schleuderten die brennenden abwärts gekehrten Wachskerzen glühende Tropfen zur Erde. Der erste dieser Tropfen traf den Fürsten selbst, der indessen mit stoischem Gleichmut den Schmerz verbiss, wiewohl er in der Gravität des Schrittes nachliess und schneller vorwärts eilte. Der Genius schwebte jetzt fort über der Gruppe, die der Hofmarschall mit den Kammerjunkern nebst andern Hofchargen bildete, Füsse oben, Kopf unten, so dass der Glutregen aus den fackeln bald diesen, bald jenen auf den Kopf und auf die Nase traf. Den Schmerz zu äussern und so das frohe fest zu stören, hätte den Respekt verletzt, es war daher hübsch anzusehen, wie die Unglücklichen, eine ganze Kohorte stoischer Scävolas, mit grässlich verzerrten Gesichtern und doch mit Gewalt die Qual niederkämpfend, ja wohl gar ein Lächeln erzwingend, das dem Orkus anzugehören schien, daherschritten, lautlos, kaum bangen Seufzern Raum gebend. Dazu wirbelten die Pauken, schmetterten die Trompeten, riefen hundert Stimmen: 'Vivat, vivat die gnädigste Frau Fürstin! Vivat der gnädigste Herr Fürst!' so dass der durch den wunderlichen Kontrast jener Laokoontischen Gesichter mit dem lustigen jubel erzeugte tragische Patos der ganzen Szene eine Majestät gab, wie kaum zu denken.
Der alte dicke Hofmarschall konnte es endlich nicht mehr ertragen; als ihn ein glühender Tropfen gerade auf die Backe traf, sprang er in grimmer Wut der Verzweiflung seitwärts, verwickelte sich aber in die Strikke, die, zur Flugmaschine gehörend, gerade an der Seite hart über dem Boden fortliefen, und stürzte mit dem lauten Ausruf: 'Alle Teufel!' nieder zur Erde. In demselben Moment hatte auch der luftige Page seine Rolle ausgespielt. Der gewichtige Hofmarschall zog ihn mit Zentnerschwere nieder, er stürzte herab mitten unter das Gefolge, das, laut aufschreiend, auseinanderprallte. Die fackeln verlöschten, man befand sich in der dicksten Finsternis. Dies alles geschah dicht vor dem Teater. Ich hütete mich wohl, den Zünder anzustecken, der alle Lampen, alle Feuerbecken des Platzes auf einmal in Brand setzen musste, sondern wartete damit ein paar Minuten, um der Gesellschaft Zeit zu lassen, sich in Baum und Gebüsch gehörig zu verwirren. 'Licht – Licht' – rief der Fürst wie der König im 'Hamlet', 'Licht – Licht' eine Menge heisere Stimmen durcheinander. Als der Platz erleuchtet, glich der auseinandergesprengte Haufe einem geschlagenen Heer, das sich mühsam zusammenfindet. Der Oberkammerherr bewies sich als ein Mann von Gegenwart des Geistes, als der geschickteste Taktiker seiner Zeit; denn in wenigen Minuten war vermöge seiner Bemühungen die Ordnung wiederhergestellt. Der Fürst trat mit der nächsten Umgebung auf eine Art von erhöhten Blumentron, der in der Mitte des Zuschauer-Platzes errichtet. Sowie das fürstliche Paar sich niederliess, fielen vermöge einer sehr pfiffigen Vorrichtung jenes Maschinisten eine Menge Blumen auf dasselbe herab. Nun wollte es aber das dunkle Verhängnis, dass eine grosse Feuerlilie dem Fürsten gerade auf die Nase fiel und sein ganzes Gesicht glutrot überstäubte, wodurch er ein ungemein majestätisches, der Feierlichkeit des Festes würdiges Ansehen gewann."
"Das ist zu arg – das ist zu arg," rief Kreisler, indem er eine rasende Lache aufschlug, dass die Wände dröhnten.
"Lache nicht so konvulsivisch," sprach Meister Abraham, "auch ich lachte in jener Nacht unmässiger als jemals, ich fühlte mich eben zu allerlei tollem Mutwillen aufgelegt und hätte wie der Spukgeist Droll selbst gern alles noch mehr durcheinanderjagen, noch mehr verwirren mögen, aber desto tiefer drangen dann die Pfeile, die ich gegen andere gerichtet, ein in meine eigene Brust. – Nun! – ich will es nur sagen! Den Moment des läppischen Blumenbewerfens hatte ich gewählt, um den unsichtbaren Faden festzuknüpfen, der sich nun durch das ganze fest ziehen und, wie ein elektrischer Leiter, das Innerste der Personen durchbeben sollte, die ich mit meinem geheimnisvollen geistigen Apparat, in den sich der Faden verlor, mir in Rapport gesetzt denken musste. – Unterbrich mich nicht, Johannes – höre mich ruhig an. – Julia sass mit der Prinzessin hinter der Fürstin seitwärts, ich hatte beide im Auge. Sowie Pauken und Trompeten schwiegen, fiel Julien eine unter duftenden Nachtviolen versteckte aufbrechende Rosenknospe in den Schoss, und wie strömender Hauch des Nachtwindes schwammen die Töne deines tief ins Herz dringenden Liedes herüber: 'Mi lagnerò tacendo della mia sorte amara.' – Julie war erschrocken, als aber das Lied, das ich, ich sag' es, damit du über die Art des Vortrags etwa nicht in bange Zweifel gerätst, von unsern vier vortrefflichen Bassettornisten ganz in der Ferne spielen liess – begann, entfloh ein leichtes Ach ihren Lippen, sie drückte den Strauss an die Brust, und ich hörte deutlich, dass sie zur Prinzessin sprach: 'Er ist gewiss wieder da!' – Die Prinzessin umarmte Julien mit Heftigkeit und rief so laut: 'Nein nein – ach, niemals,' dass der Fürst sein feuriges Antlitz umdrehte und ihr ein zorniges Silence! zuwarf. Der Herr mochte auch wohl eben nicht gerade auf das liebe Kind sehr böse sein, aber ich will es hier bemerken, dass die wunderbare Schminke, ein Tiranno ingrato in der Oper hätte sich nicht zweckmässiger anmalen können, ihm wirklich das Ansehen eines fortwährenden unvertilgbaren Zorns gab, so dass die rührendsten Reden, die zartesten Situationen, welche häusliches Glück auf dem Trone allegorisch darstellten, rein verloren schienen; Schauspieler und Zuschauer gerieten darüber in nicht geringe Verlegenheit. Ja selbst, wenn der Fürst bei den