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das wäre vielleicht das einzige, was wir jetzt gleich tun könnten, um sicher zu sein, dass er uns nie verwunde, wenn er ein Autor worden."

Alle standen auf. Der Ästetiker griff nach der Schere.

Man kann sich meine Lage denken, ich beschloss, mit Löwenmut anzukämpfen gegen die Verunglimpfung, die man mir zugedacht, den ersten, der sich mir nahen würde, zu zeichnen auf ewige zeiten; ich rüstete mich zum Sprunge, sowie der Korb geöffnet werden würde.

In dem Augenblick trat Meister Abraham hinein, und vorüber war meine Angst, die schon sich steigern wollte zur Verzweiflung. Er öffnete den Korb, und noch ganz ausser mir, sprang ich mit einem Satz hinaus und schoss dem Meister wild vorbei unter den Ofen.

"Was ist dem Tiere widerfahren?" rief der Meister, die andern misstrauisch anblickend, welche dastanden ganz verlegen und, vom bösen Gewissen geplagt, gar nicht zu antworten vermochten.

So bedrohlich auch meine Lage im Gefängnis war, doch empfand ich inniges Wohlbehagen darüber, was der Professor von meiner mutmasslichen Laufbahn sagte, sowie sein deutlich ausgesprochner Neid mich höchlich erfreute. Ich fühlte schon das Doktorhütlein auf meiner Stirne, ich sah mich schon auf dem Kateder! – Sollten meine Vorlesungen denn nicht am häufigsten besucht werden von der wissbegierigen Jugend? – Sollte wohl ein einziger Jüngling von milden Sitten es übel deuten können, wenn der Professor bäte, keine Hunde ins Kollegium zu bringen? – Nicht alle Pudel hegen solch freundlichen Sinn wie mein Ponto, und dem Jägervolk mit langen hangenden Ohren ist nun vollends gar nicht zu trauen, da sie überall mit den gebildetsten Leuten meines Geschlechts unnütze Händel anfangen und sie mit Gewalt nötigen zu den unartigsten Äusserungen des Zorns, als da ist PruhstenKratzenBeissen etc. etc.

Wie höchst fatal müsst' es

(Mak. Bl.) – nur der kleinen rotwangigen Hofdame gelten, die Kreisler bei der Benzon gesehen. "Tun Sie mir," sprach die Prinzessin, "tun Sie mir den Gefallen, Nannette, gehen Sie selbst herab und sorgen Sie, dass man die Nelkenstöcke in meinen Pavillon trage, die Leute sind saumselig genug, um nichts auszurichten." – Das fräulein sprang auf, verbeugte sich sehr zeremoniös, flog dann aber schnell zum Zimmer heraus, wie ein Vogel, dem man den Käfig geöffnet.

"Ich kann," wandte sich die Prinzessin zum Kreisler, "ich kann nun einmal nichts herausbringen, wenn ich nicht mit dem Lehrer allein bin, der den Beichtvater vorstellt, dem man ohne Scheu alle Sünden vertrauen kann. Überhaupt werden Sie, lieber Kreisler, die steife Etikette bei uns seltsam, werden es lästig finden, dass ich überall von Hofdamen umgeben, gehütet werde wie die Königin von Spanien. – Wenigstens sollte man hier in dem schönen Sieghartshof mehr Freiheit geniessen. Wäre der Fürst im schloss, ich hätte Nannette nicht fortschicken dürfen, die sich selbst bei unseren musikalischen Studien ebensosehr langeweilt, als sie mich geniert. – Fangen wir noch einmal an, jetzt wird es besser gehen." – Kreisler, bei dem Unterricht die Geduld selbst, begann das Gesangstück, welches die Prinzessin einzustudieren unternommen, von neuem, aber so sichtlich Hedwiga sich auch mühte, soviel Kreisler auch einhelfen mochte, sie verirrte sich in Takt und Ton, sie machte Fehler über Fehler, bis sie, glutrot im ganzen Gesicht, aufsprang, an das Fenster lief und hinausschaute in den Park. Kreisler glaubte zu bemerken, dass die Prinzessin heftig weine, und fand seinen ersten Unterricht, den ganzen Auftritt etwas peinlich. Was konnte er Bessers tun als versuchen, ob der feindliche unmusikalische Geist, der die Prinzessin zu verstören schiene, sich nicht bannen lasse eben durch Musik. Er liess daher allerlei angenehme Melodien fortströmen, variierte die bekanntesten Lieblingslieder in kontrapunktischen Wendungen und melismatischen Schnörkeln, so dass er zuletzt sich selbst darüber wunderte, wie er so scharmant den Flügel zu spielen verstehe, und die Prinzessin vergass samt ihrer Arie und ihrer rücksichtslosen Ungeduld.

"Wie herrlich doch der Geierstein in der leuchtenden Abendsonne steht," sprach die Prinzessin, ohne sich umzuwenden.

Kreisler war eben in einer Dissonanz begriffen, natürlicherweise musste er diese auflösen und konnte daher nicht mit der Prinzessin den Geierstein und die Abendsonne bewundern. "Gibt's wohl einen reizendern Aufentalt weit und breit als unser Sieghartshof," sprach Hedwiga lauter und stärker als vorher. – Nun musste Kreisler wohl, nachdem er einen tüchtigen Schlussakkord angeschlagen, zu der Prinzessin an das Fenster treten, der Aufforderung zum Gespräch höflich genügend.

"In der Tat," sprach der Kapellmeister, "in der Tat, gnädigste Prinzessin, der Park ist herrlich, und ganz besonders ist es mir lieb, dass sämtliche Bäume grünes Laub tragen, welches ich überhaupt an allen Bäumen, Sträuchern und Gräsern sehr bewundere und verehre, und jeden Frühling dem Allmächtigen danke, dass es wieder grün worden und nicht rot, welches in jeder Landschaft zu tadeln, und bei den besten Landschaften, wie z.B. Claude Lorrain, oder Berghem, ja selbst bei Hackert, der bloss seine Wiesengründe was weniges pudert, nirgends zu finden."

Kreisler wollte weiter reden, als er aber in dem kleinen Spiegel, der zur Seite des Fensters angebracht, der Prinzessin todbleiches, seltsam verstörtes Antlitz erblickte, verstummte er vor dem Schauer, der sein Inneres durcheiste.

Die Prinzessin unterbrach endlich das Schweigen, indem sie,