! – Ja, träumerisch kann ich sie nennen, diese Verwechslung, denn Träume stiegen auf und liessen mich jenes zweite gefährliche Ding, das breite, mit Rosshaaren gepolsterte Kissen suchen, um sanft darauf zu entschlummern. Dann erschien mir das süsse Bild der holden Miesmies! – Himmel, so stand wohl alles im Zusammenhange, Milchbrei, Verachtung der Wissenschaften, Melancholie, Polster, unpoetische natur, Liebesandenken! – Der Meister hatte recht, ich frass, ich schlief zuviel! – Mit welchem stoischen Ernst nahm ich mir vor, mässiger zu sein, aber schwach ist des Katers natur, die besten, herrlichsten Entschlüsse scheiterten an dem süssen Geruch des Milchbreies, an dem einladend aufgeschwellten Polster. – Eines Tages hört' ich den Meister, da er zum Zimmer herausgetreten, auf dem Flur zu jemanden sagen: "Mag es sein, meinetwegen, vielleicht heitert ihn Gesellschaft auf. Aber macht ihr mir dumme Streiche, springt ihr mir auf die Tische, schmeisst ihr mir das Tintenfass um oder sonst was herab, so werf' ich euch alle beide zum Tempel heraus."
Darauf öffnete der Meister die tür ein wenig und liess jemanden herein. Dieser Jemand war aber kein anderer als Freund Muzius. Beinahe hätte ich ihn nicht wiedererkannt. Seine Haare, sonst glatt und glänzend, waren struppig und unscheinbar, die Augen lagen ihm tief im Kopf, und sein sonst zwar etwas rauhes, aber doch ganz leidliches Wesen hatte etwas Übermütiges, Brutales angenommen. "Na," prustete er mich an, "na, findet man Euch einmal! Muss man Euch aufsuchen hinter Euerm verfluchten Ofen? – Doch mit Verlaub!" Er trat an den Teller und verzehrte die Backfische, die ich mir aufgespart hatte zum Abendbrot. "Sagt," sprach er dazwischen, "sagt mir nur ins Teufels Namen, wo Ihr steckt, warum Ihr auf kein Dach mehr kommt, Euch nirgends mehr sehen lasst, wo es munter hergeht?"
Ich erklärte, dass, nachdem ich die Liebe zur holden Miesmies aufgegeben, mich die Wissenschaften ganz und gar beschäftigt hätten, weshalb denn an Spaziergänge nicht zu denken gewesen wäre. Nicht im mindesten sehne ich mich nach Gesellschaft, da ich bei dem Meister alles hätte, was mein Herz nur wünschen könne, Milchbrei, Fleisch, Fische, ein weiches Lager u.s.w. Ein ruhiges sorgenfreies Leben, das sei für einen Kater von meinen Neigungen und Anlagen das erspriesslichste Gut, und um so mehr müsst' ich fürchten, dass dies, ginge ich aus, verstört werden könne, da, wie ich leider wahrgenommen, meine Inklination zur kleinen Miesmies noch nicht ganz erloschen und ihr Wiedersehen mich leicht zu Übereilungen hinreissen dürfe, die ich nachher vielleicht sehr schwer zu bereuen haben würde.
"Ihr könnt mir nachher noch einen Backfisch aufwixen!" So sprach Muzius, putzte sich mit gekrümmter Pfote nur ganz obenhin Maul, Bart und Ohren und nahm den Platz dicht neben mir auf dem Polster.
"Rechnet," begann Muzius, nachdem er zum Zeichen seiner Zufriedenheit ein paar Sekunden gesponnen, mit sanfter stimme und Gebärde, "rechnet es Euch, mein guter Bruder Murr, für ein Glück an, dass ich auf den Einfall geriet, Euch zu besuchen in Eurer Klause, und dass der Meister mich zu Euch liess ohne Widerrede. Ihr seid in der grössten Gefahr, in die ein tüchtiger junger Kerl von Kater, der Grütz' im kopf hat und Stärke in den Gliedern, nur geraten kann. Das heisst, Ihr seid in der Gefahr, ein arger abscheulicher Philister zu werden. Ihr sagt, dass Ihr den Wissenschaften zu strenge obliegt, um Zeit übrig zu behalten, Euch umzusehen unter Katern. Verzeiht, Bruder, das ist nicht wahr, Ihr seht, rund, gemästet, spiegelglatt, wie ich Euch finde, gar nicht aus wie ein Bücherwurm, wie ein Lukubrant. Glaubt mir, das verfluchte bequeme Leben ist es, was Euch faul und träge macht. Ganz anders wird Euch zumute sein, wenn Ihr Euch wie unsereins abstrapazieren müsstet, bis Ihr einmal ein paar Fischgräten erwischtet oder ein Vöglein finget." –
"Ich dachte," unterbrach ich den Freund, "dass Ihre Lage gut und glücklich zu nennen, Sie waren ja sonst –"
"Davon," fuhr mich Muzius zornig an, "davon ein andermal, aber nennt mich nicht Sie, das verbitt' ich mir, sondern Ihr, bis wir Schmolles getrunken haben. – Doch Ihr seid ein Philister und versteht Euch nicht auf den Komment."
Nachdem ich mich bei dem erzürnten Freunde zu entschuldigen gesucht, fuhr er sanfter fort: "Also wie gesagt, Eure Lebensart taugt nichts, Bruder Murr. Ihr müsst heraus, Ihr müsst heraus in die Welt." –
"Himmel," rief ich voll Schreck, "was sprecht Ihr, Bruder Muzius, in die Welt soll ich? – Habt Ihr vergessen, was ich Euch vor einigen Monaten im Keller davon erzählte, wie ich einst hinaussprang aus einem englischen Halbwagen in die Welt? Welche Gefahren mir von allen Seiten drohten? Wie mich endlich der gute Ponto rettete und zurückbrachte zu meinem Meister?" Muzius lachte hämisch. – "Ja," sprach er dann, "ja, das ist es eben, darin liegt es eben, der gute Ponto! – Der stutzerische, superkluge, narrenhafte, stolze Heuchler, der sich Eurer annahm, weil