da muss ich auch dabei sein, bleibt nur ruhig, ihr Herren! Wenn die Gefahr da ist, bin ich wieder hier, und wir packen an!" –
Und damit verliess er eilig das Zimmer.
Mir wurde in meinem Korbe wirklich bange. Das wilde Getöse – der Rauch, der nun in das Zimmer zu dringen begann, alles mehrte meine Angst! Allerlei schwarze Gedanken stiegen in mir auf! – Wie wenn der Meister mich vergässe, wenn ich schmachvoll umkommen müsste in den Flammen! – Ich fühlte, die furchtbare Angst mochte es verschulden, ein besonderes hässliches Kneifen im leib. – "Ha!" dachte' ich, "wenn im Herzen falsch, wenn neidisch ob meiner Wissenschaft, mich los zu werden, entoben jeder Sorg' zu sein, nun mich der Meister noch in diesen Korb gespunden. – Wie wenn selbst dieser unschuldsweisse Trank – wie, wär' es Gift, das er mit schlauer Kunst hier zubereitet, mir den Tod zu geben?" – Herrlicher Murr, selbst in der Todesangst denkst du in Jamben, lässt nicht aus der Acht, was du im Shakespeare-Schlegel einst gelesen! –
Meister Abraham steckte jetzt den Kopf zur tür hinein und sprach: "Die Gefahr ist vorüber, ihr Herren! Setzt euch nur ruhig hin an jenen Tisch und trinkt die paar Flaschen Wein aus, die ihr in dem Wandschrank gefunden, ich meinesteils begebe mich noch ein wenig aufs Dach und will erklecklich spritzen. – Doch halt, erst muss ich nachsehen, was mein guter Kater macht."
Der Meister trat vollends hinein, nahm den Deckel von dem Korbe, in dem ich sass, sprach mir zu mit freundlichen Worten, erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden, fragte, ob ich vielleicht noch einen gebratenen Vogel verspeisen wolle, welches alles ich mit mehrmaligem süssen Miau erwiderte und mich recht bequem ausstreckte, welches mein Meister mit Recht für das beredte Zeichen nahm, dass ich satt sei, noch im Korbe zu bleiben wünsche, und stülpte den Deckel wieder auf.
Wie wurde ich nun von der guten freundlichen Gesinnung überzeugt, die Meister Abraham für mich hegte. Ich hätte mich meines schnöden Misstrauens schämen müssen, wenn es überhaupt für einen Mann von verstand schicklich wäre, sich zu schämen. "Am Ende", dachte' ich, "war auch die fürchterliche Angst, das ganze Unheil ahnende Misstrauen weiter nichts als poetische Schwärmerei, wie sie jungen genialen Entusiasten eigen, die dergleichen oft förmlich brauchen als berauschendes Opium." Das beruhigte mich ganz und gar.
Kaum hatte der Meister die stube verlassen, als der Professor, ich könnt' es durch eine kleine Ritze des Korbes bemerken, sich mit misstrauischen Blicken nach dem Korbe umschaute und dann den andern zuwinkte, als habe er ihnen irgend Wichtiges zu entdekken. Dann sprach er mit so leiser stimme, dass ich kein Wörtlein verstanden, hätte der Himmel nicht in meine spitze Ohren mir unglaublich scharfes Gehör gelegt: "Wisst ihr wohl, wozu ich eben jetzt Lust hätte? – Wisst ihr wohl, dass ich hingehen zu jenem Korbe, ihn öffnen und dem verfluchten Kater, der drinnen sitzt, und der uns jetzt vielleicht alle mit seinem übermütigen Selbstgenugsein verhöhnt, dies spitze Messer in die Kehle stossen möchte?"
"Was fällt Euch ein," rief ein anderer, "was fällt Euch ein, Lotario, den hübschen Kater, den Liebling unseres wackern Meisters, wolltet Ihr umbringen? – Und warum sprecht Ihr denn so leise?"
Der Professor, ebenso mit gedämpfter stimme wie vorher weiter sprechend, erklärte, dass ich alles verstehe, dass ich lesen und schreiben könne, dass mir Meister Abraham auf eine, freilich geheimnisvolle, unerklärliche Weise die Wissenschaften beigebracht, so dass ich schon jetzt, wie ihm der Pudel Ponto verraten, schriftstellere und dichte, und dass das alles dem schelmischen Meister zu nichts anderm dienen werde als zur Verspottung der vortrefflichsten Gelehrten und Dichter.
"O," sprach Lotario mit unterdrückter Wut, "o, ich sehe' es kommen, dass Meister Abraham, der ohnedem das Vertrauen des Grossherzogs in vollem Masse besitzt, dass er mit dem unglückseligen Kater alles durchsetzt, was er nur will. Die Bestie wird Magister legens werden, die Doktorwürde erhalten, zuletzt als Professor der Ästetik Collegia lesen über den Aeschylos – Corneille – Shakespeare! – ich komme von Sinnen! – der Kater wird in meinen Eingeweiden wühlen und hat ganz infame Krallen!" –
Alle gerieten bei diesen Reden Lotarios, des Professors der Ästetik, in das tiefste Erstaunen. Einer meinte, es sei ganz unmöglich, dass ein Kater lesen und schreiben lernen könne, da diese Elemente aller Wissenschaft nächst der Geschicklichkeit, der nur der Mensch fähig, eine gewisse Überlegung, man möchte sagen, Verstand erforderten, der sogar nicht allemal bei dem Menschen, dem Meisterstück der Schöpfung, anzutreffen, viel weniger bei gemeinem Vieh!
"Bester," nahm ein anderer, wie mir's in meinem Korbe schien, sehr ernstafter Mann das Wort, "Bester, was nennen Sie gemeines Vieh? – Es gibt gar kein gemeines Vieh. Oft in stille Selbstbetrachtung versunken, empfinde ich den tiefsten Respekt vor Eseln und andern nützlichen Tieren. Ich begreife nicht, warum einer angenehmen Hausbestie von glücklichen natürlichen Anlagen nicht sollte das Lesen und Schreiben beigebracht werden, ja, warum – sich ein solches Tierlein nicht sollte erheben können zum Gelehrten und Dichter? – Ist denn das