Kunststück wisset, sagt mir, wie ich es anfange, mich bei schicklicher gelegenheit in eine Wespe zu verwandeln und den fürstlichen Hund dermassen zu turbieren, dass er aus seinem verfluchten Konzept kommt!" –
"Ich habe," nahm Meister Abraham das Wort, "ich habe Euch ausreden lassen, Kreisler, und frage Euch nun, ob Ihr mich ruhig anhören wollt, wenn ich Euch gewisse Dinge entdecke, die Eure Ahnungen rechtfertigen?"
"Bin ich," erwiderte Kreisler, "bin ich denn nicht ein gesetzter Kapellmeister – ich meine das nicht im philosophischen Sinn, dass ich mein Ich gesetzt als Kapellmeister; sondern beziehe das bloss auf die geistige Fähigkeit, in honetter Gesellschaft ruhigzubleiben, wenn mich ein Floh sticht."
"Nun also," fuhr Meister Abraham fort, "wisset, Kreisler, dass ein seltsamer Zufall mir tiefe Blicke in des Prinzen Leben vergönnt hat. Ihr habt recht, wenn Ihr ihn mit der Schlange im Paradiese vergleicht. Unter der schönen Hülle – die werdet Ihr ihm nicht absprechen – liegt giftige Verderbteit, ich möchte lieber sagen, Verruchteit, verborgen. – Er führt Böses im Schilde – er hat, aus vielem, was sich zugetragen, weiss ich's, er hat es abgesehen auf die holde Julia." –
"Hoho," schrie Kreisler, indem er im Zimmer umhersprang, "hoho, blanker Vogel, sind das deine süssen Lieder? – Wetter, Wetter, der Prinz ist ein tüchtiger Kerl, er greift zu, mit beiden Krallen auf einmal, nach gebotenen und verbotenen Früchten! – Holla, süsser Neapolitaner, du weisst nicht, dass Julien ein wackrer Kapellmeister, mit hinlänglicher Musik im leib, zur Seite steht, der hält dich, sowie du dich ihr näherst, für einen verdammten Ouartquinten-Akkord, der aufgelöst werden muss. Und der Kapellmeister tut, was seines Berufs ist, das heisst, er löst dich auf, indem er dir eine Kugel durch das Gehirn jagt oder dir gegenwärtigen Stockdegen durch den Leib rennt!" – Damit zog Kreisler seine Stockklinge heraus, setzte sich in Fechterpositur und fragte den Meister, ob er Anstand genug besitze, einen fürstlichen Hund zu durchspiessen. – "Seid doch nur ruhig," erwiderte Meister Abraham, "seid doch nur ruhig, Kreisler, es bedarf solcher Heldentaten gar nicht, um dem Prinzen das Spiel zu verderben. Es gibt andere Waffen für ihn, und die geb' ich Euch in die Hand. Gestern war ich im Fischerhäuschen, der Prinz kam mit seinem Adjutanten vorüber. Sie gewahrten mich nicht. 'Die Prinzessin ist schön,' sprach der Prinz, 'aber die kleine Benzon ist göttlich! Mein ganzes Blut wallte siedend auf, als ich sie sah – ha, sie muss mein werden, noch ehe ich der Prinzessin die Hand reiche. – Glaubst du, dass sie unerbittlich sein wird?' – 'Welches Weib hat Euch widerstanden, gnädigster Herr', erwiderte der Adjutant, 'Aber beim Teufel,' fuhr der Prinz fort, 'sie scheint ein frommes Kind zu sein' – 'und ein argloses', fiel ihm der Adjutant lachend ins Wort: 'und die frommen arglosen Kindlein sind es ja eben, die, überrascht von dem Angriff des sieggewohnten Mannes, duldend unterliegen und dann alles für Gottes Fügung halten, wohl gar in ungemeine Liebe geraten zu dem Sieger! – Das kann Euch auch so gehen, gnädigster Herr.' – 'Das wäre toll genug', rief der Prinz. 'Aber könnte ich sie nur allein sehen, – wie das anfangen?' – 'Nichts', erwiderte der Adjutant, 'nichts ist leichter als das. Ich habe bemerkt, dass die Kleine oft allein lustwandelt in diesem Park. Wenn nun' – Jetzt verhallten die Stimmen in der Ferne, ich konnte nichts mehr verstehen! – Wahrscheinlich wird irgendein höllischer Plan schon heute ausgeführt, und der muss vereitelt werden. Ich könnte das selbst tun, aber aus gewissen Ursachen möchte ich mich zurzeit dem Prinzen nicht zeigen, daher müsst Ihr, Kreisler, gleich fort nach Sieghartshof und aufpassen, wenn Julia etwa in der Dämmerung, wie sie zu tun pflegt, nach dem See lustwandelt, um den zahmen Schwan zu füttern. Diesen gang hat wahrscheinlich der italienische Bösewicht erlauscht. – Doch, empfangt die Waffe, Kreisler, und die höchst nötige Instruktion, damit Ihr im Kampf gegen den bedrohlichen Prinzen als ein guter Feldherr Euch zeigen möget!" –
Der Biograph erschrickt abermals über das total Abrupte der Nachrichten, aus denen er gegenwärtige geschichte zusammenstoppeln muss. – Wäre hier nicht schicklich einzurücken gewesen, welche Instruktion Meister Abraham dem Kapellmeister erteilte? Denn zeigt sich auch später die Waffe selbst, so wird es dir, geliebter Leser, doch unmöglich sein, einzusehen, was es damit für eine Bewandtnis hat. Doch kein einziges Wörtlein weiss der unglückliche Biograph zurzeit von jener Instruktion, mittelst der (so viel scheint gewiss) der wackre Kreisler in ein ganz besonderes Geheimnis eingeweiht wurde. – Doch! gedulde dich, günstiger Leser, noch ein wenig, bemeldeter Biograph setzt seinen Schreibedaumen zum Pfande, dass noch vor dem Schluss des buches auch dieses Geheimnis an den Tag kommen soll. – Es ist nun zu erzählen, dass, sowie die Sonne zu sinken begann, Julia, ein Körbchen mit Weissbrot am Arm, singend durch den Park wandelte zum See und sich mitten auf die