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"Beruhigen Sie sich," sprach Muzius, "beruhigen Sie sich doch nur, Sie überlassen sich zu sehr der Wut des jähen Schmerzes. Als Ihr wahrer Freund mag ich Sie jetzt weiter nicht in Ihrer angenehmen Verzweiflung stören. Wollen Sie sich in Ihrer Trostlosigkeit ermorden, so könnte ich Ihnen zwar mit einem tüchtigen Rattenpulver aufwarten, ich will es aber nicht tun, da Sie sonst ein lieber, scharmanter Kater sind und es jammerschade wäre um Ihr junges Leben. trösten Sie sich, lassen Sie Miesmies laufen, es gibt der anmutigen Katzen noch viele in der Welt. – Adieu, Bester!" – Damit sprang Muzius fort durch die geöffnete tür.
Sowie ich still, unter dem Ofen liegend, mehr nachsann über die Entdeckungen, die mir der Kater Muzius gemacht, fühlte ich wohl etwas in mir sich regen wie heimliche Freude. Ich wusste nun, wie ich mit Miesmies daran war, und die Quälerei mit dem ungewissen Wesen war am Ende. Hatte ich aber anstandshalber erst die gehörige Verzweiflung geäussert, so glaubte ich, dass derselbe Anstand es erfordere, dem Schwarzgraugelben zu leib zu gehen.
Ich belauschte zur Nachtzeit das Liebespaar hinter dem Schornstein und fuhr mit den Worten: "Höllischer bestialischer Verräter" auf meinen Nebenbuhler grimmig los. Der aber, an Stärke, wie ich leider zu spät bemerkte, mir weit überlegen, packte mich, ohrfeigte mich grässlich ab, dass ich mehreres Pelzwerk einbüsste, und sprang dann schnell fort. Miesmies lag in Ohnmacht, als ich mich ihr aber näherte, sprang sie ebenso behende als ihr Liebhaber auf und ihm nach in den Dachboden hinein.
Lendenlahm, mit blutigen Ohren schlich ich herab zu meinem Meister und verwünschte den Gedanken, meine Ehe konservieren zu wollen, hielt es auch für gar keine Schande, die Miesmies dem Schwarzgraugelben ganz und gar zu überlassen.
"Welch ein feindliches Schicksal," dachte' ich, "der himmlischromantischen Liebe halber werde ich in die Gosse geworfen, und das häusliche Glück verhilft mir zu nichts anderm als zu grässlichen Prügeln."
Am andern Morgen erstaunte ich nicht wenig, als ich, aus dem Zimmer des Meisters heraustretend, Miesmies auf der Strohmatte fand. "Guter Murr," sprach sie sanft und ruhig, "ich glaube zu fühlen, dass ich dich nicht mehr so liebe als sonst, welches mich sehr schmerzt."
"O teure Miesmies," erwiderte ich zärtlich, "es zerschneidet mir das Herz, aber ich muss es gestehen, seit der Zeit, dass sich gewisse Dinge begeben, bist du mir auch gleichgültig geworden."
"Nimm es nicht übel," sprach Miesmies weiter, "nimm es nicht übel, süsser Freund, aber es ist mir so, als wärst du mir schon längst ganz unausstehlich gewesen."
"Mächt'ger Himmel," rief ich begeistert, "welche Sympatie der Seelen, mir geht es so wie dir."
Nachdem wir auf diese Weise einig geworden, dass wir uns einander ganz unausstehlich wären und uns notwendigerweise trennen müssten auf ewig, umpfoteten wir uns auf das zärtlichste und weinten heisse Tränen der Freude und des Entzückens! –
Dann trennten wir uns, jeder war hinfort von der Vortrefflichkeit, von der Seelengrösse des andern überzeugt und pries sie jedem an, der davon hören mochte.
"Auch ich war in Arkadien," rief ich und legte mich auf die schönen Künste und Wissenschaften eifriger als jemals. (Mak. Bl.) – "Euch," sprach Kreisler, "ja, ich sag' es Euch aus tiefer Seele, diese Ruhe scheint mir bedrohlicher als der wütendste Sturm. Es ist die dumpfe taube Schwüle vor dem zerstörenden Gewitter, in der sich jetzt alles an dem hof bewegt, den Fürst Irenäus im Duodez-Format mit vergoldetem Schnitt, wie einen Almanach, ans Tageslicht gebracht. Vergebens steckt der gnädigste Herr unaufhörlich glänzende Feste auf, wie Gewitterableiter, als zweiter Franklin, die Blitze werden doch einschlagen und vielleicht sein eigenes Staatskleid versengen. – Es ist wahr, Prinzessin Hedwiga gleicht jetzt in ihrem ganzen Wesen einer hell und klar hinströmenden Melodie, statt dass sonst wilde, unruhige Akkorde durcheinander auffuhren aus ihrer wunden Brust, aber – Nun! und Hedwiga schreitet jetzt in verklärtem freundlichem Stolz an dem Arm des wackern Neapolitaners daher, und Julia lächelt ihn an auf ihre holdselige Weise und lässt sich seine Galanterien gefallen, die der Prinz, ohne ein Auge von der bestimmten Braut zu lassen, ihr so geschickt zuzuwenden weiss, dass sie ein junges unerfahrnes Gemüt wie Ricochet-Schüsse schärfer treffen müssen, als wenn das bedrohliche Geschütz geradezu darauf gerichtet! – Und doch glaubte sich, wie mir die Benzon erzählt, erst Hedwiga von dem mostro turchino erdrückt, und der sanften ruhigen Julia, dem Himmelskinde wurde der schmucke General en Chef zum schnöden Basilisk! – O ihr ahnenden Seelen, ihr hattet ja recht! – Teufel, hab' ich denn nicht in Baumgartens Weltistorie gelesen, dass die Schlange, die uns um das Paradies gebracht, stolzierte in goldgleissendem Schuppenwams? – Das fällt mir ein, wenn ich den goldverbrämten Hektor sehe. – Hektor hiess übrigens sonst ein sehr würdiger Bullenbeisser, der unbeschreibliche Liebe und Treue zu mir hegte. – Ich wollt', er wär' bei mir, und ich könnt' ihn dem fürstlichen Namensvetter in die Rockschösse hetzen, wenn er sich so recht spreizt zwischen dem holden Schwesterpaar! Oder sagt, Meister, da Ihr so manches