte.
"Was machen Sie da, Prinz!" – So rief ihm die Fürstin zu, da versicherte er kichernd und fröhlich sich die hände reibend, dass Schwester Hedwiga jetzt gut und artig geworden und alles tue, was er wünsche, auch ihm gar nicht so widerspreche und ihn ausschelte wie sonst. – Und damit begann er aufs neue, indem er militärisch kommandierte, die Prinzessin in allerlei Stellungen zu bringen, und jedesmal, wenn sie wie festgezaubert in der Stellung blieb, die er ihr gegeben, lachte er laut und sprang vor Freuden in die Höhe. "Das ist nicht zu ertragen," sprach die Fürstin leise mit zitternder stimme, indem Tränen ihr in den Augen glänzten, doch der Leibarzt trat auf den Prinzen zu und rief mit strengem gebietendem Ton: "Lassen Sie das bleiben, gnädigster Herr!" Dann nahm er die Prinzessin in die arme, liess sie sanft nieder auf die Ottomane, die im Zimmer befindlich, und zog die Vorhänge zu. "Es ist," wandte er sich dann zur Fürstin, "es ist zurzeit der Prinzessin nichts nötiger als die unbedingteste Ruhe, ich bitte, dass der Prinz das Zimmer verlasse."
Prinz Ignatius stellte sich sehr ungebärdig an und klagte schluchzend, dass jetzt allerlei Leute, die gar keine Prinzen wären und nicht einmal von Adel, sich unterfingen, ihm zu widersprechen. Er wolle nun bei der Prinzessin Schwester bleiben, die ihm lieber geworden sei als seine schönsten Tassen, und der Herr Leibarzt habe ihm gar nichts zu befehlen.
"Gehen Sie, lieber Prinz," sprach die Fürstin sanft, "gehen Sie in Ihre Zimmer, die Prinzessin muss jetzt schlafen, und nach der Tafel kommt fräulein Julia."
"fräulein Julia!" rief der Prinz, indem er kindisch lachte und hüpfte, "fräulein Julia! – Ha, das ist schön, der zeige ich die neuen Kupferstiche, und wie ich abgebildet bin in der geschichte vom Wasserkönig als Prinz Lachs mit dem grossen Orden!" – damit küsste er der Fürstin zeremoniös die Hand und reichte die seinige mit stolzem blick dar dem Leibarzt zum Kuss. Der fasste aber die Hand des Prinzen und führte ihn zur tür, die er öffnete, sich höflich verneigend. Der Prinz liess es sich gefallen, auf diese Art hinausgewiesen zu werden.
Die Fürstin sank, ganz Schmerz und Erschöpfung, nieder in den Lehnstuhl, stützte den Kopf in die Hand und sprach mit dem Ausdruck des tiefsten Wehs leise vor sich hin: "Welche Todsünde lastet auf mir, dass mich der Himmel so hart straft. – Dieser Sohn zu ewiger Unmündigkeit verdammt – und nun – Hedwiga – meine Hedwiga!" – Die Fürstin verfiel in trübes düstres Nachdenken.
Der Leibarzt hatte indessen mit Mühe der Prinzessin ein paar Tropfen irgendeiner heilsamen Arztnei eingeflösst und die Kammerfrauen herbeigerufen, die die Prinzessin, deren automatischer Zustand sich nicht im mindesten änderte, fortbrachten in ihre Zimmer, nachdem sie von dem Leibarzt die Weisung erhalten, bei dem kleinsten Zufall, den die Prinzessin erleiden könne, ihn sogleich herbeizurufen.
"Gnädigste Frau," wandte sich der Leibarzt zur Fürstin, "so höchst seltsam, so höchst besorglich auch der Zustand der Prinzessin scheinen mag, so glaube ich doch mit Gewissheit versichern zu können, dass er bald aufhören wird, ohne die mindesten gefährlichen Folgen zu hinterlassen. Die Prinzessin leidet an jener ganz besonderen, wunderbaren Art des Starrkrampfs, die in der ärztlichen Praxis so selten vorkommt, dass mancher hochberühmte Arzt niemals in seinem Leben gelegenheit fand, dieselbe zu beobachten. Ich